Bankenrettung via EFSF: In 22 Wochen ist das Geld weg

Viel Freude herrscht an den Märkten über die europäische Einigkeit, die Banken zu retten. Wenn dies über den Rettungsschirm EFSF geschieht, reicht das Geld im besten Fall für 22 Wochen. Dummerweise hat keiner in Europa eine Idee, woher das Geld sonst kommen könnte. Der Vorteil: Die Boni für die Banker am Jahresende wären gesichert.

Die mögliche Rettung der europäischen Banken durch den Rettungsschirm EFSF wird von EU-Politikern als der „Königsweg“ aus der Krise gepriesen. Gary Jenkins von Evolution Securities hat einmal ein „best case“ Szenario durchgerechnet. Demnach schafft es das Rettungsvehikel gerade mal 22 Wochen. Dann steht Europa vor genau denselben Problemen wie heute – zuzüglich Rezession und Zinsen.

Jenkins sagt, es gibt bisher keine alternativen Finanzierungs-Modelle für die Rekapitalisierung der Banken. Daher spielt er einmal durch, was viele europäische Politiker denken: Soll doch der Rettungsschirm EFSF einspringen, wozu haben wir das Geld.

Die Berechnung ist einfach: Wenn alle Staaten zustimmen, sind 440 Milliarden Euro im Topf. Davon sind 100 Milliarden schon für Irland und Portugal verplant, und etwas davon vielleicht für Griechenland.

Über den EFSF könnten nun 100 Milliarden Euro für die Banken-Rettung verwendet werden. Vorausgesetzt, französische und deutschen Banken brauchen nichts von dem Geld. Dann bleiben 190 Milliarden Euro, um wie geplant italienische und spanische Staatsanleihen zu kaufen. Wenn der EFSF beim Ankauf dieser Schrottpapiere in etwa das Tempo der EZB übernimmt – diese hat in den vergangenen Monaten die Anleihen aufgekauft – dann wäre in 22 Wochen Schluss.

Das wäre ungefähr März, und dann werden viele europäische Banken ihrerseits Schrottpapiere umschulden müssen. Wenn sie dafür keinen Markt finden, werden sie sich, in bewährter Manier, an die Steuerzahler aller Länder, vertreten durch ihre Regierungen, wenden und erneut die Hand aufhalten.

Der von der EU zur Rekapitalisierung gepriesene Königsweg ist also, wenn das Ganze über den EFSF laufen soll, eine Geldvernichtungsmaschine. Sie hat allerdings einen Vorteil: Die am Jahresende fälligen Boni für die Banker könnten geräuschlos ausgezahlt werden. Damit wäre eine der Kernaufgaben der Finanzwirtschaft sichergestellt. Für die folgenden Monate darf mit ähnlich kreativen Lösungen gerechnet werden.

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Kommentare

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  1. Claus sagt:

    Dieser EFSF ist nur eine riesige Volksvermögen- Vernichtungsmaschinerie. Der Bürger wird dies mit weiterer Verarmung bezahlen müssen. Das ganze ist die weitere Umverteilung von unten nach oben..Den Menschen die dagegen sind vorzuwerfen , diese wären keine Europäer ist schlichtweg zynisch und unverschämt.
    Diese sind mehr Europäer als die , welche uns wie Vampiere aussaugen. Es wird endlich Zeit die Uhr umzustellen , auf ein Europa der Menschen und nicht des Kapitals.
    Aber dafür bedarf es keinen Euro.

  2. josha-de sagt:

    Die Finanzwirtschaft im Allgemeinen und die Rating-Agenturen im Besonderen wären vollkommen machtlos und ungefährlich, wenn nicht Generationen gerissener Politiker die ihnen anvertrauten Staatshaushalte ins Schuldenchaos gestürzt hätten. Nicht die Finanzwirtschaft ist das Problem, sondern die Politik. Die Dummköpfe in Washington, Berlin, Rom, London, Lissabon, Brüssel und Athen sind zu blöd um zu begreifen, dass Schulden immer nur dann erlaubt sind, wenn sie echte Investition sind: mit sicher zu erwartenden, geldwerten „Return of Investment“ in überschaubarer Zeit.
    Was hingegen die Dummköpfe in der Politik seit langem als Schulden aufnehmen, dient nicht irgendeiner Investition, sondern der Bedienung jeweiliger Klientels: sei es die Rüstungsindustrie (USA), sei es der Beamtenapparat (Athen), sei es die Finanzwirtschaft (Berlin).
    Inzwischen ist die Schuldenaufnahme der zweitgrößte Einnahmeposten im deutschen Haushalt – und dient NUR noch dazu, die Zinsen zu bedienen, die bisherige Schulden aufgehäuft haben. Man reißt Löcher auf, um Löcher zu stopfen. Kreditaufnahme hat NUR noch den Zweck der Umschuldung und Kreditbedienung: ein Fass ohne Boden, wie jedes Schulkind nachrechnen kann.
    Ausnahmslos alle Politiker, die sich an diesem Spiel beteiligen, handeln in hohem Maße kriminell – weil sie Staatsvermögen – unser Vermögen – gefährden und verschleudern.

    • Karl-Heinz sagt:

      Der beschriebene Prozess ist in einem Schuldgeldsystem unverzichtbar.

      Wenn Geld nur aus Schulden geschöpft werden kann, können Gewinne auch nur durch ständige Ausweitung dieses Prozesses generiert werden.

      In so einem Versklavungssystem muss sich eben der Staat verschulden, wenn es die Bürger nicht mehr können – sonst bricht das System zusammen.

      Das System bricht auch zusammen, wenn alle Schulden getilgt würden. Es gäbe dann kein Geld mehr.

      Abhilfe schafft nur der Wechsel vom Schuldgeldsystem zu einem leistungsgedeckten Geldsystem.

      • schlaumeister sagt:

        das heißt natürlich, dass Wachstum auf Kredit nicht mehr möglich
        wäre, unser ganzer vermeintlicher Wohlstand ist kreditgetrieben und
        bräche, bzw bricht demnächst zusammen. Kondratieffwinter ist da
        und es schneit. Ein goldgedecktes Finanzsystem wäre möglich, würde
        aber bedeuten, dass nur soviel importiert werden kann, wie auch
        exportiert wird, das würde die meisten auf Pump lebenden Länder
        in tiefste Armut stürzen. Kommt aber jetzt sowieso-ist alternativlos.
        Staaten müßten radikal abspecken, Administration minimieren, fette
        Beamtenpensionen extrem kürzen etc.

  3. hannes sagt:

    Genau, geht alle auf die Strasse, da lacht die Diktatur Merkels sich tot drüber und schicken vorsorglich ihre Söldner. Sollte ihr dann nicht genauso ausgerüstet sein, dann bleibt lieber zu Hause.
    Irgendwelche friedlichen Demos sind völlig witzlos, wie man in der Vergangenheit gesehen hat.

  4. Dalien Forester sagt:

    Der Doomino Stein ist schon gefallen…

    Es ist aus.

    Sie haben uns einfach verkauft.

    . . .

  5. TONI sagt:

    ALLES IST AUF ZAHLEN AUFGEBAUT. 9 11 UNSERE LIEBEN TüRME, 9 11 UNSERE LIEBE MAUER, 9 11 UNSER BANKEN ZERFALL IM JAHR 2011. DAS SIND UND WAREN DIE EREIGNISSE DIE ALLES VERÄNDERT HABEN. UND VERÄNDERUNGEN BRAUCHEN WIR. LIEBER 1 JAHR IN FREIHEIT LEBEN, UM NICHT ALS ALTER SKLAWE ZU STERBEN.

  6. ivan sagt:

    Wenn ich diese Kommentierung schon wieder lese.
    Internationale Mobilisierung.
    So wie jeder einzelne Mensch ein Egoist mehr oder nur weniger ist,also eigene Interessen hat,so haben o.sollten im Idealfall auch Staaten Interessen haben.
    Der ganze Wahnsinn der hier läuft rührt doch nur daher dass alles auf Globalisierung hinausläuft,kaum noch beherrschbar,von der puren GIER getrieben.
    Die Lösung muss wieder mehr NATIONALSTAAT sein.
    Ich kann mich auch nur zuerst um meine Familie kümmern,dann erst um andere.

  7. sonnenlicht sagt:

    Bitte unbedingt auf http://www.alpenparlament.tv

    das Gespräch mit Prof. Hörmann und Prof. Michael Vogt über das Betrugsmodell unseres Finanzsystems ansehen. Der Titel lautet „Und wenn unter keinem Hütchen
    eine Kugel ist. Danke. Und bitte weiterleiten!!!!!!

  8. reiner tiroch sagt:

    Die Idee wird schon umgesetzt, indem die EZB bereits marode Staatsanleihen der Pleiteländer aufkauft, und frisches geld ausgibt, bis es eine Bad-Bank für Europa geschaffen wird wie geplant. Die EZB hat schon Kunden wie: Spanien, Irland, Griechenland, und sogar italien und Frankreich. Der Billionenpoker geht ins Finale der Rettungsdeppen. .

  9. Lotus sagt:

    Wann holen die Politiker endlich das Geld von den Reichen in ganz Europa? Die sollen die Banken retten und danach Ottes Vorschlag festmachen und einführen. Jedenfalls erst mal in Deutschland. Es kann nicht ewig so weitergehen, daß unsere Pokitiker ihre freundschaftlichen Verhältnisse nur für ihren Vorteil nutzen. Sie haben die Aufgabe, Wohlstand für alle zu schaffen und nicht die Steuergelder zu verpulvern. Das die noch schlafen können, glaube ich nicht. Merkel braucht auf jeden Fall ne Schlaftablette.

  10. Karl-Heinz sagt:

    Es gab gestern, in den Öffentlich-Rechtlichen, einen interessanten Kommentar von Max Otte.

    Der ist der Ansicht, dass es völlig unsinnig ist die Banken zu retten.

    Er schlägt vor strauchelnde Banken zu verstaatlichen, nur die Spareinlagen zu garantieren, eine geordnete Insolvenz zu Gunsten der Anleger durchzuführen und nur die Geschäftteile weiter zu führen, die für die Geldversorgung nötig sind.

    Er rechnet mit Kosten von nur 55 Milliarden Euro.

    So ein Vorschlag ist für Regierungsoberhäupter wahrscheinlich lebensgefährlich.

    • Milton sagt:

      Der Herr Otte scheint Ahnung zu haben.

      Vielleicht noch folgenden Merksatz anheften:

      Es ist günstiger Banken als Volkswirtschaften zu retten, es ist aber noch günstiger für eine Volkswirtschaft, die Vermögen der Privaten zu retten als die Banken zu retten.

      Im übrigen haben wir in Deutschland mit Genossenschaftsbanken und Sparkassen eine finanztechnische Infrastruktur, die auch kurzfristig all jene Finanzdienstleistungen anbieten könnte, die die Realwirtschatf zur Abwicklung ihrer Geschäfte benötigt.