Amerika: Sagenhafte 2,2 Billionen Dollar für Gehälter der Banker

Zwei New Yorker Risiko-Management Experten haben errechnet: In den vergangenen fünf Jahren haben die amerikanischen Banker und Bankangestellten die sagenhafte Summe von 2,2 Billionen Dollar auf ihren persönlichen Gehaltskonten verbucht. Der tiefere Sinn der ausufernden Rettungsschirme dient nichts anderem als dem Erhalt dieses Systems.

Mit 2,2 Billionen Dollar könnte man locker die amerikanische Wirtschaft retten. Auch die Euro-Zone braucht in etwa diese Summe, um zu überleben – das schätzen jedenfalls immer mehr Experten, unter anderem George Soros. Es ist exakt die Summe, die in den vergangenen fünf Jahren direkt auf den Gehaltskonten allen Banker und Bank-Angestellten von bei der SEC aufgeführten Banken gelandet ist.

Der deutsche Wirtschaftsprofessor Stefan Homburg sagte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, dass der wahre und einzige Zwecke der immer neuen Rettungsschirme die Rettung der Banken sei. Die Banken brauchen diese Rettungsschirme, um ihr Geschäftsmodell aufrechtzuerhalten. Die bankenkritischen Autoren Nassim Nicholas Taleb und Mark Spitznagel haben für das Project Syndicate errechnet, dass in den nächsten zehn Jahren etwa 5 Billionen Dollar in die direkte Bezahlung der Banker und ihrer Mitarbeiter fließen werden.

Taleb und Spitznagel argumentieren, dass sich keine Volkswirtschaft der Welt derart exzessive Belohnungen für Unternehmen leisten könne, weil sie keinerlei Wertschöpfung für die Gesellschaft bringen. Die unmoralischen Kunstprodukte der Banken wurden im großen Stil und ungebremsten Zynismus an ahnungslose Investoren und Staatsbanken, die nicht ohne Gewinne aus dem Casino gehen wollten, verkauft. Anstelle Schulen, Straßen oder Infrastrukturprojekte zu fördern, sei die Gesellschaft heimlich zum Finanzier der Finanzierer geworden. Die Krise, die Millionen Menschen vor allem in den USA nachhaltig in die Armut gestürzt habe, sei an den Bankern spurlos vorübergegangen. Auf den Gehaltskonten der Banker sprudelten dagegen die besagten 2,2 Billionen Dollar. Diese Struktur könne aus volkswirtschaftlichen Gründen nicht aufrechterhalten werden, weil keine Volkswirtschaft so viel produzieren könne wie die Banker brauchen.

Stefan Homburg vergleicht die Situation mit der Kriegswirtschaft im Zweiten Weltkrieg. Damals seien ungeheure Summen an der Bevölkerung vorbei direkt in die Rüstungsindustrie geflossen. Heute gehen vergleichbare Summen global auf die Gehaltskonten der Banker. Am Ende solcher Systeme, so Homburg, stehe immer eine Währungsreform. Diese werde von den Bankern dann von idyllischen Inseln aus beobachtet, während jeder – Sparer, Eigenheimbesitzer, Rentner – um sein hart erarbeitetes Vermögen geprellt werde.

Taleb und Spitznagel plädieren daher weniger für einen Schuldenschnitt für die in Not geratenen Volkswirtschaften, als für einen strukturellen Gehaltsschnitt bei den Banken. Im Grunde seien vor allem die großen Fonds-Manager aus Treuepflicht gegenüber den von ihnen verwalteten Vermögen verpflichtet, diesen Ausstieg zu erzwingen. Denn es ist den meisten Fonds eigentlich statutarisch verboten, in Unternehmen zu investieren, die sich einen derart hohen Anteil ihrer Gewinne selbst auszahlen. Die institutionellen Investoren hätten mit einem solchen Schritt ihre Verluste in den vergangenen Jahren halbieren können, meinen die Autoren. Von Regulierungen oder der in Europa jetzt als Allheilmittel angepriesenen Finanztransaktionssteuer ist in diesem Zusammenhang nichts zu halten: Immer seien die Banken den Regulatoren einen Schritt voraus. Sie erfinden immer neue, undurchschaubare „Produkte“ und finden immer neue Schlupflöcher, um bestehende Regeln zu umgehen.

Die Kapitalflucht, die derzeit bei den europäischen Banken zu beobachten ist, könnte ein Indiz sein, dass sich schon viele Manager von Pensionsfonds und andere institutionelle Investoren aus den Banken verabschieden. Dies geschieht allerdings weniger aus moralischen Gründen, sondern aus Angst vor dem Risiko, das die Banken plötzlich darstellen. Genau diese moralischen Gründe müssten jedoch nach Talebs und Spitznagels Einschätzung in Zukunft in den Vordergrund rücken: Schon in der Vergangenheit sei es möglich gewesen, Investments in unmoralische Geschäfte zu unterlassen. Die Autoren nennen Südafrika zur Zeit der Apartheid und die Tabakindustrie als Beispiele.

Für die Volkswirtschaften brächte eine solch radikale Veränderung einen weiteren großen Vorteil: Die Überschüsse könnten, wenn sie nicht mehr den Bankern überwiesen werden, caritativen und sozialen Einrichtungen zu Gute kommen. Absurde Kunstprodukte wie EFSF, ESM und andere Ungetüme helfen nämlich nicht, wie die völlig überforderten Politiker in Europa behaupten, den Menschen in Europa; sie dienen nur dazu, die heute schon gigantische Kluft zwischen Superreichen aus den Finanzwirtschaft und einer in die Verarmung getriebenen Mittelschicht weiter zu vergrößern. Es braucht nicht viel Fantasie, um diese Entwicklung einmal von ihrem Ende her zu denken.

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Interview mit Stefan Homburg (SZ)

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  1. B. Schmitt sagt:

    Amerika: Sagenhafte 2,2 Billionen Dollar für Gehälter der Banker: Man sollte diese Leute zu 80 % besteuern.

  2. B. Schmitt sagt:

    Amerika: Sagenhafte 2,2 Billionen Dollar für Gehälter der Banker: Man sollte diese Leute zu 80 % besteuern.

  3. B. Schmitt sagt:

    Amerika: Sagenhafte 2,2 Billionen Dollar für Gehälter der Banker: Man sollte diese Leute zu 80 % besteuern.

  4. B. Schmitt sagt:

    Amerika: Sagenhafte 2,2 Billionen Dollar für Gehälter der Banker: Man sollte diese Leute zu 80 % besteuern.

  5. Johann Gritznig sagt:

    Krieg auf Kosten der Steuerzahler zwischen den unfähigen Laienspielgruppen der
    Politik und den raffgierigen Psychopaten der „Finanzindustrie“, wobei die Politik
    ihren „Gegnern“ laufend Steilvorlagen zuspielt.

  6. Johann Gritznig sagt:

    Krieg auf Kosten der Steuerzahler zwischen den unfähigen Laienspielgruppen der
    Politik und den raffgierigen Psychopaten der „Finanzindustrie“, wobei die Politik
    ihren „Gegnern“ laufend Steilvorlagen zuspielt.

  7. Johann Gritznig sagt:

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    Politik und den raffgierigen Psychopaten der „Finanzindustrie“, wobei die Politik
    ihren „Gegnern“ laufend Steilvorlagen zuspielt.

  8. Johann Gritznig sagt:

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    Politik und den raffgierigen Psychopaten der „Finanzindustrie“, wobei die Politik
    ihren „Gegnern“ laufend Steilvorlagen zuspielt.