Keine Rettung: Europa ist China politisch zu instabil

Der Druck auf China, in Europa zu intervenieren, wächst. Aber China will sich nicht unter den derzeit völlig unkalkulierbaren politischen Rahmenbedingungen in Europa engagieren.

Die Fokussierung auf eine mögliche Rettung des Euroraums durch China hat die chinesische Volksrepublik in eine starke Verhandlungsposition gebracht. Das Risiko für China, beispielsweise italienische oder griechische Schuldpapiere zu kaufen, ist hoch. Eine Garantie, dass nicht einer der beiden Staaten vielleicht doch aus der Eurozone austreten und eine eigene abgewertete Währung wieder einführen muss, gibt es nicht. In diesem Fall würden von China gekaufte Schuldenpapiere immens abgewertet werden. So nutzt China die Hoffnung Europas, in der Krise helfen zu können, aus um seinen Unmut gegenüber Bestimmungen wie die Restriktionen für den Export von Hightech-Technologie zu äußern.

Der Hauptgrund, warum die Chinesen sich nur mit äußerster Zurückhaltung in Europa engagieren, liegt in der politischen Instabilität auf dem alten Kontinent. China ist für jedes attraktive Investment zu haben. Wenn der politische Rahmen jedoch nicht kalkulierbar ist, lassen sie lieber die Finger und warten ab.

Die Ungewissheit, wie mit Ländern wie zum Beispiel Griechenland verfahren werden soll, zeigt, dass in erster Linie die Euroländer selbst die Staatsschuldenkrise durch Restrukturierungen bekämpfen müssen. Das Problem des Ungleichgewichts innerhalb der Eurozone existiert seit Jahren und wird durch die Schuldenkrise noch deutlicher. Eine Angleichung der Wirtschaften mit Unterstützung der Schwächeren durch die Stärkeren wäre von Nöten gewesen und ist es noch immer. So ist die Schuldenkrise Europas in gewisser Weise auch eine politische Krise. Der am BIP gemessene Schuldenstand des Euroraums von 85,1 Prozent im Jahr 2010 ist nicht wie in den USA bedingt durch immense Auslandsschulden und ein jährliches Defizit von fast 450 Mrd. Dollar.

Vielmehr ist der Euroraum außenwirtschaftlich in einer guten Balance und viele der jeweiligen Staatsschulden der Euroländer werden von Ländern innerhalb der Eurozone gehalten.
Dennoch kann China keine immense Schwächung des Euros und der Eurozone wollen. Die Währungsreserven der chinesischen Volksrepublik in Höhe von 3,2 Billionen Dollar im Juni 2011 werden bewusst nicht nur auf den Dollar verteilt, um zu verhindern, dass der chinesische Yuan zu stark steigt. Die Stärke des Euros in den letzten Jahren half, den Yuan weiter schwach zu halten. Doch das schnelle chinesische Wirtschaftswachstum und die Schwäche des Euros und des Dollars führten nun zu ersten Überlegungen, den Yuan vielleicht zu einer internationalen Währung für Handelszwecke zu machen. Aber China fürchtet den freien Markt und will noch immer seine eigene Währung selbst kontrollieren. Umso wichtiger wäre eine Erholung des Euros für China.

Ein Eingreifen Chinas als letzter Retter der Eurozone wird auch von den anderen BRIC-Staaten Brasilien, Russland und Indien mit Interesse und Furcht betrachtet. Einerseits können sie am Beispiel Chinas bezüglich seiner steigenden Rolle in der Krise sehen, inwiefern sie selbst durch helfende Maßnahmen ebenfalls entsprechende Gegenleistungen fordern können. Andererseits ist ein Erstarken Chinas nicht gänzlich in deren Interesse, da die enormen Exporte chinesischer Produkte ihrer eigenen nicht so wettbewerbsfähigen Wirtschaft schaden. So erhob Brasilien beispielsweise kürzlich zusätzliche Gebühren auf importierte Güter und kürzte die Zinssätze, um die eigene Währung abzuschwächen und die Importe zu verringern.

Mehr zum Thema:
Druck auf BRIC Staaten wächst
Ackermann will BRIC Staaten zur Hilfe bewegen
China: Wir retten niemanden, nur uns selbst!
Sagenhafte 2,2 Billionen für Gehälter der Banker

Kommentare

Dieser Artikel hat 12 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Walter Schneider sagt:

    Ich sagte, unabhängig von diesem Artikel, dass Europa ein „Raum des Unrechtes und der Willkür“ wird. Die Folge sind nicht kalkulierbare Kosten wenn Geld hier investiert wird. Seien es Gleichschaltungs- und -berechtigungsprogramme und -gesetze, seien es Einschränkungen der Wirtschaftsfreiheiten.

    Europa wird für das Gewerbe zum teuren, willkürenden wohlstandvernichtenden Apparat-

  2. Walter Schneider sagt:

    Ich sagte, unabhängig von diesem Artikel, dass Europa ein „Raum des Unrechtes und der Willkür“ wird. Die Folge sind nicht kalkulierbare Kosten wenn Geld hier investiert wird. Seien es Gleichschaltungs- und -berechtigungsprogramme und -gesetze, seien es Einschränkungen der Wirtschaftsfreiheiten.

    Europa wird für das Gewerbe zum teuren, willkürenden wohlstandvernichtenden Apparat-