Der neueste Trend: Wetten gegen Frankreich und Deutschland

Das Geschäft mit Wetten gegen Frankreich und auf eine schlechtere Kreditwürdigkeit Deutschlands floriert. Die Politik kann in diesem Fall keine richtigen Entscheidungen mehr treffen. Experten sprechen bereits von einer „rein systemischen Krise“.

Die heißesten Wetten unter Hedge Fonds laufen derzeit gegen Frankreich und gegen Deutschland. Frankreich könnte ironischerweise das Opfer Italiens werden, weil die EZB durch die massiven Aufkäufe von italienischen Staatsanleihen deren Wert künstlich hochhält. Gegen Deutschland wird gewettet, indem Kreditversicherungen gekauft werden, weil man erwartet, dass Deutschlands Kreditwürdigkeit sinken wird. Alternativ diskutieren Investoren die vollständige Flucht aus der Eurozone. Denn viele der Wetten laufen über Credit Default Swaps (CDS). Etliche Investoren erwarten, dass die europäischen Regierungen ihre Drohung wahrmachen und CDS auf Staatsanleihen europaweit verbieten.

Die Wetten zeigen, dass entgegen allen politischen Sonntagsreden Europa mitnichten als einheitlicher Markt gesehen wird. Dies war zu Beginn der Euro noch durchaus der Fall. Staatsanleihen für Italien, Frankreich und Deutschland notierten auf etwa demselben Niveau.

Doch seit 2010 haben sich die Zinsen für die verschiedenen Staatsanleihen dramatisch auseinander entwickelt. Italien konnte nur dank der Intervention durch die EZB vermeiden, dass die Zinsen über 5% steigen. Und seit kurzem entwickeln sich Frankreich und Deutschland gegenläufig.

Vor allem die erheblichen Schwierigkeiten im Bankensystem machen Frankreich zu schaffen. Und dies ist ein Teufelskreis: Kommt es zu einem Bail-Out der Banken durch den französischen Staat, sind zwar die Banken vorübergehend gerettet, Frankreichs Kreditrating würde sich jedoch verschlechtern. Daher ist eine Lösung der Euro-Krise für Frankreich eigentlich keine gute Option. Ian Harnett von Absolute Strategy Research sagt voraus, dass sich die Staatsanleihen von Italien und Frankreich annähern werden. Die Lösung für Wetten liegt auf der Hand: Man wettet darauf, dass Frankreich näher an die schlechten Werte von Italien heranrückt, während Italiens Staatsanleihen von europäischen Hilfen profitieren würden.

Ähnliches gilt für Deutschland. Zwar sind die deutschen Staatsanleihen noch für viele Investoren ein sicherer Hafen, aber die Kreditwürdigkeit Deutschlands wird sinken, wenn Deutschland als Zahlmeister für die schwachen Euro-Staaten einspringt. Daher sind auch die CDS auf deutsche Staatsanleihen in den vergangenen Wochen dramatisch gestiegen: Sie haben sich seit Mai 2011 verdreifacht. Das heißt: Der Markt wettet auf eine schlechtere Bonität der Deutschen.

William Porter, Analyst bei Credit Suisse, empfiehlt Investoren daher, sie sollten CDS-Versicherungen von Deutschland und anderen Staaten mit Top-Ratings kaufen, um von deren „abnehmenden Kreditwürdigkeit zu profitieren“. Die Financial Times zitiert Porter mit den Worten: „Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem die Krise rein systemisch geworden ist.“

Und auch der Chefvolkswirt von Monument Securities, Stephen Lewis, sieht einen langfristigen Trend: „So wie sich die Staatschuldenkrise bisher entwickelt, können wir die Kernländer des Euro nicht mehr als sichere Häfen ansehen, weil sie einige der Probleme der schwächeren Mitglieder der Eurozone teilen werden.“

Die Tatsache, dass sich Wettprodukte mit dem Namen CDS immer noch größter Beliebtheit erfreuen, wird von vielen Beobachtern als eines der Grundübel der aktuellen Krise angesehen: Denn die CDS können nicht von jedem Bürger wie ein Lottoschein gekauft werden: Nur jemand, der ein zu versicherndes Interesse hat, kann sie erwerben. Der blühende Handel mit diesen Papieren durch Hedge Fonds zeigt, dass der größte Profit dort gemacht wird, wo bestimme Player an beiden Seiten des Tisches sitzen. Sie bestimmen die Spielregeln profitieren von den Fakten, die sie geschaffen haben. Eine Wertschöpfung für die Gesellschaft ist nicht zu erkennen. Die vollständige Kapitulation der Regulierer vor den Kunstprodukten der Finanzwirtschaft könnte jedoch nicht deutlicher dokumentiert werden.

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Kommentare

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  1. Claus sagt:

    Um diesen Profiteuren der Krise die Spitze zu nehmen, müssten die Hedge Fonds beschnitten werden sowie die Ausfall Wetten verboten werden. Die Banken muessen stärker überwacht und auf Ihr Kerngeschäft, dem Dienst am Kunden, zurückgeführt werden. Dann müssen wir zurück zu den freien Wechselkursen ,damit diese Erpressungen der EU Staaten durch Rating Agenturen u.a. aufhören.
    Fazit. Raus aus dem Euro und diesen nur noch als sog. Ecu führen.
    Dies ist nicht das Ende des Europäischen Gedankens , sondern wäre ein neuer Anfang.
    Aber ich fürchte diesen Mut haben unsere Politiker nicht. Da ihre Parteien am Tropf von Banken und Versicherungskonzernen hängen die auch grossen Hedge Fonds unterhalten. Die Spende der Allianz Versicherung an die im Bundestag vertretenen Parteien ausser den Linken spicht wohl Bände.

    • FDominicus sagt:

      Es reichte wenn Betrug der Banken genauso geahndet würde wie andere Betrügereien. Nun ja ausgenommen die Betrügereien der Delebets, die sind natürlich „alternativlos“.

  2. Aaron Goldstein sagt:

    Es scheint, Bankenmafia und WETTBÜROS haben die Herrschaft über Staaten erlangt!!

    Wenn das nicht pervers ist? Die Bankster sind eine Diktatur, sie sind übrigens die KOLLEKTIVSCHULDIGEN an allen Weltkriegen und allen Kriegen der letzten 100 Jahre, denn Krieg ist das beste Investment:

    ENDLOSES AUFNEHMEN VON KREDITEN DURCH REGIERUNGEN, denn Kriege sind teuer und nicht bezahlbar, daher endlose Zinszahlungen an die Banker-Nazis.

    Rothschild, Rockefeller, JP Morgan, Ackermann, und wie diese Nazis und Massenmörder und Lügner und Diebe alle heissen, gehören alle ins Gefängnis!

    Sie haben Glück wenn das aufgebrachte Volk sie nicht lebendig zerreisst. Mit lebenslang im feuchten kalten Kerker kommen sie noch gut bei weg!

    • FDominicus sagt:

      Ah Lebensraum im Osten war also eine Idee der Banker? Meinen Sie nicht Sie sollten diese Sache noch mal überdenken?

  3. argus germanicus sagt:

    Wer jetzt noch mehr Geld auf dem Konto hat, als unbedingt (für laufende Ausgaben) nötig, dem ist nicht mehr zu helfen…

  4. Sebastian sagt:

    Die Geld-Gier hat eine Welt des klinischen Irrsins erschaffen. Erntet, was ihr in eurer Gottlosigkeit selbst gesät habt! Ihr habt die geistlichen Ursachen nicht erkannt.

    • Karl-Heinz sagt:

      Doch – ich habe durchaus die geistliche Dimension verstanden.

      Man kann nicht zwei Herren dienen – Gott und dem Mammon.

      Aber trotzdem werde ich von den bevorstehenden Ereignissen betroffen sein und eine riesige Anzahl unschuldiger Mitmenschen auch.