Sparkasse Bremen erwirkt Zensur beim ZDF

Wegen eines „laufenden Rechtsstreits“ hat die Bremer Sparkasse beim ZDF durchgesetzt, dass ein kritischer Banken-Beitrag nicht mehr im Internet gezeigt werden darf. Der Titel der Dokumentation spricht für sich: „Die Bank gewinnt immer“.

Von dem ursprünglichen 43:27 Minuten langen WiSo Beitrag „Die Bank gewinnt immer. Von Krisen, Kunden Krediten“ sind nun nur noch 41:09 Minuten in der ZDF Mediathek zu sehen. Der YouTube-User infopointaudimax „hatte anscheinend die Dokumentation – ohne Wissen des ZDFs – auf YouTube gestellt“ schreibt Georg Döllner im WiSo Plus Blog des ZDF. Warum das Video von YouTube entfernt worden war, sei nicht bekannt. Die ursprüngliche Betextung durch YouTube „Dieser Content ist in deinem Land nicht verfügbar, da er aufgrund einer Regierungsanfrage entfernt wurde“ führe, so Georg Döllner, „zur aktuellen Verwirrung“ und auch der Regierungssprecher Steffen Seibert twitterte um 13 Uhr “Die Bundesregierung zensiert nicht und hat nichts gesperrt” und verweist auf die WiSo-Seite mit dem gekürzten Beitrag. Die aktuelle Fassung sei leicht gekürzt, schreibt Georg Döllner, „da wir uns in einem laufenden Rechtstreit mit der Sparkasse Bremen befinden. Damit die restliche Dokumentation aber weiterhin abrufbar ist, wurde die Online-Version um die strittigen Stellen gekürzt.“

Doch worum ging es nun genau in diesen entfernten 2:22 Minuten? Geschildert wird der Fall Walter Tietjens, der seit mehr als 50 Jahren Kunde der Sparkasse Bremen ist. Er wollte sich eine Seniorenwohnung kaufen und hatte 2004 nach einer Beratung durch die Sparkasse Bremen sein gespartes Geld angelegt. Er war damals 79 Jahre alt und ihm wurde empfohlen, in den MPC Renditefond zu investieren. Walter Tietjen wusste jedoch nicht, dass seine dort angelegten 50000 Euro bis 2018 festgelegt sind. Drei Jahre später, im Jahr 2007, rät ihm die Sparkasse Bremen weitere 35000 Euro zusätzlich in den Sachsenfonds zu investieren, die wiederum bis 2027 festgelegt sind. Zu diesem Zeitpunkt wäre er schon älter als 100 Jahre alt gewesen. Erst seinem Freund Franz Lisziak war irgendwann dieser Umstand aufgefallen.

Aus dem WiSo Beitrag geht außerdem hervor, dass die Sparkasse Bremen zu keinem Interview bereit war und sich nur wie folgt äußerte: „Herr Tietjen habe die Anlage vorsorglich für seine inzwischen verstorbene Lebensgefährtin so gewollt. Er könne die Fonds aber vorzeitig veräußern.“ Diese seien, so im Beitrag zu hören, heute jedoch weniger als die Hälfte wert. Auch Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen kritisiert im ursprünglichen Beitrag die Sparkasse Bremen. „Also ich sehe da nur einen Grund, warum man eigentlich diese Fonds empfohlen hat, und das ist die hohe Provision.“ Arno Gottschalk sagt hierzu weiter, er habe sich die Sachen genauer angeschaut. Man sehe zwar nicht so ganz genau, welcher Betrag da geflossen sei, aber es gebe Hinweise, „dass man 12 bis 14 Prozent an Vermittlungsprovision bekommen hat. Das ist weitaus mehr als bei normalen Produkten.“

Mittlerweile liest man bei YouTube nur noch “This content is not available in your country due to a legal complaint.” “Die Bank gewinnt immer” – ein Titel der auch in diesem Fall wohl der Wahrheit entspricht.

Mehr:
Bank of America: Droht nun die Mega Pleite?
EU-Parlamentarierin: Barroso muss gehen

Kommentare

Dieser Artikel hat 10 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. zeta77 sagt:

    Dann bringt die Bank in Beraterhaftung. Die Vorschriften sind sehr streng. Da wurde nicht nur falsch beraten, sondern geradezu betrogen.

    Als Experte müsste er wohl wissen wie man so eine Klage bzw. Anmahnung an die Bank aufbaut.

  2. kneipier sagt:

    @ cornholio

    Danke.-

    Bei Eichelburg gefunden:

    http://www.youtube.com/watch?v=_e9K1Q1rE5o

    Dort funzt es in drei Folgen. Sehenswert!

  3. Zwick sagt:

    …wenn es zensiert wird,dann ist es doch interessanter für den Leser…,ich denke es war ein Eigentor für die Bank!!!;-)

  4. Andreas sagt:

    … die Sparkasse Bremen (oder die Regierung) hat sich mit dieser Aktion selber ins Knie geschossen – der Streisand-Effekt läßt grüßen!

    http://de.wikipedia.org/wiki/Streisand-Effekt

    • ivonne leuchs sagt:

      ich finde das alles äußerst merkwürdig.
      zum einen ist der beitrag auf youtube vermeintlich aus regierungskreisen derzeit nicht verfügbar, was ich so wirklich noch nie gesehen habe und mich vermuten lässt, dass da auf jeden fall irgend etwas foul sein muss.
      zum anderen aber ist es doch auch auffällig, dass ein deutscher beitrag mit deutschen betroffenen so dargestellt wird, als sei er synchronisiert. ich meine, warum hat man denn nicht den o-ton der mitschnitte gesendet, sondern offenbar die bekundungen mit texten der betroffenen hinterlegt, die sie an anderer stelle gesagt haben? warum das?
      das kann doch nicht nur mir aufgefallen sein, oder? bin echt gespannt, wie das weitergeht…

      • Horst Bunk sagt:

        …auch diese Sache wird wie stets vertuscht werden. Sobald durch Transparenz sich öffentlicher Druck entwickeln könnte, wird dies dr. einstweilige Verfügungen verhindert. Auffällig ist, dass nur hier darüber berichtet wird, wo sonst die gesamte Medienlandschaft rebelliert, wenn es um die Einschränkung der Pressefreiheit bzw. der Berichterstattung geht! Weshalb berichten nicht die explizit in Bremen vor Ort angesiedelten Medien? Oder habe ich etwas verpasst? Es erinnert vieles an den Fall „Sönke Liebig“ aus 2001 / 2002 bei der Sparkasse in Bremen.

  5. klaus sagt:

    das erklärt aber noch nicht das hier „„Dieser Content ist in deinem Land nicht verfügbar, da er aufgrund einer Regierungsanfrage entfernt wurde“.
    es bleibt sehr merkwürdig, vielleicht hat ja doch jemand von der regierung inoffifziell bei youtube druck gemacht?

  6. cornholio sagt:

    die schweizer haben es noch mal hochgeladen. in vollständiger länge.
    http://swiss-lupe.blogspot.com/2011/10/das-in-deutschland-zensierte-video-die.html

  7. Nielson sagt:

    Vielen Dank für den Beitrag, wenigstens eine Zeitung die soetwas druckt.
    Respekt