Griechenland-Pleite: Europas Banken fehlen 203 Milliarden Dollar

Wenn Griechenland in die Pleite rutscht, wäre die unmittelbare Folge eine europäische Bankenkrise. Wer die gewaltigen Ausfälle von 203 Milliarden Euro bezahlen soll, ist vollkommen unklar.

Immer mehr Regierungen distanzieren sich von Griechenland. Kein Wunder: Beim zweiten Nachdenken dämmert es langsam allen, dass der Rettungsschirm nichts gebracht hat. Sogar Wirtschaftsminister Philipp Rösler hat es gemerkt. Nachdem er noch vor wenigen Wochen einen Masterplan für Europa erstellen wollte, räsoniert er nun öffentlich über die „geordnete Insolvenz“ Griechenlands. Dies ist freilich nur ein Gedankenspiel – es gibt kein Procedere für eine Insolvenz in den europäischen Verträgen.

Was es jedoch gibt: Erhebliche Löcher in den Bilanzen der europäischen Banken. Und diese sind nach den ersten Zahlungen an Griechenland um kein bisschen kleiner geworden. Nach Informationen der Deutschen Mittelstands Nachrichten verharren die offenen Forderungen auf einem nahezu unverändert hohen Niveau. Das bedeutet: Von der erwarteten Tilgung der Schulden kann keine rede sein. Die Banken der Euro-Staaten haben gegen Griechenland insgesamt 202,9 Milliarden Dollar an Forderungen. Das ergibt die Summe der Berichtsbanken bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).

Die Zahlen der Deutschen Bundesbank vom Mai 2011, bezogen auf Auslandsforderungen deutscher Banken einschließlich ihrer Auslandsfilialen und –töchter, zeigen wenig Erfreuliches: etwas mehr als 24 Milliarden Euro. Magnus Mäkelä von der Deutschen Bundesbank sagte den Deutschen Mittelstands Nachrichten, dass sich an den Zahlen bis zum jetzigen Zeitpunkt (Ende August) nichts geändert habe. Von diesen 24 Milliarden Euro entfallen rund 1,4 Milliarden Euro auf griechische Banken, 5 Milliarden auf griechische Unternehmen und fast 18 Milliarden auf öffentliche Haushalte Griechenlands. Im Januar 2011 lagen die Auslandsforderungen deutscher Banken gegenüber Griechenland mit knapp über 25 Milliarden Euro in einer ähnlichen Höhe. Viel für ein Land, das vor dem Staatsbankrott steht und dessen Regierung offiziell für das BIP einen Rückgang von 3,9 Prozent angekündigt hat. Beobachter gehen indes von einer viel tieferen Rezession aus (mehr hier)

Die Summen sind enorm – selbst wenn man berücksichtigt, dass in den Auslandsforderungen deutscher Banken die von der KfW ausgereichten bundesverbürgten Kredite des im Mai 2010 von der Euro-Mitgliedsstaaten aufgelegten Hilfsprogramms für Griechenland mit eingerechnet sind.

Folgerichtig hält sich die Bereitschaft zu einer freiwilligen Beteiligung des privaten Sektors zur Schließung der griechischen Finanzierungslücke im Rahmen der Schuldenkrise in engen Grenzen. Schon jetzt verschwenden die Banken keinen Gedanken an Griechenland. So lag beispielsweise nach Aussagen von Commerzbank-Sprecher Reiner Rossmann das Engagement der Commerzbank im Juni 2011 bei 2,2 Milliarden Euro abzüglich bereits getätigter Tilgungszahlungen.

Insgesamt wollen sich private Gläubiger nun 3,2 Milliarden Euro in neue griechische Staatsanleihen investieren. „Mit den jüngsten Beschlüssen werden umfangreiche zusätzliche Risiken auf die Hilfe leistenden Länder und deren Steuerzahler verlagert“ äußert sich die Deutsche Bundesbank in ihrem Monatsbericht vom August 2011 und gibt zu Bedenken, dass damit die Gefahr bestehe, „dass die Verschuldungsneigung der EWU-Staaten eher noch zunimmt und die gemeinsame Geldpolitik verstärktem Druck zu einer lockeren Ausrichtung ausgesetzt wird.“

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Kommentare

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  1. ich sagt:

    Laßt Griechenland endlich pleite gehen,

    dann werden halt die Banken vom Staat rekapitalisiert, womit der Staat die Aktienmehrheit, beispielsweise auch von Großbanken wie der DB bekommt,

    dann wird aus der DB wieder eine echte Deutsche Bank,

    und die Spielkasiono-Abteilung in London, die über Jahrzehnte nur zum Schaden der Deutschen Volkswirtschaft gehandelt hat, kann geschlossen werden.

    Banken werden dann wieder zu Dienstleistern der Realwirtschaft – mit auskömmlicher Marge, aber eben stinklangweilig und solide.