Bankenkrise: Lage bei BNP Paribas spitzt sich zu

Der Druck auf Frankreichs größtes Geldinstitut wächst: In den vergangenen Tagen hat die Bank ihre Lage als beherrschbar dargestellt. Nun sieht sie sich doch genötigt, 70 Milliarden Euro an risikobehafteten Aktiva zu verkaufen.

BNP hat Erklärungsbedarf: Am Dienstag musste die Bank internen Gerüchten über Finanzierungschwierigkeiten auf den Dollar-Märkten widersprechen. Am Mittwoch kündigte sie an, risikobehaftete Aktiva im Gesamtwert von rund 70 Milliarden zu verkaufen. Alleine 21 Milliarden Euro an italienischen Anleihen stehen im BNP-Bankenbuch.

In einem Gastbeitrag im Wall Street Journal am Dienstag sprach Nicolas Lecaussin, ein Direktor des „France Institute for Economic and Fiscal Research (IREF)“, von Finanzierungsproblemen der größten französischen Bank, BNP Paribas (BNP). Lecaussin zitiert einen anonymen BNP-Manager, der über die Bank sagt: „Wir bekommen keine US-Dollar. Amerikanische Geldmarktfonds geben uns nichts mehr“.

Noch am selben Tag kam die Entgegnung: BNP bestreite die Meldungen der anonymen BNP-Quelle kategorisch und bestätige, dass die Bank keine Finanzierungsschwierigkeiten auf den Dollar-Märkten habe. BNP verfüge über kurzfristige Mittel in der Höhe von rund 60 Milliarden Euro, davon auch 30 Milliarden von US-amerikanischen Geldmarktfonds. Zusätzlich verfüge die Bank über Wertpapiere von 135 Milliarden Euro. BNP habe derzeit – nach einer Abschreibung von 21% – griechische Staatsanleihen in der Höhe von 3,5 Milliarden Euro im Bankbuch stehen, dazu kommen noch italienische Anleihen von 21 Milliarden Euro.

Also Fehlalarm? Schon Anfang September hatte BNP eine Meldung veröffentlicht, in der die Bank erklärte, dass sie über reichliche Dollar-Liquidität verfüge und – im Gegensatz zu anderen Banken – nichts zu befürchten habe.

Am Mittwoch stufte die US-Ratingagentur Moody’s nun die Kreditwürdigkeit der französischen Großbank Crédit Agricole von Aa1 auf Aa2 und der Société Générale von Aa2 auf Aa3 herab. BNP blieb von dieser Maßnahme verschont, bleibe aber unter Beobachtung. BNP verkündete am selben Tag postwendend, 70 Milliarden Euro an risikogewichteter Aktiva verkaufen zu wollen. Das entspricht einem Abbau von rund 10% der Risiko-Assets der Bank. Zusätzlich werde auch der Bedarf an US-Dollar-Liquidität im Bereich Investmentbanking um 60 Milliarden US-Dollar 2012 reduziert. Laut Pressemeldungen des Konzerns konnte in der ersten Jahreshälfte 2011 der Bedarf an US-Dollar-Liquidität um 22 Milliarden US-Dollar reduziert werden.

Die Herausforderungen auf den Dollar-Märkten scheinen also doch ein Thema zu sein. Aber nicht nur in den USA tun sich Gefahrenherde auf: Nicolas Lecaussin schreibt, dass die drei größten französischen Banken insgesamt 57 Milliarden US-Dollar an griechischen Staatsschulden halten. Dazu kommen noch 140 Milliarden Euro an spanischen und fast 400 Milliarden Euro an italienischen Schulden. Er bezieht sich dabei auf die Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Ein Größenvergleich mit den USA sei alarmierend: Der Schuldenstand der drei größten US-Banken (Bank of America, JP Morgan and Citigroup) belaufe sich auf 5,86 Billionen US-Dollar, das sind rund 29% des amerikanischen BIP. In Frankreich hingegen ergeben die akkumulierten Schulden von BNP, Crédit Agricole and Société Générale insgesamt 4,7 Billionen Euro und damit 250% des französischen BIP. Eine Pleite von Griechenland, Spanien oder Italien könnte somit das gesamte französische Bankensystem ins Wanken bringen.

Auf gegensteuernde Maßnahmen in Frankreich wartet man derzeit vergebens: Der französische Notenbankchef Christian Noyer sprach am Mittwoch davon, dass die aktuelle Herabstufung sehr begrenzt sei und nur zwei der drei großen französischen Banken betroffen hatte. Es sei daher eine „vergleichsweise gute Nachricht“, so Noyer. Optimismus sieht jedenfalls anders aus.

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Kommentare

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  1. Andreas sagt:

    Selbst bei 29% wird mir schlecht, wenn ich an die Folgen eines Zahlungsausfalles denke.

  2. Andreas sagt:

    Selbst bei 29% wird mir schlecht, wenn ich an die Folgen eines Zahlungsausfalles denke.

  3. Andreas sagt:

    Selbst bei 29% wird mir schlecht, wenn ich an die Folgen eines Zahlungsausfalles denke.

  4. Andreas sagt:

    Selbst bei 29% wird mir schlecht, wenn ich an die Folgen eines Zahlungsausfalles denke.