Treibt die Europäische Zentralbank heimlich in die Pleite?

Weil die europäischen Regierungen keine Einigkeit über Eurobonds gefunden haben, entwickelt sich die Europäische Zentralbank (EZB) still und leise zur Bad Bank der Eurozone. Immer mehr Staaten drehen der EZB unter dem Vorwand Liquidität faule Papiere an – und treiben so die EZB am Ende selbst in die Pleite. Bezahlen würden den Spaß dann – die Deutschen.

Lange hat sich die EZB gewehrt, aber die Politik zwang sie zum fortgesetzten Sündenfall: Um es den verschuldeten Staaten einfacher zu machen finanzpolitisch zu überleben, kauft die EZB Staatsanleihen. Seit Mai 2010 hat sie dafür rund €116 Milliarden ausgegeben, ein Drittel davon allein im August 2011. Damit, so viele Kritiker, überschreite die EZB ihr Mandat: Sie wird damit zur Bad Bank, anstatt sich auf ihre Hauptaufgabe – die Gewährleistung der Preisstabilität – zu konzentrieren. Dies geschieht im Wesentlichen durch die Zinspolitik – und eine kurzfristige Zinspolitik sei nicht mehr möglich, weil die EZB immer tiefer im Schuldensumpf der Regierungen watet.

Die unter Druck geratenen Staaten haben einen einfachen Mechanismus für das Abwälzen ihrer Probleme an die EZB gefunden: So geht etwa die Irish National Asset Management Agency her und kauft schlecht besicherte Schulden mit neuen staatlichen Schuldverschreibungen (IOUS) und reicht diese dann munter an die EZB weiter. Das Ganze sieht dann ganz unverdächtig nach einer schlichten Liquiditätshilfe von Zentralbank zu Zentralbank aus.

Darüber hinaus wünschen sich die Südstaaten eine Senkung des EZB Leitzinses. Erst in diesem Jahr hatte die EZB den Leitzins nach fast vier Jahren Niedrigstand auf 1,5% erhöht. Am Donnerstag hatte sich die Zentralbank schon wieder von dieser Politik verabschiedet: Die Wirtschaft habe unerwartete Schwierigkeiten, man könne im Grunde nicht sagen, wie es weitergeht. Zu einer Inflationsprognose ließ sich EZB-Präsident Jean-Claude Trichet dann doch hinreißen: Er erwarte einen  Rückgang der Inflation im Jahr 2012.

Doch während die politischen Diskussionen immer weitere Horizonte ins Auge fassen – Angela Merkel räsonierte bei der Haushaltsdebatte am Mittwoch über die Änderung der EU-Verträge – , ziehen dunkle Wolken auch über der EZB auf. Was passiert eigentlich, wenn die EZB insolvent wird?

Die EZB hat rund €81 Milliarden an Eigenkapital. Dem gegenüber könnten, so schätzt das Wall Street Journal, bald portugiesische, irische und griechische Staatsanleihen im Wert von rund €400 Milliarden stehen, wenn die EZB ihren Anteil an diesen PIG- Anleihen verdoppelt. Außerdem hat die EZB rund €525 Milliarden an europäische Banken verliehen, deren Sicherheiten oftmals faule Assets sind. Wenn die EZB durch eine weitere Verschärfung der Schuldenkrise gezwungen wird, einen 25%-Haircut vorzunehmen, ist sie technisch gesehen insolvent, warnen die Volkswirte Benn Steil und Paul Swartz vom amerikanischen Council on Foreign Relations.

Dann aber gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder kapituliert die EZB vor der Inflation – und die Schulden werden über Inflation abgebaut, wie es der US-Ökonom Llyod B. Thomas in den Deutschen Mittelstands Nachrichten vorgeschlagen hat (Interview hier). Oder aber: Die reichen Länder Nordeuropas, allen voran Deutschland, muss die Schulden bezahlen. Dies geschähe jedoch ex post – ohne den geringsten Einfluss auf die Haushaltsdisziplin der überschuldeten Länder Südeuropas.

Solcherart steht Deutschland auch im Hinblick auf die EZB irgendwann vor der Wahl zwischen Pest oder Cholera.

Mehr zum Thema:

Starbatty: „Gericht hat Raum für weitere Klagen gegen Rettungsschirm gelassen“ (Interview)

Ex-BayernLB und Bankensprecher kann keine Bankenkrise sehen

Bankenkrise: Goldman Sachs empfiehlt Wetten gegen Europa

Banken Europass haben 203 Milliarden Forderungen gegen Griechenland

Kommentare

Dieser Artikel hat 9 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Karl-Heinz sagt:

    Das muss wohl noch eine Weile so weiter gehen, denn das Ziel ist noch nicht erreicht.

    Nämlich die totale Entstaatlichung Westeuropas, nach dem Vorbild „BRD“.

    Gruß Karl-Heinz

  2. Hanss sagt:

    (Treibt die Europäische Zentralbank heimlich in die Pleite?)

    Was sol die frage,sie ist schon PLEITE
    wie auch die sogenannte BRD

  3. Andre sagt:

    525 Mrd. an europäische Banken verliehen plus 125 Mrd. aufgekaufte Schrottanleihen = 650 Mrd. Euro Schulden der EZB im Währungschrash. An diesen ist Deutschland schon HEUTE mit 28 Prozent = 182 Mrd. Euro beteiligt. Und sie steigen täglich.

  4. M.Gatzke sagt:

    Solcherart steht Deutschland auch im Hinblick auf die EZB irgendwann vor der Wahl zwischen Pest oder Cholera.
    ———-
    richtig, nur nicht „irgendwann“ sondern- wir haben die Pest schon an Bord.

    Kein normaler Bürger kann noch verstehen, was die zusammenbasteln.
    Die „Macher “ sind im frükindlichen- vielleicht auch schon im pupertären– Denkvermögen angekommen und spielen Monopoly im Kinderzimmer
    Ich habe nur noch den Eindruck, alles was sonst zu nichts taugte, wanderte ab in die Politik. Hier konnte jeder Dummkopf große Töne spucken.
    Würde ein Unternehmer so wirtschaften, wäre er am Markt niemals überlebensfähig.
    Das Unternehmen Politik- lebt und lebt — und das gut. Für jede Dummheit stehen andere gerade. So lässt es sich aushalten.

    Und so singen wir: frei nach dem Lied–„wir lagen vor Masdagaskar“…
    Wir lagen vor Eurohausen und hatten die Pest an Bord.
    In den Banken da faulte der Euro und täglich ging einer über Bord.
    Ja wenn der Schäuble den großen Rettungschirm bringt,
    ja dann ist Europa ganz still ganz still-
    weil ein jeder sich seiner Konten bedient, die er gerne einmal wiedersehen will.

    Ahoi Europa.
    Ahoi, kameraden
    . .

  5. Zackinger sagt:

    Kann mir jemand erklären wie die EZB pleite gehen kann ? Als Zentralbank kann sie sich doch selbst „aus dem Nichts“ Geld schöpfen („drucken“). Dies ganz ohne Rücksicht auf die Höhe ihres Eigenkapitals oder irgendwelche anderen prozentmäßig vereinbarten Emissionsgrenzen. Sie hat sich meines Wissens schon bisher nicht an ihr Statut gehalten, warum sollte sie es in der Zukunft tun ? Die durch ihre Aufkäufe von Staatsanleihen der PIIGS-Staaten bewirkte Aufblähung der EURO-Geldmenge erhöht die Teuerungsrate im EURO-Raum; dies ist aber auch alles ! Und diesen Umstand wird die EZB vermutlich auch künftig in Kauf nehmen für den guten Zweck der EURO-Rettung ! So habe ich jedenfalls Herrn Trichet verstanden. Dieser seiner Politik haben doch auch alle europäischen Zentralbankpräsidenten und Spitzenpolitiker zugestimmt. Ich habe nicht gehört, daß es bei der Abstimmung über die erfolgten Anleihen-Aufkäufe irgendeine Gegenstimme gegeben hat. Ganz im Gegenteil, Herr Trichet wurde groß gefeiert. Die Möglichkeit eines Pleite-Gehens sehe ich nicht. Oder sehe ich das falsch ?

    • Broadarrow sagt:

      Wenn die EZB aus Schuldtitel Geld schöpft und diese Schuldtitel werden nicht zurückgezahlt, dann werden irgendwann die Passiva überwiegen. Dann ist man Pleite. Für die EZB gilt aber, dass sie durch die Mitgliedsstaaten kapitalisiert werden muss. Das geschieht wiederum durch die Hinterlegung von Schuldtitel. Von diesen Schuldtitel wird frisches Kapital geschöpft.

      Wenn man Geld aus „Nichts“ schöpft, wie soll man es dann verbuchen? Spekulationsgewinn? Arbeitserlöse Druckpresse? Arbeitserlöse der IT-Abteilung? Dann fallen auch noch Steuern an (har,har!)

      • Zackinger sagt:

        Zackinger antwortet Broadarrow :
        1.Die Geldschöpfung durch die EZB anläßlich des Ankaufs von EURO-Schuldtiteln (Anleihen von EURO-Banken, EURO-Staaten o.ä.) wird bei der EZB vermutlich wie folgt verbucht und in ihren Bilanzen wie folgt ausgewiesen: Aktiva:“Wertpapiere für geldpolitische Zwecke“,Pos.5.1 der Erläuterungen zur Bilanz, an Passiva:“Inter-Eurosystem-Verbindlichkeiten“,Pos.13.2 der Erläuterungen zur Bilanz ( siehe auch: http://www.ecb.eu/pub/pdf/annrep/ar2010 annualaccounts und http://de.wikipedia.org/wiki/Zentralbankbilanz ).
        2.Eine Disparität zwischen den beiden anfangs gleich hohen Posten kann in der Folge dann eintreten, wenn die Aktivposition (das Anleihe-Wertpapier) z.B.wegen mangelnder Einbringlichkeit ganz oder teilweise abgeschrieben würde. Dies setzte aber – wie immer – den Entschluß zur Abschreibung voraus. Wie unlängst Herr GD Ackermann/Deutsche Bank mitgeteilt hat, wäre ein Großteil der europäischen Großbanken auch heute schon pleite, wenn diese Banken die in ihrem Besitz befindlichen Wertpapiere zu Tageswerten bewerteten. Dies trifft vermutlich auch auf die EZB zu, die deswegen ja auch immer wieder als EZ-Bad-Bank bezeichnet wird. Eine Wertberichtigung, d.h. Abschreibung ihres Wertpapierbesitzes ( an Anleihen von PIIGS-Staaten-Schuldnern ) ist meines Erachtens trotzdem nicht zu erwarten. Die beiden Bilanzposten bleiben daher permanent gleich hoch und dies meiner Meinung nach ohne irgendwelche Konsequenzen. Vielleicht ist der Abschlußprüfer der EZB anderer Auffassung – was zu hoffen wäre.

  6. Silverager sagt:

    Wieso denn heimlich?