Griechenland: Bürgertum kämpft mit Folgen linker Politik

In einem Kommentar analysiert die griechische Zeitung kathimerini, wie es zum griechischen Desaster hatte kommen können. Das Fazit von Autor Alexis Papachelas: Eine im Kern grundanständige Mittelschicht hat tatenlos zu gesehen, wie das Land immer mehr in die Klauen von Selbstbedienern, Steuerhinterziehern und korrupten Politikern geriet.

„Griechenlands Mittelklasse ist das Opfer ihres eigenen Anstandes und Schweigens. Sie hat keinen Sprecher vom Format eines Nikos Fotopoulos (der forsche Präsident der GENOP-Gewerkschaft, die die Angestellten und Arbeiter der Elektrizitätsgesellschaft DIE vertritt): Er hat – und nutzt – die Macht, um zu drohen, zu erpressen, und Bedingungen aufzuzwingen.

Die Menschen der Mittelschicht bezahlen ihre Steuern und befolgen das Gesetz. Und am Ende sind sie – wie immer – diejenigen, die die Rechnungen bezahlen. Sie fühlen sich hilflos angesichts ihrer Nachbarn und Kollegen, die ohne Scheu Steuern hinterziehen und Katz und Maus mit dem Gesetz spielen, wenn es um ihre eigenen Interessen geht.

Es fühlt sich genau so an, wie wenn man brav auf der Linksabbiegerspur an der Ampel steht. Geduldig wartet man darauf, dass es grün wird – und da kommt er angerauscht: Der wahrscheinlich cleverste unter unseren Mitbürgern, der smart an allen vorbei zieht, um sich ganz vorne hinzustellen und als erster wegzukommen.

Erstmals nun flirtet das Bürgertum mit der Idee, bekannte Steuerhinterzieher anzuschwärzen oder gar die Rundfunkgebühren nicht zu zahlen, die der Staatssender dazu missbraucht, um ein extravagantes Klientelsystem aufrecht zu erhalten. Der brave Bürger hat zwar gewisse Sympathien für diejenigen, die einfach nicht zahlen wollen. Gleichzeitig weiß er aber, dass uns das dem Ende unserer Demokratie noch einen Schritt näher bringen würde.

Griechenlands Mittelklasse ist einfach zu oft verraten worden. Es war genau diese dynamische Mittelklasse, die den Reformer Costas Simitis an die Macht gebracht hatte. Und die dann seiner Demontage durch die eigenen Genossen (der regierenden sozialistischen PASOK Partei) zusehen musste, nachdem er versucht hatte, die Sozialsysteme zu reformieren.

Die gleichen Menschen setzten dann ihre Hoffnung auf den Konservativen Kostas Karamanlis, der viel versprach – aber kaum etwas hielt. Wieder schenkten sie der inzwischen postmodernen Version der PASOK unter Georgios Papandreou Vertrauen. Und sahen ihre Hoffnungen zwischen internen Widersprüchen und Papandreous Inkompetenz zerrieben.

Aber das ist noch nicht alles. In all diesen Jahren hat die Mittelklasse ihre Nation aufgegeben und sie dem Populismus und einem eigentümlichen linken Diskurs überlassen. Aus Angst oder Eigennutz haben sich die Kinder des Bürgertums stets davor gescheut, sich den Anführern anderer Jugendbewegungen und Parteien an den Universitäten gegenüber zu stellen.

Langsam nun scheinen die guten Bürger aufzuwachen: Sie haben keine andere Wahl. Sie können es sich nicht leisten, zusätzliche Steuern zu bezahlen, weil sich das politische System nicht traut, seine eigenen Schützlinge anzugehen. Sie sind zutiefst verärgert über die Inkompetenz, die Korruption und den seltsamen Ehrenkodex der korrupten Führer und Funktionäre. Zum ersten Mal zeigt die Mittelklasse ein gesteigertes Interesse an der Politik – obwohl sie sich angewidert von den Politikern der alten Schule abwendet.

Man nehme die Universitäten. Endlich schließen die Studenten sich gegen die Diktatur des Mittelmaßes und die Sinnlosigkeit endloser Sitzstreiks zusammen. Sie gehören den unterschiedlichsten politischen Jugendbewegungen an oder sind völlig apolitisch, aber gemeinsam kämpfen sie dafür, dass die Universitäten offen bleiben.

Die Krise und dieser Prozess werden eine neue Generation hervor bringen, die nichts mit den alten Parteistereotypen gemein hat. Unsere Hoffnung – unsere einzige Hoffnung – ist, dass die 30-Jährigen von heute die Dinge selbst in die Hand nehmen. Und dass sie eine Gesellschaft grundlegend erneuern, die auf der Idee vom schnellen Geld, Straffreiheit und einem Pseudo-Linkskurs aufgebaut war.

Noch ist es schwierig, diesen Silberstreifen am Horizont über den Flammen des Populismus zu erkennen. Aber selbst die Griechen, selbstzerstörerisch wie sie auch manchmal sein mögen, haben das Potential, zu überleben und aus ihren Fehler zu lernen.“

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Kommentare

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  1. Rainer Hoffmann (@solarkritik) sagt:

    Zitat:

    „Sie sind zutiefst verärgert über die Inkompetenz, die Korruption und den seltsamen Ehrenkodex der korrupten Führer und Funktionäre.“

    Warum sieht man in Deutschland nicht, dass die gleichen Zustände in Deutschland existieren…??

    Insbesondere die deutsche Presse und politisch-linken Medien und Journalisten machen in Deutschland doch genau das gleiche. In diesem Punkt sind die Griechen mit ihrem „Ärger-Luft-machen“ bereits einen Schritt weiter. Respekt für die Griechen.

  2. Rainer Hoffmann (@solarkritik) sagt:

    Zitat:

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  3. Rainer Hoffmann (@solarkritik) sagt:

    Zitat:

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  4. Rainer Hoffmann (@solarkritik) sagt:

    Zitat:

    „Sie sind zutiefst verärgert über die Inkompetenz, die Korruption und den seltsamen Ehrenkodex der korrupten Führer und Funktionäre.“

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  5. django sagt:

    niveaulos, der artikel sowie der kommentar von schlaumeister.

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  9. schlaumeister sagt:

    eine total korrupte, verfaulte und völlig inkompetente Kaste die den Staat zur Selbst-
    bedienung benutzt. Laßt sie verdammt nochmal endlich pleite gehen und kümmert euch um die gravierenden Probleme Deutschlands!

  10. schlaumeister sagt:

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