Gläubigerbeteiligung: Ein schlechtes Geschäft für die Steuerzahler

Die europäischen Banken haben auf einmal großes Interesse an der von der EU vorgeschlagenen Gläubigebeteiligung im Falle einer Griechenland-Pleite. Sie können ihre Schrottpapiere umtauschen und bekommen ihre neuen Forderungen vom EFSF garantiert wieder, wenn Griechenland kippt. Wenn es am Ende in Athen doch hart auf hart kommt, muss wieder der europäische Steuerzahler einspringen.

Der gutgemeinte Versuch des EU-Rettungsfonds, auch die Gläubiger an einem möglichen Zusammenbruch Griechenlands zu beteiligen, könnte sich als keine gute Idee erweisen. Nach Berechnungen des finanzpolitischen Sprechers der Grünen, Gerhard Schick, würde nämlich eine Beteiligung der Gläubiger zu den von der EU vorgeschlagenen Konditionen dazu führen, dass die Banken lediglich einen Wertverlust von etwa 8% verbuchen.

Ursprünglich war ein Wert von 21% zugesagt worden. Dieser wird aber aufgrund von Marktentwicklungen derzeit nicht erreicht, wenn die Konditionen nicht angepasst werden. Die neuen Forderungen werden aber künftig beim EFSF abgesichert. Denn bei die Umwandlung der alten Schrottpapiere in neue, mit längeren Laufzeiten, garantiert der Rettungsschirm die neuen Papiere. Es besteht also keinerlei Risiko mehr für die Banken, ob Griechenland das Geld zurueckzahlen kann. Nur die Zinszahlungen sind nicht abgesichert. Schon heute haben jedoch griechische Staatsanleihen einen Abschlag von 60% auf dem Rentenmarkt.

Die Banken könnten so elegant sogar ihre Position verbessern. Denn weil die Gläubigerbeteiligung geringer ausfällt als die aktuellen Marktabschläge, ergibt sich ein wirtschaftlicher Vorteil.

Gerhard Schick vertritt daher die Auffassung, dass diese Lösung kein Weg mehr sei. Er sagte den Deutschen Mittelstands Nachrichten: „Die Gläubigerbeteiligung sollte in dieser Form nicht gemacht werden. Es kann nicht sein, dass öffentlich gross von Gläubigerbeteiligung gesprochen wird, tatsächlich aber die Banken sich noch besserstellen.“ Zwar verstehe er, dass die Banken nur Geschäfte machen wollen, die ihnen zum wirtschaftlichen Vorteil gereichen. Hier seien jedoch zu viele Unbekannte in den Annahmen, weshalb sich die Regierungen auf das Modell nicht einlassen sollten. Stattdessen sollte es einen Anleiherückkauf der griechischen Papiere über den Markt geben. Nur so sei eine faire Beteiligung der Banken sicherzustellen. Außerdem würde dann die Staatsschuld Griechenlands, die in ihrer jetzigen Höhe nicht tragbar sei, wirklich reduziert.

Mehr zum Thema:
Wohin wandern eigentlich die Steuermilliarden in Griechenland?
Weitere Schweizer Bank in Milliardenbetrug verwickelt
Drachme könnte Griechen retten

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.