Währungskrise: Pensionsfonds und Ölpreis machen Norwegen immun

Die Norweger zeigen, wie man selbstbewusst und autonom durch die globale Währungskrise navigieren kann. Ökonomen in Oslo sehen die Schweizer Maßnahmen als Verzweiflungstat.

Wochenlang hatte die Schweizer Währung mit einer Überbewertung zu kämpfen und so die Exportunternehmen gefährdet. Schließlich legte die Schweizer Nationalbank in einem spektakulären Schritt den Wechselkurs auf 1,20 Franken pro Euro fest.

Auch in Ländern wie Brasilien, Japan und Norwegen kämpft man mit steigenden Wechselkursen, aber dem Schweizer Vorbild will man nicht folgen.

In Japan führte das Munkeln um ein mögliches neues Eingreifen der Bank of Japan heute zu einem leichten Kursverlust des Yen. Dieser wurde im Zuge der internationalen Unsicherheiten in den vergangen Wochen immer stärker und man wartet weiterhin mit Spannung darauf, ob es Änderungen der Leitzinsen geben wird. In Brasilien, das ebenfalls mit einer starken Währung zu kämpfen hat, gibt der Finanzminister Brasiliens, Guido Mantega, jedoch zu bedenken, dass die Maßnahmen der SNB vermutlich nur einen Kurzzeiteffekt haben werden, aber möglicher Weise auf lange Sicht nicht viel bewirken können. Insofern scheint man für Brasilien selbst nicht die Maßnahmen der SNB in Erwägung zu ziehen.

Und auch die Norweger geben sich, anders als die Schweizer, selbstbewußt: Hier denkt keiner daran, dass Norwegen dem Beispiel der SNB folgen könnte, obwohl auch die norwegische Krone mit erheblichen Aufwertungstendenzen zu kämpfen hat.

Der norwegische Finanzminister, Sigbjørn Johnsen, führte am Mittwoch an, dass der Wechselkurs der Krone in der Vergangenheit in schwierigen Situationen manches Mal mit einer zunehmenden Stärke, aber auch oft mit einer deutlichen Schwäche zu kämpfen hatte. „Deshalb müssen wir auf Kursschwankungen des Wechselkurses der Krone vorbereitet sein“, sagt Johnsen und bekräftigt zugleich: „Die Strategie des ‚Government Pensions Fund Global‘, mit großem Kapitalabfluss, schützt die Binnenökonomie gegen Schwankungen bei Ölpreisen und Wechselkursen“.

Knut Anton Mork, Chefökonom der norwegischen „Handelsbanken“, unterstützt diese These. „Die Norges Bank (Norwegische Zentralbank) greift normalerweise nicht in FX Markt ein. Mehr noch, der norwegische Leitzins beträgt 2,25% und kann folglich gekürzt werden – eine Option, die die SNB nicht hatte“, sagte er den Deutschen Mittelstands Nachrichten. Falls die Stärke der norwegischen Krone anhalte, erwarte Mork zunächst, dass diese Stärke als Argument gegen weitere Verschärfungen durch die Norges Bank zu werten wäre.

Falls sich die Situation nicht ändere, könne man noch immer den Leitzins senken. „Letztlich wäre es auch für die Norges Bank sehr schwierig, einen festgelegten Wechselkurs zu bestimmen, ohne eine neue Direktive zur Geldpolitik von der Regierung zu erhalten.“ Die Maßnahme der SNB wertet Mork als einzige Maßnahme, die der SNB geblieben sei, um den Schweizer Franken abzuwerten. Dennoch zweifelt er, „dass die Maßnahme ausreichend ist, um die Schweizer Wirtschaft aus der Flaute herauszuholen“.

Zwar kann sich Mork durchaus vorstellen, dass es auch in Norwegen zu einer Situation kommen kann, wo man gezwungen wäre, den Wechselkurs festzulegen, „aber es ist wahrscheinlicher, dass die globale Schwäche den Ölpreis drückt, als dass sie die norwegische Wirtschaft schwächt. Und das würde wiederum die norwegische Krone abschwächen.“ Die Zuversicht Norwegens in die eigene Wirtschaft und die Geldpolitik ist demnach noch immer ungebrochen. Eine Ansteckungsgefahr scheint nicht in Sicht.

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Kommentare

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  1. Silverager sagt:

    Es wird immer so getan, als sei eine starke Währung schlecht.
    Das Gegenteil ist richtig.
    Die DM wurde immer wieder aufgewertet (unter Wehklagen der Exportindustrie). Letztlich wurde dadurch aber der Zwang zum Sparen und zur Entwicklung von Innovationen geschaffen. Die Importpreise sanken natürlich in gleichem Maße. Damit wurde die DM zur stärksten Währung der Welt.
    Alles Vergangenheit.
    Es gibt derzeit einen Abwertungs-Wettlauf, der in einem Desaster enden wird.

  2. Silverager sagt:

    Es wird immer so getan, als sei eine starke Währung schlecht.
    Das Gegenteil ist richtig.
    Die DM wurde immer wieder aufgewertet (unter Wehklagen der Exportindustrie). Letztlich wurde dadurch aber der Zwang zum Sparen und zur Entwicklung von Innovationen geschaffen. Die Importpreise sanken natürlich in gleichem Maße. Damit wurde die DM zur stärksten Währung der Welt.
    Alles Vergangenheit.
    Es gibt derzeit einen Abwertungs-Wettlauf, der in einem Desaster enden wird.

  3. Silverager sagt:

    Es wird immer so getan, als sei eine starke Währung schlecht.
    Das Gegenteil ist richtig.
    Die DM wurde immer wieder aufgewertet (unter Wehklagen der Exportindustrie). Letztlich wurde dadurch aber der Zwang zum Sparen und zur Entwicklung von Innovationen geschaffen. Die Importpreise sanken natürlich in gleichem Maße. Damit wurde die DM zur stärksten Währung der Welt.
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  4. Silverager sagt:

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    Das Gegenteil ist richtig.
    Die DM wurde immer wieder aufgewertet (unter Wehklagen der Exportindustrie). Letztlich wurde dadurch aber der Zwang zum Sparen und zur Entwicklung von Innovationen geschaffen. Die Importpreise sanken natürlich in gleichem Maße. Damit wurde die DM zur stärksten Währung der Welt.
    Alles Vergangenheit.
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