Griechenland: Rezession noch schlimmer, G7 rechnet mit Pleite

In Thessaloniki werden die sämtliche Straßen abgeriegelt: Ministerpräsident Papandreou wird am Nachmittag auf einer Messe eine Rede halte. Finanzminister Venizelos meldete am Morgen erneut Horrorzahlen. Aus G7-Kreise verlautet, man arbeite an einer Möglichkeit, den Griechen die nächsten 8 Milliarden auszuzahlen, gehe aber nunmehr von der Unvermeidlichkeit der Pleite aus.

Thessaloniki gleich am Samstag einer Festung: Überall in der Stadt patrouillieren schwerbewaffnete Polizeieinheiten. Regierungsgegner haben massive Demonstrationen angekündigt – sie wollen für mehr Aufsehen sorgen als je zuvor. Vor allem der öffentliche Dienst sperrt sich gegen weitere Sparmaßnahmen. Die meisten griechischen Unternehmen sind entweder im staatlichen Eigentum, kämpfen ums Überleben oder sind schon pleite. Aus Angst vor Ausschreitungen haben die Behörden die Stadt praktisch abgeriegelt. Am Nachmittag wird Ministerpräsident Georgios Papandreou auf einer Handelsmesse eine Rede zur wirtschaftlichen Lage der Nation halten.

Im Vorfeld hat Finanzminister Evangelos Venizelos bereits das Leitmotiv vorgegeben: Die Rezession wird noch viel schlimmer als erwartet. Venizelos sagte, „die Rezession übersteigt alle Projektionen, auch die der EU-Troika“. Statt der erwarteten 3,8% wird die griechische Wirtschaft die 5% mit Sicherheit übersteigen, sagte Venizelos. Damit wird es für die Griechen immer schwerer, die Vorgaben für nächste Tranche aus dem EU-Rettungsschirm zu erfüllen. Im ersten Quartal 2011 war die griechische Wirtschaft um 8,1% geschrumpft, im zweiten waren es immer noch 7,3%.

Venizelos sagte, dass man nun „ohne Rücksicht auf politische Verluste“ alles unternehmen werde, um das Vertrauen der Finanzmärkte und der politischen Partner in der EU wieder zu gewinnen. Man wolle alles tun, um jene zu widerlegen, die sagen „Griechenland ist ein Parasit und verdient es nicht im Euro zu sein“.

Unabhängig von diesen Bekenntnissen stellt man sich nun auch beim Treffen der G7 Finanzminister in Marseille auf die Pleite von Griechenland ein. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert einen ungenannten Teilnehmer, der sagte, vermutlich werde die Troika mit einer Sprachregelung kommen, die die Auszahlung der nächsten 8 Milliarden Euro für Griechenland ermögliche. Aber man habe nun als Arbeitshypothese, dass die Pleite Griechenlands unvermeidlich sei. (Original hier)

Finanzminister Wolfgang Schäuble hielt sich in Marseille bedeckt, was einen „Plan B“ in Deutschland zur Rettung der deutschen Banken anlange. Er dementierte einen solchen Plan nicht ausdrücklich, sondern sagte lediglich, dass jetzt nicht die Zeit für solche Spekulationen sei.

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Kommentare

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  1. resci sagt:

    nicht die Griechen sind schuld, dass es soweit kommen mußte, sondern das Versager-Konglomerat aus Politikern und EU-Beamten. Allenvoran Theo Waigel mit seiner Wahn-Idee dem zukünftigen Vielvölkerstaat Europa eine einheitliche Währung zu verpassen um als Mr. EURO in die Geschichtsbücher einzugehen.

    Wer in ein paar Jahren nur noch ein Bruchteil seiner ihm zustehenden Rente kassiert oder wer aufgrund der kommenden Währungsreform den Großteil seines Vermögens verliert, der sollte sich bei Waigel& Co am besten persönlich bedanken…

    Mal sehn, ob nachfolgende Politikergenerationen dann auch noch so leichtfertig mit dem vom deutschen Volk schwer erarbeiteten Geld hantieren und es weiterhin den allseits bekannten Betrügerstaaten ins offene Maul wirft.

    resci

  2. resci sagt:

    nicht die Griechen sind schuld, dass es soweit kommen mußte, sondern das Versager-Konglomerat aus Politikern und EU-Beamten. Allenvoran Theo Waigel mit seiner Wahn-Idee dem zukünftigen Vielvölkerstaat Europa eine einheitliche Währung zu verpassen um als Mr. EURO in die Geschichtsbücher einzugehen.

    Wer in ein paar Jahren nur noch ein Bruchteil seiner ihm zustehenden Rente kassiert oder wer aufgrund der kommenden Währungsreform den Großteil seines Vermögens verliert, der sollte sich bei Waigel& Co am besten persönlich bedanken…

    Mal sehn, ob nachfolgende Politikergenerationen dann auch noch so leichtfertig mit dem vom deutschen Volk schwer erarbeiteten Geld hantieren und es weiterhin den allseits bekannten Betrügerstaaten ins offene Maul wirft.

    resci