Franken und Euro: Das kann für die Schweiz sehr teuer werden

Nach wochenlangen Rekordanstiegen des Schweizer Frankens und zahlreichen vergeblichen Gegenmaßnahmen verkündete die Schweizer Nationalbank am Donnerstag die Koppelung der Schweizer Währung an den Euro. Die Schweizer Wirtschaftsexperten sind zuversichtlich bezüglich der Wirksamkeit dieser Maßnahme, auch wenn sie eine Inflation nicht ausschließen können.

Mit der Begründung, die momentane massive Überbewertung des Schweizer Frankens stelle eine akute Bedrohung für die Schweizer Volkswirtschaft dar und berge das Risiko einer deflationären Entwicklung, setzte die Schweizer Nationalbank nun einen Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro fest und bindet damit die eigene Währung an den Euro. Die große Gefahr, dass sich der Schweizer Franken wieder in Richtung Parität zum Euro bewege, scheint somit vorerst abgewendet. „Zudem geht die Schweizerischen Nationalbank davon aus, dass sie den Rückweg aus dem Geld, das jetzt möglicherweise zur Verfügung gestellt werden muss, ohne allzu viel Inflation wird bewerkstelligen können“, führt Martin Janssen, Professor für Finanzen am Institut für Banking und Finance der Universität Zürich, als weiteren Beweggrund für diese Maßnahme an. Zudem nimmt er an, dass die Schweizer Nationalbank so viel Glaubwürdigkeit erhalten hat, dass nicht sehr viele Schweizer Franken eingesetzt werden mussten, um den Mindestkurs festzulegen.

Ziel ist es, den Franken in Bezug auf andere Währungen wieder auf das Niveau zurückzusetzen, das den realwirtschaftlichen Gegebenheiten entspricht. So wird zumindest kurzfristig die Schweizer Volkswirtschaft profitieren und dementsprechend besonders sie Exporteure, für die nun das Wechselkursrisiko wegfällt und die somit wieder mehr Wettbewerbsfähigkeit erlangen. Auf der anderen Seite jedoch werden die Importgüter teurer und die in die Schweiz exportierenden Unternehmen könnten aufgrund des sich verteuernden Euro Schwierigkeiten bekommen.

Die aktuelle Situation im Euro-Raum und die dennoch durchgeführte Koppelung des Frankens an den Euro zeigen, wie dramatisch die Schweizer Nationalbank die Überbewertung der schweizerischen Währung einschätzt. Zwar wird der neue Mindestkurs auf kurze Sicht positive Auswirkungen mit sich bringen, „man kann aber nicht ausschließen, dass zunehmende Probleme im Euroraum dazu führen, dass der Schweizer Franken sich wieder aufwerten wird“, gibt Prof. Janssen zu bedenken. „Das könnte für die Schweizer Nationalbank und damit auch für die Schweiz in Form von Verlusten auf dem Euro und vor allem in Form von erwarteter zukünftiger Inflation sehr teuer werden.“ Auch Sebastian Sachs vom deutschen Bankhaus Metzler, sieht die Gefahr einer möglichen Inflation, geht jedoch davon aus, „dass die Zentralbank diese Überschussliquidität rechtzeitig wieder abschöpfen wird und somit einen stärkeren Druck auf das Preisniveau verhindern kann.“

Ein möglicher Schritt in Richtung EU-Beitritt steht jedoch nicht zur Debatte. „Ein Aufschrei würde durch’s Land gehen, wenn jemand bei der derzeitigen Performance der EU einen Beitritt fordern würde“, sagt der Schweizer Prof. Dr. Hans Wolfgang Brachinger vom Department für Quantitative Wirtschaftsforschung an der Universität Freiburg mit Nachdruck. Die Schweizer Wirtschaft habe schon manche Wechselkurskrise autonom durchgestanden, „und zwar durch permanente Suche nach höherer Produktivität und verbesserte bekannte oder innovative neue Produkte“, fügt Prof. Dr. Brachinger hinzu.

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