Jürgen Stark sieht hohes Risiko und Gefahr von Inflation

Der scheidende EZB-Volkswirt Jürgen Stark warnt vor dem Glauben, mit der Geldpolitik könne die Krise gelöst werden. Diese Haltung verleite die Politik zum Nichtstun und gefährde langfristig die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken.

In einer Rede in Washington, aus den Bloomberg vorab zitiert, sagt der deutsche Notenbanker Jürgen Stark, es seine eine „Täuschung zu glauben, dass die großen strukturellen Probleme, denen wir uns gegenübersehen, mit lockeren Geldpolitik gelöst werden können“. Die Krise habe geigt, dass eine Geldpolitik, die nur auf die Lösung kurzfristiger Ziele ausgerichtet sei, „ernste Risiken“ berge.

Vor allem führe diese Strategie dazu, dass die Politik „verleitet werde, zu lang untätig zu bleiben“. Der Ausstieg aus diesem „anpassungsfähigen Modus“ lege die „Saat an zukünftige Ungleichgewichte“, wenn er zu spät erfolge. Stark rief die Regierungen Europas auf, die Regeln für ein geordnetes Wirtschaften in der Region zu stärken. Die vorliegenden Pläne seien „nicht weitreichend genug“.

Wenn die Zentralbanken auf diesem Weg zum Vehikel der Politik werden, habe das auch nachhaltige Folgen für die Zentralbanken als Institutionen: „Wenn eine Zentralbank in einer Krisenzeit unter Druck gerät, und wenn sie diesem Druck nachgibt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass man von solchen außergewöhnlichen Maßnahmen rechtzeitig wieder loskommt. Dies kann die Erwartung von Inflation auslösen, und damit die jene Maßnahmen unterhöhlen, die während der Krise getroffen wurden.“

Damit präzisiert Stark erstmals nach seiner spektakulären Ankündigung, als EZB Volkswirt zurückzutreten, seine Kritik an der EZB. Denn diese hat sich mittlerweile offenbar damit abgefunden, die Probleme Europas lösen zu müssen. Seine Aussagen können jedoch auch als Kritik an allen Zentralbanken verstanden werden. Fünf Zentralbanken hatten erklärt, die europäischen Banken durch die Zurverfügungstellung von Dollar-Liquidität zu retten. Außerdem fahren alle Zentralbanken eine extreme Niedrigzinspolitik. Die EZB kauft darüber hinaus im großen Stil Staatsanleihen von hoffnungslos verschuldeten Staaten auf.

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