Anzeichen von Kapitalflucht aus französischen Banken

In der französischen Bankenkrise gibt es ernsthafte Anzeichen einer einsetzenden Kapitalflucht aus Europa. So haben unter anderem Unternehmen begonnen, ihre Finanzierung über nicht-europäische Banken in die Wege zu leiten.

Die ersten Folgen des Downgrades von Moody’s für zwei französische Banken machen nun den französischen Banken große Sorgen: Während viele Banken Schwierigkeiten haben, sich mit Dollars für ihre US-Geschäfte zu versorgen, beginnen nun offenbar erste Investoren, ihr Kapital von den europäischen Banken abzuziehen. Daher wenden sich die Banken nun auch wieder verstärkt an die Europäische Zentralbank, um Liquidität sicherzustellen: So teilte die EZB am Donnerstag mit, dass sie 575 Millionen Dollar an zwei Banken geliehen habe, nachdem diese nicht in der Lage waren, sich das Geld auf dem Kapitalmarkt zu beschaffen.

Außerdem haben einem Bericht des Wall Street Journal zufolge mehrere große Geschäftskunden begonnen, ihre Finanzierung außerhalb der Eurozone sicherzustellen. Es herrscht die Sorge, dass die französischen Banken ein zu großes Risiko darstellen. Zu diesen Kunden gehören unter anderem Energie und Rohstoffunternehmen, die Liquidität für ihre täglichen Handelsgeschäfte benötigen. Bis zu 15% der jährlichen Gewinne von Société Générale und BNP Parisbas gehen auf das Konto genau dieser Geschäfte. Ein mit den Entwicklungen Vertrauter sagte dem Wall Street Journal: „Sollte in Europa etwas passieren, wollen diese Unternehmen keine Liquiditätslücke haben. Sie bereiten sich vor.“

Von dieser Entwicklung profitieren auch die US-Banken. Angeblich hat sich ein Energieunternehmen an Citigroup gewandt, um eine Kreditlinie von einer Milliarde Dollar zu bekommen, die es für seine Schiffs-Aktivitäten benötigt. Das Unternehmen habe Angst, dass Kredite in Europa wegen der Herabstufung zu teuer werden könnten. Auch bei japanischen Banken wie der Nomura Holdings Inc. sind Anfragen eingegangen, wie man sich Dollars von Investoren aus Asien holen könnte.

Der BNP-Chef Baudouin Prot reagierte wie schon bisher in der Krise: Er sehe keine Anzeichen, dass sich große europäische Unternehmen um alternative Finanzierung umsehen.

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Kommentare

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  1. Cangrande sagt:

    Ein äußerst informativer Bericht; die Details habe ich so in den großen Medien nicht gelesen, danke!

    Jedoch habe ich zu dieser Dollarverleiherei durch nicht-amerikanische Zentralbanken (EZB + jap. Nationalbank) eine Verständnisfrage, die nirgends auch nur angesprochen wird:

    Wozu ist es überhaupt erforderlich, dass die EZB den Geschäftsbanken DOLLARS leiht? Müsste doch eigentlich reichen, wenn die EZB (gegen Sicherheiten – aber das wird ja angeblich bei den Dollar-Darlehen genau so gehandhabt) einfach nur Euronen verteilt?
    Grundsätzlich ist es mir ohnehin ein Rätsel, wie die USA ein Leistungsbilanzdefizit haben, aber gleichzeitig Geld ans Ausland verleihen können. Da sollten doch eigentlich Kredite des Auslands AN die USA deren Leistungsbilanzdefizit finanzieren?
    Selbst abgesehen davon verstehe ich die aktuelle Notenbankhilfe nicht.
    Insoweit sehe ich -2- (ggf. kumulierte) Möglichkeiten, wieso europäische Banken USD benötigen könnten:
    1) Rollover von Krediten. Die Banken könnten sich Dollars kurzfristig geliehen haben und müssen diese zurückzahlen, können das aber nicht, weil sie keine USD-Einlagen haben und mangels Vertrauen der US-Darlehnsgeber kein Rollover der Kredite möglich ist.
    2) Begleichen von (z. B.:) Öl-Rechnungen in USD. Damit sollten die Banken eigentlich kein Problem haben: Wenn die deutsche Shell ‘ne Milliarde Dollar nach Saudi-Arabien überweisen muss, muss sie halt jene Euronen, die sie hier eingenommen hat, am Devisenmarkt gegen Dollars umtauschen. Stinknormaler Vorgang, m. E. null problemo (der Devisenmarkt wälzt ja ohnehin größere Beträge um, als die Realwirtschaft erwirtschaftet).
    Aber selbst dann, wenn unsere Banken amerikanische Kredite tilgen müssten (Ziff. 1) und dazu Dollars brauchen, können sie sich die doch genau so beschaffen wie die Firmen der Realwirtschaft: eingenommene (oder, im Falle der Banken, von der EZB geliehene) Euronen am Devisenmarkt in Dollars umtauschen???
    Ich als wirtschaftlich interessierter Laie kapiere nicht (und leider erklärt das auch keiner den Lesern – wahrscheinlich begreifen das die allermeisten Volkswirte nicht einmal selbst), warum sich unsere Banken von unserer Zentralbank fremdes Geld leihen müssen, wenn es doch einen äußerst flüssigen Devisenmarkt gibt, auf dem man sich sowas jederzeit problemlos kaufen kann?
    Geht es hier um absolute Knappheiten/Hindernisse, oder geht es nur um die Profite, ist es evtl. billiger, sich direkt Dollars von der EZB zu leihen, als diese am Markt zu kaufen? (Kann doch eigentlich nicht sein, wenn die EZB für die Dollars höhere Zinsen als für Euros verlangt?)

  2. Cangrande sagt:

    Ein äußerst informativer Bericht; die Details habe ich so in den großen Medien nicht gelesen, danke!

    Jedoch habe ich zu dieser Dollarverleiherei durch nicht-amerikanische Zentralbanken (EZB + jap. Nationalbank) eine Verständnisfrage, die nirgends auch nur angesprochen wird:

    Wozu ist es überhaupt erforderlich, dass die EZB den Geschäftsbanken DOLLARS leiht? Müsste doch eigentlich reichen, wenn die EZB (gegen Sicherheiten – aber das wird ja angeblich bei den Dollar-Darlehen genau so gehandhabt) einfach nur Euronen verteilt?
    Grundsätzlich ist es mir ohnehin ein Rätsel, wie die USA ein Leistungsbilanzdefizit haben, aber gleichzeitig Geld ans Ausland verleihen können. Da sollten doch eigentlich Kredite des Auslands AN die USA deren Leistungsbilanzdefizit finanzieren?
    Selbst abgesehen davon verstehe ich die aktuelle Notenbankhilfe nicht.
    Insoweit sehe ich -2- (ggf. kumulierte) Möglichkeiten, wieso europäische Banken USD benötigen könnten:
    1) Rollover von Krediten. Die Banken könnten sich Dollars kurzfristig geliehen haben und müssen diese zurückzahlen, können das aber nicht, weil sie keine USD-Einlagen haben und mangels Vertrauen der US-Darlehnsgeber kein Rollover der Kredite möglich ist.
    2) Begleichen von (z. B.:) Öl-Rechnungen in USD. Damit sollten die Banken eigentlich kein Problem haben: Wenn die deutsche Shell ‘ne Milliarde Dollar nach Saudi-Arabien überweisen muss, muss sie halt jene Euronen, die sie hier eingenommen hat, am Devisenmarkt gegen Dollars umtauschen. Stinknormaler Vorgang, m. E. null problemo (der Devisenmarkt wälzt ja ohnehin größere Beträge um, als die Realwirtschaft erwirtschaftet).
    Aber selbst dann, wenn unsere Banken amerikanische Kredite tilgen müssten (Ziff. 1) und dazu Dollars brauchen, können sie sich die doch genau so beschaffen wie die Firmen der Realwirtschaft: eingenommene (oder, im Falle der Banken, von der EZB geliehene) Euronen am Devisenmarkt in Dollars umtauschen???
    Ich als wirtschaftlich interessierter Laie kapiere nicht (und leider erklärt das auch keiner den Lesern – wahrscheinlich begreifen das die allermeisten Volkswirte nicht einmal selbst), warum sich unsere Banken von unserer Zentralbank fremdes Geld leihen müssen, wenn es doch einen äußerst flüssigen Devisenmarkt gibt, auf dem man sich sowas jederzeit problemlos kaufen kann?
    Geht es hier um absolute Knappheiten/Hindernisse, oder geht es nur um die Profite, ist es evtl. billiger, sich direkt Dollars von der EZB zu leihen, als diese am Markt zu kaufen? (Kann doch eigentlich nicht sein, wenn die EZB für die Dollars höhere Zinsen als für Euros verlangt?)

  3. Cangrande sagt:

    Ein äußerst informativer Bericht; die Details habe ich so in den großen Medien nicht gelesen, danke!

    Jedoch habe ich zu dieser Dollarverleiherei durch nicht-amerikanische Zentralbanken (EZB + jap. Nationalbank) eine Verständnisfrage, die nirgends auch nur angesprochen wird:

    Wozu ist es überhaupt erforderlich, dass die EZB den Geschäftsbanken DOLLARS leiht? Müsste doch eigentlich reichen, wenn die EZB (gegen Sicherheiten – aber das wird ja angeblich bei den Dollar-Darlehen genau so gehandhabt) einfach nur Euronen verteilt?
    Grundsätzlich ist es mir ohnehin ein Rätsel, wie die USA ein Leistungsbilanzdefizit haben, aber gleichzeitig Geld ans Ausland verleihen können. Da sollten doch eigentlich Kredite des Auslands AN die USA deren Leistungsbilanzdefizit finanzieren?
    Selbst abgesehen davon verstehe ich die aktuelle Notenbankhilfe nicht.
    Insoweit sehe ich -2- (ggf. kumulierte) Möglichkeiten, wieso europäische Banken USD benötigen könnten:
    1) Rollover von Krediten. Die Banken könnten sich Dollars kurzfristig geliehen haben und müssen diese zurückzahlen, können das aber nicht, weil sie keine USD-Einlagen haben und mangels Vertrauen der US-Darlehnsgeber kein Rollover der Kredite möglich ist.
    2) Begleichen von (z. B.:) Öl-Rechnungen in USD. Damit sollten die Banken eigentlich kein Problem haben: Wenn die deutsche Shell ‘ne Milliarde Dollar nach Saudi-Arabien überweisen muss, muss sie halt jene Euronen, die sie hier eingenommen hat, am Devisenmarkt gegen Dollars umtauschen. Stinknormaler Vorgang, m. E. null problemo (der Devisenmarkt wälzt ja ohnehin größere Beträge um, als die Realwirtschaft erwirtschaftet).
    Aber selbst dann, wenn unsere Banken amerikanische Kredite tilgen müssten (Ziff. 1) und dazu Dollars brauchen, können sie sich die doch genau so beschaffen wie die Firmen der Realwirtschaft: eingenommene (oder, im Falle der Banken, von der EZB geliehene) Euronen am Devisenmarkt in Dollars umtauschen???
    Ich als wirtschaftlich interessierter Laie kapiere nicht (und leider erklärt das auch keiner den Lesern – wahrscheinlich begreifen das die allermeisten Volkswirte nicht einmal selbst), warum sich unsere Banken von unserer Zentralbank fremdes Geld leihen müssen, wenn es doch einen äußerst flüssigen Devisenmarkt gibt, auf dem man sich sowas jederzeit problemlos kaufen kann?
    Geht es hier um absolute Knappheiten/Hindernisse, oder geht es nur um die Profite, ist es evtl. billiger, sich direkt Dollars von der EZB zu leihen, als diese am Markt zu kaufen? (Kann doch eigentlich nicht sein, wenn die EZB für die Dollars höhere Zinsen als für Euros verlangt?)

  4. Cangrande sagt:

    Ein äußerst informativer Bericht; die Details habe ich so in den großen Medien nicht gelesen, danke!

    Jedoch habe ich zu dieser Dollarverleiherei durch nicht-amerikanische Zentralbanken (EZB + jap. Nationalbank) eine Verständnisfrage, die nirgends auch nur angesprochen wird:

    Wozu ist es überhaupt erforderlich, dass die EZB den Geschäftsbanken DOLLARS leiht? Müsste doch eigentlich reichen, wenn die EZB (gegen Sicherheiten – aber das wird ja angeblich bei den Dollar-Darlehen genau so gehandhabt) einfach nur Euronen verteilt?
    Grundsätzlich ist es mir ohnehin ein Rätsel, wie die USA ein Leistungsbilanzdefizit haben, aber gleichzeitig Geld ans Ausland verleihen können. Da sollten doch eigentlich Kredite des Auslands AN die USA deren Leistungsbilanzdefizit finanzieren?
    Selbst abgesehen davon verstehe ich die aktuelle Notenbankhilfe nicht.
    Insoweit sehe ich -2- (ggf. kumulierte) Möglichkeiten, wieso europäische Banken USD benötigen könnten:
    1) Rollover von Krediten. Die Banken könnten sich Dollars kurzfristig geliehen haben und müssen diese zurückzahlen, können das aber nicht, weil sie keine USD-Einlagen haben und mangels Vertrauen der US-Darlehnsgeber kein Rollover der Kredite möglich ist.
    2) Begleichen von (z. B.:) Öl-Rechnungen in USD. Damit sollten die Banken eigentlich kein Problem haben: Wenn die deutsche Shell ‘ne Milliarde Dollar nach Saudi-Arabien überweisen muss, muss sie halt jene Euronen, die sie hier eingenommen hat, am Devisenmarkt gegen Dollars umtauschen. Stinknormaler Vorgang, m. E. null problemo (der Devisenmarkt wälzt ja ohnehin größere Beträge um, als die Realwirtschaft erwirtschaftet).
    Aber selbst dann, wenn unsere Banken amerikanische Kredite tilgen müssten (Ziff. 1) und dazu Dollars brauchen, können sie sich die doch genau so beschaffen wie die Firmen der Realwirtschaft: eingenommene (oder, im Falle der Banken, von der EZB geliehene) Euronen am Devisenmarkt in Dollars umtauschen???
    Ich als wirtschaftlich interessierter Laie kapiere nicht (und leider erklärt das auch keiner den Lesern – wahrscheinlich begreifen das die allermeisten Volkswirte nicht einmal selbst), warum sich unsere Banken von unserer Zentralbank fremdes Geld leihen müssen, wenn es doch einen äußerst flüssigen Devisenmarkt gibt, auf dem man sich sowas jederzeit problemlos kaufen kann?
    Geht es hier um absolute Knappheiten/Hindernisse, oder geht es nur um die Profite, ist es evtl. billiger, sich direkt Dollars von der EZB zu leihen, als diese am Markt zu kaufen? (Kann doch eigentlich nicht sein, wenn die EZB für die Dollars höhere Zinsen als für Euros verlangt?)