Zoellick: „Niemand wird mit einem Sack Geld für Europa kommen“

In ungewohnt klaren Worten hat der Chef der Weltbank, Robert Zoellick, die EU zu einer Entscheidung aufgerufen: Die Union müsse sich fragen, warum so viel schief gelaufen ist – und wohin Europa in Zukunft steuern wolle.

Während die EU die Griechen unter Druck setzt, damit diese ihre Sparversprechen hält, wird nun die EU selbst unter Druck gesetzt: Der Präsident der Weltbank, Robert Zoellick, sagte in einem Interview, dass sich Europa von den Zentralbanken zwar Zeit gekauft habe – diese Zeit müsse die EU nun aber auch nützen.

Europa versuche, fundamentale Probleme durch Liquidität zu lösen, anstatt sich in Zeiten der Krise zu fragen, welche Art von Union es in der Zukunft wirklich will – und die entsprechenden politischen Entscheidungen zu treffen. Mit dieser Kritik hat sich nun auch der Präsident der Weltbank Robert Zoellick dem Reigen derjenigen angeschlossen, die von der EU richtungweisende, verlässliche und vor allem zeitnahe Maßgaben und Maßnahmen zur Lösung der Schuldenkrise fordern.

„Wir haben gesehen, dass die Märkte seit dem Sommer immer mehr drängeln und Fragen stellen“, sagte Zoellick dem Sender CNBC. „Man kann versuchen, die Lage durch Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) oder andere Rettungsschirm-Maßnahmen ruhig zu halten. Aber die fundamentalen Fragen müssen geklärt werden. Der Rest der Welt wartet, weil die Unsicherheiten, die Europa – und zum Teil die USA – verbreiten, allen schaden.“

Ob Europa neben der Währungsunion auch eine finanzpolitische Union wolle, ob der EU ein ganz anderes Modell für die Zukunft vorschwebe, oder ob es auch den Bankrott einzelner Mitglieder in Kauf nehmen würde – die Weltwirtschaft bräuchte ein eindeutiges Signal, sagte Zoellick in der letzten Woche bei verschiedenen Reden und Interviews zum Thema Euro-Krise. „Dies sind allein Europas Entscheidungen“, betonte er. „Man kann sich so oder so entscheiden, aber man muss zu einer Entscheidung kommen.“

Die Diskussion um einen Einstieg der BRIC-Staaten hält Zoellick für einen Nebenkriegsschauplatz. „Es gibt kein Allheilmittel“, sagte er. “Niemand wird mit einem großen Sack Geld kommen, und damit sind dann schlagartig alle Probleme gelöst.“ Europa müsse grundsätzlich entscheiden, wo es hin wolle – und zwar bald. „Ich habe nichts dagegen, dass man sich Zeit kaufen will“, sagte er in Bezug auf den aktuellen Entschluss der Zentralbanken der USA, Europas, Japans, der Schweiz und Englands, europäischen Banken mehr Liquidität zur Verfügung zu stellen. „Aber wenn man sich Zeit kauft, dann muss man sie auch nutzen.“

Zoellick warnte erneut vor den Auswirkungen der sich immer weiter ausdehnenden Krise in der Euro-Zone auf die Wirtschaften auch außerhalb Europas und der USA. Bis zum Sommer hätte die Sorge der Entwicklungs- und Schwellenländer noch der möglichen Überhitzung ihrer Wirtschaften gegolten. Inzwischen sähen sie sich mit immer weiteren Renditeabständen bei Staatsanleihen, schrumpfenden Exporten, sinkender Inlandsnachfrage und schwindendem Vertrauen konfrontiert.

„Falls ihr Wachstum zu sehr ausgebremst wird, werden auch sie Probleme mit Krediten bekommen, die nicht zurück gezahlt werden können“, sagte Zoellick. „Diese Länder befinden sich deswegen gerade an einem sehr kritischen Punkt und müssen Entscheidungen treffen.“ Die Weltbank unterstützt die wirtschaftliche Entwicklung von weniger entwickelten Mitgliedstaaten durch finanzielle und technische Hilfen und Beratung. Die wirtschaftlichen und politischen Vorgaben der entwickelten Länder haben demzufolge eine starke Signalwirkung vor Ort.

Zoellick befürchtet allerdings, dass weder ein Schuldenerlass noch eine strukturierte Insolvenz Griechenlands nachhaltige Lösungen liefern würde. „Man muss zurück blicken und sich fragen: Wie hat sich Europa in diese Situation hinein manövriert? Und man muss sich fragen, ob es jetzt an der Zeit ist, neben der Währungsunion die Finanzunion zu schaffen. Vielleicht will Europa das nicht. Aber auch das würde dramatische Auswirkungen auf Europa haben und darüber müssen sich die Staats- und Regierungschefs im Klaren sein.“

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Kommentare

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  1. Prophet sagt:

    „Und man muss sich fragen, ob es jetzt an der Zeit ist, neben der Währungsunion die Finanzunion zu schaffen. Vielleicht will Europa das nicht. Aber auch das würde dramatische Auswirkungen auf Europa haben und darüber müssen sich die Staats- und Regierungschefs im Klaren sein.“

    Jo klar, Europa verkauft sich an die Banken für Geld, weil es „alternativlos“ ist. Die meisten wollen es zwar nicht, müssen aber weil sie über ihre Verhältnisse gelebt haben. Zum Glück gibt es aber gute Vorbilder wie die ehrenvollen Bänker, die mit ihren Superjachten nicht über ihren Verhältnissen gelebt haben.

  2. Prophet sagt:

    „Und man muss sich fragen, ob es jetzt an der Zeit ist, neben der Währungsunion die Finanzunion zu schaffen. Vielleicht will Europa das nicht. Aber auch das würde dramatische Auswirkungen auf Europa haben und darüber müssen sich die Staats- und Regierungschefs im Klaren sein.“

    Jo klar, Europa verkauft sich an die Banken für Geld, weil es „alternativlos“ ist. Die meisten wollen es zwar nicht, müssen aber weil sie über ihre Verhältnisse gelebt haben. Zum Glück gibt es aber gute Vorbilder wie die ehrenvollen Bänker, die mit ihren Superjachten nicht über ihren Verhältnissen gelebt haben.

  3. Prophet sagt:

    „Und man muss sich fragen, ob es jetzt an der Zeit ist, neben der Währungsunion die Finanzunion zu schaffen. Vielleicht will Europa das nicht. Aber auch das würde dramatische Auswirkungen auf Europa haben und darüber müssen sich die Staats- und Regierungschefs im Klaren sein.“

    Jo klar, Europa verkauft sich an die Banken für Geld, weil es „alternativlos“ ist. Die meisten wollen es zwar nicht, müssen aber weil sie über ihre Verhältnisse gelebt haben. Zum Glück gibt es aber gute Vorbilder wie die ehrenvollen Bänker, die mit ihren Superjachten nicht über ihren Verhältnissen gelebt haben.

  4. Prophet sagt:

    „Und man muss sich fragen, ob es jetzt an der Zeit ist, neben der Währungsunion die Finanzunion zu schaffen. Vielleicht will Europa das nicht. Aber auch das würde dramatische Auswirkungen auf Europa haben und darüber müssen sich die Staats- und Regierungschefs im Klaren sein.“

    Jo klar, Europa verkauft sich an die Banken für Geld, weil es „alternativlos“ ist. Die meisten wollen es zwar nicht, müssen aber weil sie über ihre Verhältnisse gelebt haben. Zum Glück gibt es aber gute Vorbilder wie die ehrenvollen Bänker, die mit ihren Superjachten nicht über ihren Verhältnissen gelebt haben.

  5. KdW sagt:

    Ein dritter Lösungsweg – die Zähmung des Finanzkapitals durch weltweit verbindliche Regeln gegen Spekulationsgeschäfte – scheint ausgeschlossen. Zu stark profitieren Banken, Fonds und Anleger davon und zu sehr hängen ganze Volkswirtschaften (z.B. Großbritannien und der USA) von den »Erträgen« derart parasitärer Geschäftsmodelle ab.

  6. KdW sagt:

    Ein dritter Lösungsweg – die Zähmung des Finanzkapitals durch weltweit verbindliche Regeln gegen Spekulationsgeschäfte – scheint ausgeschlossen. Zu stark profitieren Banken, Fonds und Anleger davon und zu sehr hängen ganze Volkswirtschaften (z.B. Großbritannien und der USA) von den »Erträgen« derart parasitärer Geschäftsmodelle ab.

  7. KdW sagt:

    Ein dritter Lösungsweg – die Zähmung des Finanzkapitals durch weltweit verbindliche Regeln gegen Spekulationsgeschäfte – scheint ausgeschlossen. Zu stark profitieren Banken, Fonds und Anleger davon und zu sehr hängen ganze Volkswirtschaften (z.B. Großbritannien und der USA) von den »Erträgen« derart parasitärer Geschäftsmodelle ab.

  8. KdW sagt:

    Ein dritter Lösungsweg – die Zähmung des Finanzkapitals durch weltweit verbindliche Regeln gegen Spekulationsgeschäfte – scheint ausgeschlossen. Zu stark profitieren Banken, Fonds und Anleger davon und zu sehr hängen ganze Volkswirtschaften (z.B. Großbritannien und der USA) von den »Erträgen« derart parasitärer Geschäftsmodelle ab.

  9. bauagent sagt:

    Nun sind die rein logischen Zusammenhänge die Zoelick aufzeigt nicht zu kritisieren.

    Allerdings kommt er zu der Auffassung, dass nur eine Fiskalunion der EU zu einer Lösung führt.

    Das ist natürlich hahnebüchener Unsinn und zeigt, dass er Angestellter einer
    “ Rothschild-Bank ist „. Wer rettet am Ende die Retter?

    Die Wahrheit ist doch, dass dieses Finanzsystem diesseits und jenseits des Atlantiks sein Verfalldatum erreicht hat.

    Die Unfähigkeit der europäischen Politiker besteht darin, jetzt auf die schnelle den Konstruktionsfehler der Währung beseitigen zu müssen . Das kann unter diesen Rahmenbedingungen natürlich nicht funktionieren, da nicht nur unterschiedliche Volkswirtschaften, die allesamt Pleite sind zusammengeführt werden müssten, sondern auch völlig unterschiedliche Interessenlagen in den einzelnen Ländern per Kompromiss zusammen geführt werden müsten.

    Wer bringt sich schon gerne selbst um?

    So bleibt das, was wir gerade sehen:

    Das Wettrennen von Dollar und Euro um ein kurzeitig längeres Überleben, bis das gesamte System in die Luft geht.

  10. bauagent sagt:

    Nun sind die rein logischen Zusammenhänge die Zoelick aufzeigt nicht zu kritisieren.

    Allerdings kommt er zu der Auffassung, dass nur eine Fiskalunion der EU zu einer Lösung führt.

    Das ist natürlich hahnebüchener Unsinn und zeigt, dass er Angestellter einer
    “ Rothschild-Bank ist „. Wer rettet am Ende die Retter?

    Die Wahrheit ist doch, dass dieses Finanzsystem diesseits und jenseits des Atlantiks sein Verfalldatum erreicht hat.

    Die Unfähigkeit der europäischen Politiker besteht darin, jetzt auf die schnelle den Konstruktionsfehler der Währung beseitigen zu müssen . Das kann unter diesen Rahmenbedingungen natürlich nicht funktionieren, da nicht nur unterschiedliche Volkswirtschaften, die allesamt Pleite sind zusammengeführt werden müssten, sondern auch völlig unterschiedliche Interessenlagen in den einzelnen Ländern per Kompromiss zusammen geführt werden müsten.

    Wer bringt sich schon gerne selbst um?

    So bleibt das, was wir gerade sehen:

    Das Wettrennen von Dollar und Euro um ein kurzeitig längeres Überleben, bis das gesamte System in die Luft geht.