Notenbank-Chef Noyer: Frankreichs Banken haben kein Problem

Es gibt sie doch noch, die Euro-Optimisten: Frankreichs Notenbank-Chef Christian Noyer sieht den Zukunft des Euro ausgesprochen positiv. Sorgen um die französischen Banken seien übertrieben. Sicherheitshalber würde er es jedoch begrüßen, wenn die EFSF-Mittel auch zur Rettung von Banken verwendet werden könnten.

Gerade erst ist die französisch-belgische Dexia Bank in die Schlagzeilen geraten. Nach der Herabstufung durch Moody’s stellt sich heraus, dass die Europäischen Bankenaufsicht der Dexia noch am 15. Juli ein hervorragendes Zeugnis ausstellte: Die Bank habe mehr als doppelt so viel Eigenkapital, um mögliche Verluste bei Schrottpapieren zu bewältigen. Sie wurde als eine der stärksten Banken Europas porträtiert, die beim europäischen Stresstest glänzend abgeschnitten habe. Die BBC bezeichnet diese Erkenntnis als „Witz“.

Doch Christian Noyer, Mitglied der Führungsriege der Europäischen Zentralbank (EZB), hält unverdrossen an seiner positiven Einschätzung der Lage der französischen Banken fest. Bei einem Seminar in Tokio sagte er, die französischen Banken seien nur in sehr geringem Ausmaß mit dem Problem von Schrottpapieren aus den europäischen Schuldenstaaten konfrontiert. Insgesamt hielten die französischen Banken Schrottpapiere nur in Höhe von 60 Milliraden Euro von allen, wie er es nennt, „peripheren europäischen Staaten“.

Nach Auskunft der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sind es jedoch 65 Milliarden Euro, die französische Banken allein aus Geschäften mit Griechenland in ihren Büchern stehen haben.

Noyer dagegen sieht das einzige Problem in der Schwierigkeit, Dollar-Funding zu erhalten. Dem habe jedoch die Initiative von fünf Notenbanken abgeholfen, indem die Banken den europäischen Banken garantierten hätten, ihnen in unbegrenztem Maß mit Dollar-Liquidität zu helfen. Die französischen Banken befänden sich nun in einer Phase des „Deleveraging und der Konsolidierung“. Die Reaktion der Märkte nennt er eine „Überreaktion“.

Daher ist Noyer auch ausgesprochen zuversichtlich für die Zukunft des Euro: Man habe Grund zu „starkem und realistischem Optimismus“ für die gemeinsame Währung.

Die französischen Banken kämpfen seit mehreren Monaten mit einer schleichenden Kapitalflucht. Sie haben sich neben der Versorgung von Liquidität durch die EZB auf die Ankündigung des Verkaufs von Unternehmensteilen verlegt. Experten halten es für äußerst unwahrscheinlich, dass im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld solche Verkäufe erfolgreich abgewickelt werden könnten.

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Rede von Christian Noyer in Tokio (englisch)

Kommentare

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  1. Bruno Waldvogel-Frei sagt:

    Tja, ein paar Stunden später hat sich bereits bestätigt, was ich gestern geschrieben habe. Lügen haben also kurze Beine. Und was lange lügt, wird letztlich nicht wahrer. Pinocchio-Preis an Herrn Noyer. Aber eben, so läuft der Hase heute – Lügen, Tricks, Schummeleien oder schlicht: Volksverdummung.

  2. Bruno Waldvogel-Frei sagt:

    Tja, ein paar Stunden später hat sich bereits bestätigt, was ich gestern geschrieben habe. Lügen haben also kurze Beine. Und was lange lügt, wird letztlich nicht wahrer. Pinocchio-Preis an Herrn Noyer. Aber eben, so läuft der Hase heute – Lügen, Tricks, Schummeleien oder schlicht: Volksverdummung.