BNP Paribas: Frankreich übt Druck auf Kritiker aus

Europa lässt die Banken nicht im Stich: BNP schaltet die Börsenaufsicht gegen negative Zeitungsmeldungen ein. Regierungsbeamte verteidigen die größte französische Bank.

Hochgradige Nervosität bei den französischen Banken: Nach einem kritischen Artikel im Wall Street Journal fordert die BNP Paribas (BNP) die französische Börsenaufsichtsbehörde AMF auf, „eine Untersuchung über die Veröffentlichung von fehlerhaften Informationen zu ihrer Finanzausstattung in US-Dollar in einem Gastkommentar des Wall Street Journals“ einzuleiten. Die staatliche Börsenaufsicht solle nun also negativer Berichterstattung über französische Banken einen Riegel vorschieben.

Und BNP setzt noch nach: Ein leitender französischer Regierungsbeamter rief das Wall Street Journal an und gab sich als „ein Leser“ aus. Er brachte seine Empörung zum Ausdruck, dass die Zeitung einen Gastkommentar von Nicolas Lecaussin gedruckt hatte. Der Artikel sei „ein Schaden für seine Bank und für die französischen Banken insgesamt“. Er räumte aber auch ein, dass er seine Position als hoher Regierungsbeamter „missbrauche“, um seinen Unmut zu bekunden.

Wie die Deutschen Mittelstands Nachrichten schon am Mittwoch berichteten, spitzt sich die Lage BNP zu: Auslöser war ein Gastbeitrag im Wall Street Journal am Dienstag, in dem Nicolas Lecaussin, ein Direktor des „France Institute for Economic and Fiscal Research“, einen BNP-Mitarbeiter zitierte. Dieser sprach von Problemen der Bank, an US-Dollar zu kommen: „Amerikanische Geldmarktfonds geben uns nichts mehr“. BNP bestritt diese Aussagen kategorisch und lies durch einen Sprecher bestätigen, dass die Bank keine Finanzierungsschwierigkeiten auf den Dollar-Märkten habe.

Ein Einschreiten von Aufsichtsbehörden und leitenden Regierungsbeamten, sobald der „Heilige Gral“ Banken in Europa nur irgendwie angetastet werden, ist ein weiteres Anzeichen dafür, dass der Ausweg aus der Krise auch dieses Mal wieder eine sanfte Landung für die heimischen Banken bringen wird. Die Rechnung zahlt wohl wie schon bei den vergangenen Rettungsmaßnahmen der Steuerzahler.

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