Italien und China: Niemand außer der EZB kauft Anleihen

Experten beobachten, dass derzeit niemand außer der EZB und der lokalen Finanzwirtschaft italienische Staatsanleihen kauft. China ist an italienischen Staatsbetrieben interessiert und würde im Rahmen eines Deal „aus Sympathie“ auch mal eine Staatsanleihe mitnehmen – jene Größenordnungen jedoch, in denen die EZB aufkauft, sind für China unvorstellbar.

Heute startete Italien eine Auktion über neue Staatsanleihen und auch Spanien wird am 16. September Staatsanleihen zum Kauf anbieten. Die heute durch den Verkauf eingenommenen rund 6,5 Milliarden Euro sind zufriedenstellend, aber werden keine Euphorie auslösen. Und auch Chinas angebliches Interesse an den Staatsanleihen ist nicht über zu bewerten.

Die für heute angepeilte Spanne zwischen fünf und sieben Milliarden Euro wurde durch den Verkauf von italienischen Staatsanleihen erreicht, doch „wenn man weiß, was das normale Vorgehen ist, sind sogar 6,5 Mrd Euro eher weniger als üblich“, versichert der Anleihenexperte bei der Commerzbank, Daniel Schnautz. Zudem fielen die heute verkauften italienischen Anleihen alle in den Aktionsradius der SMP (Security Markets Programme), also in die Einkaufsbereich der EZB. Alle Investoren, die heute Anleihen übernommen haben, hätten jetzt noch die Möglichkeit, diese in den kommenden Tagen mehr oder weniger direkt an die EZB weiterzureichen. „Es könnte unter Umständen auch so gewesen sein, dass die EZB genau diese Staatsanleihen bereits im Vorfeld gezielt aufgekauft hat, um den Markt genau an diesen Stellen auszutrocknen und so die Aufnahmefähigkeit für diese zu steigern“, sagt Daniel Schnautz.

Momentan sieht Daniel Schnautz am Markt keine echte Nachfrage nach italienischen und spanischen Staatsanleihen, nur die EZB und einheimische Investoren wie Banken und Versicherer kaufen derzeit. „Wenn man das, was die EZB in den letzten Wochen an Staatsanleihen gekauft hat, sozusagen brutto mit dem vergleicht, was Italien und Spanien emittiert haben, so sticht ins Auge, dass die EZB mehr kauft, als emittiert wurde“. Allein vergangene Woche kaufte die EZB Staatsanleihen im Wert von fast 14 Mrd. Euro, so dass der Wert gekaufter Staatsanleihen von hoch verschuldeten Euro-Ländern durch die EZB nun bei rund 143 Mrd. Euro insgesamt liegt. Zudem gebe es die neben der EZB zum Kauf bereiten einheimischen Investoren nur aus starkem Eigeninteresse dieser, um zu verhindern, dass das eigene Finanzsystem aufgrund der Schwierigkeiten des Staates im weitesten Sinne nicht umkippe. Die regelmäßig zwei Mal im Monat stattfindenden Auktionen italienischer und spanischer Staatsanleihen bewirken aus Sicht des Marktes außerdem lediglich das Denken „nach der Auktion ist vor der Auktion“. Und so rechnet Daniel Schnautz auch für die Auktion Spaniens am 16. September mit keinem Käuferstreik.

Die Meldung der Financial Times, dass sich Italien sich in Gesprächen mit chinesischen Investoren über den Kauf von Staatsanleihen befindet, sorgte zunächst für große Aufregung und brachte den Dow Jones in den letzten Handelsminuten sogar wieder in Plus. Daniel Schnautz sieht das anders. Diese Gespräche habe es auch mit Griechenland und Portugal gegeben, „weil alle Emittenten bemüht seien, sich mit einem so großen Investor gut zu stellen. Die Chinesen hätten beispielsweise bei einer Auktion Portugals Anfang 2011 mitgemacht, zu einer Verbesserung der Situation habe es damals jedoch auch nicht geführt. „Nur weil ein Investor sagt, er macht mit, heißt das noch lange nicht, dass der Rest des Marktes bei gleichen Konditionen auch willens ist, einzusteigen“, erklärt Daniel Schnautz.

Mit einer Wende zum Besseren hat dies nichts zu tun. Im Moment müsse die EZB wöchentlich im zweistelligen Milliardenbereich hauptsächlich italienische und spanische Staatsanleihen erwerben. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Chinesen auch nur annähernd in einem solchen Umfang hier einsteigen würden.“ Es ist sei hingegen durchaus möglich, dass die chinesischen Investoren an einigen italienischen Unternehmen, die sich teilweise oder ganz im Staatsbesitz befinden, interessiert sind. „Und man kann sich unter Umständen auch vorstellen, je nachdem, wie solche Deals gestrickt sind, dass da aus Sympathien auch ein paar Staatsanleihen mit erworben werden.“

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Kommentare

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  1. Cangrande sagt:

    Ihre Webseite bringt den Informationssuchenden jedenfalls i. S. Eurozonen-Bailoutismus echten Mehrwert.

    Zwar wurde der Commerzbank-Analyst Daniel Schnautz auch in vielen anderen Medien zitiert: aber eben nicht so ausführlich wie bei Ihnen. Und in diesem Spiel macht jeder (Informations-)Mosaikstein ein neues (Horror-)Bild.

  2. Cangrande sagt:

    Ihre Webseite bringt den Informationssuchenden jedenfalls i. S. Eurozonen-Bailoutismus echten Mehrwert.

    Zwar wurde der Commerzbank-Analyst Daniel Schnautz auch in vielen anderen Medien zitiert: aber eben nicht so ausführlich wie bei Ihnen. Und in diesem Spiel macht jeder (Informations-)Mosaikstein ein neues (Horror-)Bild.