Olli Rehn: EFSF-Chef „verdient den Friedensnobelpreis“

Der EU-Währungskommissar hat vorgeschlagen, Klaus Regling, dem Chef des EFSF, den Wirtschafts-Nobelpreis oder den Friedens-Nobelpreis zu verleihen. Wenn man jedoch die katastrophalen Fehleinschätzungen Reglings in einem Interview aus dem Jahr 2010 liest, fragt man sich eher: Was qualifiziert den Mann für seinen aktuellen Job?

Der Chef des europäischen Rettungsschirms EFSF, Klaus Regling, hält sich lieber im Hintergrund auf. Kein Wunder – er hat ja auch keine leichte Aufgabe: Er muss das Geld, das im europäischen Rettungsschirm EFSF lagert, verteilen. Abgesehen davon, dass da noch gar nicht so viel Geld angekommen ist wie man meinen könnte, fragt man sich: Wie kommt Rehn auf diese Idee. Die Nachrichtenagentur Bloomberg zitiert Rehn mit den Worten, „Regling verdiene den Nobelpreis für Wirtschaft oder den Friedens-Nobelpreis“, weil er angeblich einen Kompromiss mit Finnland in der Griechenland-Frage ausgehandelt habe. Regling selbst beschreibt seine Leistung mit einer für die Finanzwirtschaft mittlerweile typischen Diskretion: „Es ist eine komplizierte finanzielle Struktur“, zitiert Bloomberg Regling.

„Komplizierte finanzielle Strukturen“ haben in der jüngsten Vergangenheit nicht wirklich gut funktioniert. Auch jene ineinander verschachtelten Schrottpapiere, die mit den Namen CDO und CDS unrühmliche Geschichte geschrieben haben, waren zu kompliziert, dass niemand sie verstanden hat – außer jenen, die die anderen damit erfolgreich abgezockt haben.

Man könnte nun auf die Idee kommen, dass es die besondere Weitsicht von Regling sei, die ihn für die von Rehn genannten Ehrungen qualifiziert.

Ein Blick in ein Interview, das Regling der Bild-Zeitung im November vergangenen Jahres – damals stand gerade Irland im Fokus des Interesses – gegeben hat, könnte Aufschluss geben. Es ist jedoch ziemlich ernüchternd, was man der Nobelpreiskandidat damals von sich gegeben hat. Zumindest für den Wirtschafts-Nobelpreis scheint Regling eher nicht der richtige Mann.

Vor weniger als einem Jahr sagte jemand, von dem man erwartet, dass er zumindest die Entwicklungen eines halben Jahres einschätzen kann, folgendes: Die Gefahr, dass der Euro scheitert, liege „bei Null“. Auf die Frage, ob denn der Rettungsschirm auch für weitere Länder, zum Beispiel Portugal und Spanien reiche, sagte Regling, dass alle Länder unterschiedliche Probleme hätten, allerdings: „Der Rettungsschirm wäre aber groß genug für alle.“

Ob auch Italien ein Problem werden könne? Regling: „Italien ist gut durch die Krise gekommen, hat sein Etatdefizit im Griff.“ Ob Deutschland der Zahlmeister Europas werde? Regling: „Zahlmeister ist falsch. Es geht um Bürgschaften, nicht um wirklich abfließende Gelder. Niemand nimmt dem deutschen Steuerzahler etwas weg. Im Gegenteil. Deutschland wird mit seinem Beitrag zum Rettungsschirm höchst wahrscheinlich Gewinn machen. Allein bei Griechenland wären das bis zu 600 Mio. Euro pro Jahr, weil die Griechen eine Art Zinsgebühr für die Hilfskredite zahlen müssen.“ Ob das nicht sehr optimistische sei, wollen die Journalisten für Regling wissen. Der antwortet: „Nein, das ist total realistisch. Von vielen Hundert ähnlichen Programme des Internationalen Währungsfonds ist kaum eines je schief gegangen…“

Über eine Bankenbeteiligung müsse „man nachdenken“. Konkret: „2011 wird klar sein, wie eine solche Beteiligung in Zukunft aussehen wird. Wirksam wird das erst 2013 – und dann auch nur für neu-aufgelegte Papiere.“ (das ganze Interview hier)

Was den Friedens-Nobelpreis anlangt: Noch nie seit 1945 gab es in Europa so viele Ressentiments, Mißtrauen und Futterneid. Erstmals seit langem gibt es Gewalt auf den Straßen, Proteste, Verzweiflung. Noch nie war Europa zerstrittener als in der Debatte um die Rettung von Schuldenstaaten, und im Besonderen über den EFSF. Aber Europa hat nun mal eine „komplizierte politische Struktur“. Und für diese ist der Chef des EFSF nun ganz gewiss nicht zuständig.

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Kommentare

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  1. schlaumeister sagt:

    Für Wirtschaftsschwachköpfe bitte gleich Nobelpreise austeilen!!

  2. schlaumeister sagt:

    Für Wirtschaftsschwachköpfe bitte gleich Nobelpreise austeilen!!