Neuer Stresstest: Deutschen Banken fehlen 40 Milliarden Euro

Eine Analyse der Credit Suisse nennt als die größten Problemfälle im Hinblick auf das Eigenkapital die Royal Bank of Scotland, die Deutsche Bank und die BNP Paribas. Die deutschen Banken brauchen demnach insgesamt 40 Milliarden Euro zur Rekapitalisierung.

In einer von Credit Suisse Analysten erstellten Liste sehen auch die deutschen Banken weit weniger solide aus als bisher angenommen: Unter der Annahme der verschärften Basel III Vorgaben, welche eine Eigenkapitalquote von 9% vorsehen, müsste die Deutsche Bank 14 Milliarden Euro und die Commerzbank 11 Milliarden Euro an frischem Kapital auftreiben. Diese Berechnung würde in etwa einem neuen Stresstest zu Grunde liegen, den die Europäischen Bankenaufsicht kurzfristig durchzuführen plant.

Die Aufstellung der Credit Suisse mit den europäischen Sorgenkindern aus dem Bankensektor. (Grafik: Credit Suisse)
Die Aufstellung der Credit Suisse mit den europäischen Sorgenkindern aus dem Bankensektor. (Grafik: Credit Suisse)

Aber auch für andere deutsche Banken ist die Credit Suisse Berechnung unerfreulich: Die Norddeutschen Landesbank und die DZ Bank bräuchten jeweils 4 Milliarden Euro, die ING Bank 3 Milliarden, Landesbank Baden-Württemberg und WestLB jeweils 2 Milliarden. Der Gesamtbedarf an Rekapitalisierung für deutsche Banken liegt damit bei 40 Milliarden Euro.

Woher das benötigte Kapital in einer Zeit kommen soll, in der die Märke aus europäischen Bankaktien fliehen, ist den meisten Beobachtern ein Rätsel.

Die Berechnung erklärt allerdings die Hektik der Banken, wenn es um einen höheren Schuldenschnitt für Griechenland geht: Im Grunde können sich die meisten Banken einen solchen gar nicht leisten. So erklärt sich auch der massive Widerstand der Banken gegen die Pläne der EU (mehr Hintergründe dazu hier).

Verschärft wird die Lage für die Banken durch den Plan der G-20, eine Liste von bis zu 50 sogenannten „systemischen Banken“ vorzulegen. Diese Banken sollen noch stärkeren Transparenzregeln und Regulierungen unterliegen. Dagegen laufen die großen internationalen Banken Sturm: Die Chefs von Morgan Stanley und Bank of America haben erklärt, dass in diesem Fall den großen Banken die Wettbewerbsfähigkeit verloren ginge.

Es ist daher kein Wunder, dass viele – vor allem französische – Banken damit begonnen haben, Dollar-Assets zu verkaufen. Ihnen allen ist klar, dass sie von den Märkten kein Kapital bekommen werden. Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann hatte dies in einem Interview ausdrücklich bestätigt. Viele große Investoren haben in den vergangenen Monaten mit Umschichtungen begonnen. Vor allem die Schwellenländer haben erhebliche Kapitalzuflüsse zu verzeichnen – weshalb sie wiederum mit dem Problem von starken Währungen zu kämpfen haben.

Diese Verkaufsbewegungen werden unter anderem als einer der Gründe genannt, warum die Aktienmärkte in den vergangenen Tagen so überraschend stark gestiegen sind. Über komplizierte Algorithmen sollen automatische Euro-Kauforders in großem Stil erzeugt worden sein. Dies behauptet jedenfalls Alan Ruskin von der Deutschen Bank, wenn man der Darstellung des Finanzblogs Zerohedge Glauben schenkt. Andere Beobachter glauben dagegen, dass die Zuwächse an den Börsen im Gefolge eines starken Euro durch das Nachgeben des Yen ausgelöst wurden, weil die japanische Notenbank zur Aufweichung ihrer Währung Liquidität in den Markt gepumpt hat.

Beide Erklärungen unterstreichen jedoch das grundlegende Problem der Bankenkrise: Die europäischen Institute sind in teilweise besorgniserregendem Zustand. Dies muss bei den Diskussionen um die Euro-Rettung als zusätzlicher Risikofaktor berücksichtigt werden.

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