Euro-Rettung: Druck auf BRIC-Staaten wächst

Abseits des großen IWF-Rummels trafen sich vergangene Woche auch die BRIC-Staaten in Washington, um über ihre Rolle in der Schuldenkrise zu diskutieren. Die BRIC-Staaten hätten genug Währungsreserven um zu intervenieren. Die Amerikaner machen hinter den Kulissen Druck. Mehr als lauwarme Erklärungen haben sie nicht bewirkt.

Insgesamt verfügen die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China über Reserven in Höhe von 4,3 Billionen Dollar. Geld, von dem einem der wichtigsten Handelspartner dieser Länder geholfen werden könnte. „Die BRIC sind bereit, darüber nachzudenken, zusätzliche Anstrengungen zu unternehmen, um mit anderen Ländern und Internationalen Finanzinstituten, je nach den herrschenden Bedingungen in den einzelnen Ländern, zusammenzuarbeiten, um die Herausforderungen für eine globale Finanzstabilität zu bewältigen“, hieß es in dem veröffentlichten Communiqué.

„Es besteht das Risiko, dass die Staatsschuldenkrise einiger Länder zu einer erneuten Finanzkrise wird“, warnte der brasilianische Finanzminister Guido Mantega kürzlich. Kein Wunder, dass er Bedenken über eine globale Ausbreitung der Krise, die schon in den USA zu spüren ist, fürchtet und sich offen für mögliche Aktivitäten der BRIC-Staaten in der Schuldenkrise äußert.

Daher erhöhen die Amerikaner hinter den Kulissen den Druck auf die BRIC-Staaten. Einer Zusammenfassung von Bloomberg zufolge gibt es in der Tat einiges „zu holen“.
Brasilien hält fast 80 Prozent seiner 352 Mrd. Dollar Devisenreserven in US Dollar vor. Die anderen BRIC-Staaten zeigen nämlich bezüglich ihrer Reserven im Vergleich zu Brasilien ein großes Potential, um speziell die Eurozone zu unterstützen. Während Russland immerhin 45 Prozent seiner 543 Mrd. Dollar Währungsreserven in auf Euro lautende Vermögenswerte hält, sind es bei Indien nur 20 Prozent ihrer insgesamt 320 Mrd. Dollar Währungsreserven und gerade von Chinas 3,2 Billionen Dollar Reserve laufen bisher nur 25 Prozent auf Euro lautende Vermögenswerte.

So könnten China und die anderen BRIC-Staaten eine Retterfunktion einnehmen, wie sie einst John Pierpont Morgan, der 1907 bei der als Banker Panik bezeichneten Krise einnahm, als er dem amerikanischen Aktienmarkt wieder auf die Beine half und das Vertrauen der amerikanischen Geldhäuser wieder herstellte.

Das China in der Staatsschuldenkrise der Eurozone hilft, schloss Zhou Xinochuan, Chef der chinesischen Zentralbank nicht aus, aber er gab zu bedenken, dass es zu früh sei, festzulegen, wie die BRIC-Staaten helfen könnten, da noch Reformen im Gange seien. Die amerikanische Schlussfolgerung: es gehe nicht mehr um das „ob“, sondern vielmehr um das „wann“.

China hat die Finanzkrise von 2008 gut überstanden, aber die großen Währungsreserven bedeuten nicht, dass es dem Land und insbesondere den Bürgern so gut gehe, dass China seine Reserven zur Verfügung stellen könnte. Eine mögliche Großzügigkeit Chinas im Falle der Eurozone ist abgesehen davon, dass quasi ein Entwicklungsland den reichen westlichen und unverantwortlichen Lebensstil unterstützen würde, eine schwierige Entscheidung, denn die Volksrepublik braucht mehr Geld als sie denkt. Fehlende Arbeitsplätze, unzureichende Infrastruktur und mangelnde Ausbildung in der Landbevölkerung sind nur ein paar Beispiele der Probleme der Volksrepublik.

Es wird zudem schwierig sein, das starke Wachstum von fast 9,5 Prozent zu halten. Die Inflation von 6,5 Prozent in diesem Jahr und der beunruhigende regelrechte Investitionsboom in der Immobilienbranche zeigen, auch China hat Probleme und tut gut daran, sorgfältig mit seinen Währungsreserven umzugehen.

Das Beispiel China zeigt, die BRIC-Staaten könnten helfen, aber sie gehen ein Risiko ein und könnten für diesen Schritt Gegenleistungen fordern, wie beispielsweise einen ständigen Sitz Brasiliens oder Indiens im UN Sicherheitsrat.

Andererseits wird sich eine weitere Verschlechterung der Situation in der Eurozone auch auf sie auswirken. Europa ist einer ihrer wichtigsten Handelspartner. So bringt die europäische Schuldenkrise schneller als gedacht die ganze Welt in die Bredouille.

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