Welche Rolle spielte Société Générale in Milliardenbetrug?

Der nächste Fall, bei dem eine Schweizer Bank ins Zwielicht gerät: US-Behörden ermitteln gegen die Schweizer Bank SG Private Banking, einer Tochter der französischen Société Générale. Einer ihrer Angestellten ist eine Schlüsselfigur im Stanford Case, einem Ponzi-Betrugsskandal, bei dem ein US-Finanzjongleur 7 Milliarden Dollar veruntreut hat. Wie bei der UBS versagten auch hier die Kontrollen.

Nach dem UBS-Skandal gerät die nächste europäische Bank unter Druck: Ein Mitarbeiter der Schweizer SG Private Banking, einer Tochter der französischen Société Générale, spielt nach Einschätzung der amerikanischen Ermittler eine Hauptrolle in einem spektakulären Betrugsfall, der seit Jahren die amerikanische Öffentlichkeit beschäftigt. Der texanische Finanzlongleur R. Allen Stanford hatte über ein Schneeballsystem seine Anleger um 7 Milliarden Dollar betrogen.

Das Konzept war einfach: Über das Nummernkonto 108731, lautend auf die Holding Stanford Financial Group (SFG), finanzierte Stanford seinen luxuriösen und kriminellen Lebensstil: Yachten, Immobilen in aller Welt, Sponsoring von Cricket-Spielen, Korruptions-Gelder für Politiker in Antigua – alles mit Geld, welches ihm seine Anleger anvertraut hatten. Zugang zum Konto hatten nur Stanford und sein Finanzchef.

Das mysteriöse Bankkonto wurde von einem diskreten Schweizer Banker betreut: Blaise Friedli, Executive Vice President bei SG Private Banking aus dem beschaulichen Lausanne. Und Friedli wurde dafür auch von Stanford geadelt: Er wurde in das „International Advisory Board“ von SFG aufgenommen, wie sich in einem Unternehmens-Newsletter nachlesen lässt, den die Ermittler nun dem Gericht vorgelegt haben.

Einige der Gelder von dem Bankkonto wurden für illegale Transaktionen verwendet. Das Konto diente auch als Sicherheit für einen 95 Millionen Dollar Kredit, den Stanford von der Société Générale erhielt. Das Geld von diesem Kredit soll für Bestechungen und Luxusanschaffungen verwendet worden sein. Als die SFG im Dezember 2008 erste Auflösungserscheinungen zeigte, soll das Geld für die Rückzahlung des Kredits an die Société Générale verwendet worden sein.

Die Ermittler untersuchen nun, ob die Société Générale die notwendige Sorgfaltspflicht bei den Krediten walten ließ. Es wird ebenfalls untersucht, warum die Bank kein Kontrollsystem hatte, bei dem hätte festgestellt werden können, dass es sich um verdächtige Transaktionen handle.

Ein Sprecher der Bank sagte, dass man mit den Behörden kooperieren werde. Juristische Beobachter gehen davon aus, dass sich die Behörden zunächst nur auf den unmittelbar Verdächtigen Blaise Friedli konzentrieren werden. Weitere Folgen würden jedoch entstehen, wenn festgestellt würde, dass die Bank ein systemisches Problem habe oder im Kern korrupt sei.

Stanford selbst möchte übrigens nichts zur Aufklärung beitragen. Er plädierte auf unschuldig und meldete einen plötzlichen, umfassenden Gedächtnisverlust.

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