Bankenkrise: Gegenwind auch für deutsche Banken

Der legendäre Banken-Stresstest erweist sich immer mehr als Makulatur. Die europäische Finanzwirtschaft steht vor erheblichen Problemen. Auch die deutschen Banken müssen sich wappnen.

Die Klage der amerikanischen Federal Housing Finance Agency (FHFA) gegen mehrere europäische Banken dürfte die Bankenkrise weiter verschärfen: Die Agentur wirft mehreren amerikaischen und europäischen Banken vor, dass sie an die beiden größten staatlichen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac wissentlich Schrottpapiere mit gebündelten, faulen Immobilienkrediten verkauft haben sollen. Die betroffenen Banken lesen sich wie das Who is Who der Bankenszene: Deutsche Bank, Goldman Sachs, Merrill Lynch (heute Bank of America), JPMorgan Chase, Citigroup, Morgan Stanley, HSBC, Barclays, Credit Suisse und Deutsche Bank. In der am Freitag eingereichten Klageschrift ist die Rede von einem Schaden von knapp 200 Milliarden Dollar.

Auch wenn sich die Deutsche Bank bereits entrüstet gegen die Klage geäußert hat – es wird ihr nicht viel helfen: Sie muss Rückstellungen bilden und sich auf exorbitante Rechtsanwaltskosten einstellen. Außerdem enden solche Verfahren in den USA immer mit einer Vergleichszahlung. Diese wird spürbar sein – auch wenn sie die meisten Banken theoretisch verkraften können.

Es stellt sich jedoch die Frage, wie viele weitere Schläge die europäischen Banken verdauen können. Schon jetzt ist der Interbankenmarkt ausgetrocknet, agieren die Häuser außergewöhnlich risikoavers. Die Forderungen nach einer Erhöhung des Eigenkapitals werden lauter und gewichtiger.

Und auch die deutschen Banken können den bestandenen Stresstest eigentlich schon wieder als historische Reminiszenz ablegen. Zwar wollen weder der Bundesverband deutscher Banken noch die BaFin zur aktuellen Lage der deutschen Banken Stellung beziehen. Die BaFin verweist auf die Verschwiegenheitspflicht nach § 9 des Kreditwesengesetzes. Doch Fachleute nehmen sich kein Blatt vor den Mund, wenn es um den Ernst der Lage geht: „Die zurzeit wahrscheinlichste Stresssituation, nämlich der Ausfall eines oder mehrerer Staaten wurde im Stresstest nicht ausreichend berücksichtigt“, kritisiert Univ.-Prof. Thomas Hartmann-Wendels vom Institut Bankwirtschaft und Bankrecht der Universität Köln. Der Test sage nichts darüber aus, ob deutsche oder andere europäische Banken wirklich gefährdet seien. So beliefen sich nach Angaben der Deutschen Bundesbank die Auslandsforderungen deutscher Banken einschließlich ihrer Auslandsfilialen und –töchter gegenüber Griechenland im Mai 2011 auf rund 24 Milliarden Euro, inklusive der bundesverbürgten Kredite der KfW im Zuge des Hilfsprogrammes. Gegenüber dem strauchelndem Spanien sind es rund 126 Milliarden Euro und bezüglich Italiens ca. 113 Milliarden Euro.

Unabhängig davon stellt sich auch die Frage, ob die höheren Eigenkapitalquoten, die auf die neuen Regeln „Basel III“ des Baseler Ausschusses zurückzuführen sind, den Banken vielleicht mehr schaden als helfen. Ziel von Basel III ist es, dass die Banken ihre Ausfallrisiken mit Eigenkapital abdecken, das Kernkapital also erhöhen. Aktuell liegt die so genannte Kernkapitalquote bei 7 Prozent. Zuzüglich eines weichen Kernkapitals, wie etwa stille Einlagen, von 1,5 Prozent und einem Ergänzungskapital von 2 Prozent ergibt sich daraus eine Eigenkapitalforderung von 10,5 Prozent. Sven Gebauer von der BaFin geht jedoch davon aus, dass höhere Eigenkapitalquoten das Bankensystem robuster machen werden und die angemessenen Übergangsfristen der Basel III den Banken ermöglichen, dieses höhere Eigenkapital aufzubringen.

Grundsätzlich besteht für Banken beispielsweise die Möglichkeit, ihr Eigenkapital durch das Abstoßen von Risikokapital aufzustocken. Die im April 2011 durchgeführte Studie von PricewaterHouseCoopers (PWC) zeigte, dass deutsche Banken Mitte 2010 Non-Performing Loans, also Problemkredite, im Wert von rund 225 Milliarden Euro besaßen. Diese könnten unter Umständen Abnehmer in den Bad-Banks, bei anderen Banken oder auch bei Finanzinvestoren finden. Theoretisch könnte der Verkauf dieser zur Erhöhung der Eigenkapitalquote beitragen. Allerdings ist dies abhängig von Faktoren wie Preisniveau und dem Abschreibungswert. Ganz zu schweigen davon, wofür die dadurch erzielten Gelder tatsächlich verwendet würden.

Interessant ist hier natürlich auch die Auflistung verschiedener deutscher Banken bezüglich ihrer Non-Performing Loans. Sieht man bei der Bayern LB, der LBB, der Postbank und der DZ Bank nur einen leichten Anstieg dieser Problemkredite zwischen 2008 und 2010, so besitzt die HSH Mitte 2010 beispielsweise Non-Performing Loans im Wert von rund 15 Milliarden Euro und die Commerzbank wies Mitte 2010 Problemkredite im Wert von rund 22 Milliarden Euro auf. 2008 waren es noch ca. 12,5 Milliarden Euro. Die durchgeführte Reduzierung der Risikoaktiva, die die Commerzbank am 10. August 2011 in ihrem Quartalsbericht vorlegte, reicht sicher nicht, um die Commerzbank zu stärken. Der Finanz- und Wirtschaftswissenschaftler Max Otte jedenfalls bezeichnete die Commerzbank in einem Interview mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten kürzlich als „wahrscheinlich insolvent“.

Einen teilweisen Ausfall der Griechenland Bonds, den deutsche Banken halten, hält Hartmann-Wendels für verkraftbar. Allerdings: „Kritisch wird es, wenn andere Staaten wie Spanien oder Italien dazukommen.“ Von anderen Szenarien, wie einer neuen Rezession, unerwarteten Klagen und anderen Unwegbarkeiten ganz zu schweigen.

Es zeigt sich also, dass der mit viel Pomp zelebrierte Stresstest Makulatur ist. Den wahren Stress dürfte die Realität machen – und da sieht es für einige Marktteilnehmer eher unwirtlich aus.

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