Aufruhr in Italien: „Wir machen nichts, nur um den Deutschen gefällig zu sein“

Italien vor dem Chaos: Silvio Berlusconi wurde von Angela Merkel nach Rom geschickt, um seine „Hausaufgaben“ zu machen. EU-Währungskommissar Olli Rehn sagt, die EU wolle niemanden „demütigen“. Nach harten Auseinandersetzungen verkündete Lega-Chef Bossi eine Einigung mit Silvio Berlusconi.

Das Land, das die Oper erfunden hat, inszeniert die Euro-Krise. Das ist schon mal viel sinnlicher als bei den doch eher kargen Griechen. So kracht es in Rom vor dem Zweiten Akt des EU-Gipfels.

Die Deutschen haben den Italienern vorgeschrieben, dass sie ihre „Hausaufgaben“ machen sollen. Eine der schmerzhaftesten Übungen scheint dabei die Erhöhung des Rentenalters zu sein. Umberto Bossi, Chef der Lega Nord und bisher ein Verbündeter von Ministerpräsident Silvio Berlusconi, sagte dem „Corriere della Sera“, dass diese Erhöhung mit seiner Partei nicht zu machen sei. Die Leute würden die Regierung zum Teufel jagen, wenn sie so etwas beschließe. Bossi wörtlich: „Das geht nicht. Wir können das Rentenalter nicht auf 67 erhöhen, nur um den Deutschen gefällig zu sein.“

Notfalls, so Bossi, müsse es Neuwahlen geben. Ein Kabinett der Technokraten lehnt der Lega Nord Chef ebenso ab wie Befehl aus Brüssel – auch wenn sie von der „EU kommen, die italienisch spricht“. Damit attackiert Bossi indirekt den neuen EZB-Chef Draghi, der versucht hatte, seine Landsleute auf einen viel härteren Sparkurs zu verdonnern.

Auch Ministerpräsident Silvio Berlusconi möchte nicht gerne sparen. Auf dem EU-Gipfel hatte er bereits den Unmut der anderen Teilnehmer erregt, als er sich während eines Meetings schlafend stellte. Berlusconi hat das Potenzial, den Euro endgültig in die Luft zu jagen. Ihn interessieren weder Europa, noch Italien. Daher wäre für ihn jetzt eigentlich der perfekte Moment abzutreten. Er könnte dank seines in der Amtszeit erworbenen Insider-Wissens gegen den Euro wetten und den Gewinn dann in Dollar oder Gold umtauschen.

Denn in Rom wird es mit Sicherheit ungemütlich: Schon hat sich EU-Währungskommissar Olli Rehn als Italien-Experte zu Wort gemeldet und die Italiener wissen lassen, dass man niemanden „demütigen“ wolle. Was er nicht gesagt hat: Man will den Italienern stattdessen dasselbe Genesungsprogramm angedeihen lassen, das schon bei den Griechen nicht funktioniert hat. Dort hat der Griechenland-Experte Olli Rehn eine ganze Volkswirtschaft so weit an den Abgrund geführt, dass sie bei 15% schrumpfender Wirtschaft im Jahr 2011 den Abgrund eigentlich schon längst von unten betrachtet (den Finanzämtern geht die Tinte aus; die Leute können ihre Steuern nur mit zinslosen Krediten bezahlen; die Armee räumt den Müll weg).

Auf diesen Besuch der Troika-Totenvögel wird Silvio Berlusconi nicht warten. Und er hat noch genug Freunde: Auf dem Höhepunkt der EU-Krise feierte Berlusconi mit seinem Freund Putin ein rauschendes Fest. Vielleicht ahnte Berlusconi damals schon, dass sich für ihn die Mühe der Euro-Rettung nicht mehr lohnt. Schließlich gehört zu jeder guten italienischer Oper ein starker Abgang. Der Italiener aber weiß, dass bei jeder echten Oper der Abgang ohne echtes Blut erfolgt. Der Applaus brandet auf, wenn die Darsteller einfach in der Kulisse verschwinden. Wenn Berlusconi allerdings ginge, ginge er nicht allein: Er nähme den Euro mit, weil ohne ein handlungsfähiges Italien auch Europa seine Handlungsfähigkeit verliert und sich damit alle weiteren Rettungsversuche erübrigten.

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