Bankenrettung: Französische Banken wollen Geld, aber keine Kontrolle

Grotesk: Während die nächste Bankenrettung eingeleitet wird, stemmen sich die französischen Banken gegen neue Regulierungen. Denn strengere Auflagen „schaden dem vorhandenen Geschäftsmodell“.

Am Wochenende haben Angela Merkel und Nicolas Sarkozy die nächste Bankenrettung beschlossen. Gleichzeitig wurde der belgisch-französische Finanzkonzern Dexia verstaatlicht. Doch bei den Banken stehen die Zeichen noch lange nicht auf Einsicht: Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht möchte die Banken weltweit dazu zwingen, mehr liquide Mittel – also Bargeld – zu halten und damit nicht mehr so abhängig von kurzfristiger Finanzierung zu sein. Doch es hagelt Kritik, besonders von französischen und amerikanischen Banken, denn solche Regeln könnten „die gesamtwirtschaftliche Entwicklung negativ beeinflussen.“

Der neue Vorsitzende des Basler Ausschuss für Bankenaufsicht, Stefan Ingves, spricht sich in einem Interview mit der Financial Times für verschärfte Auflagen für Banken weltweit aus. Er rechnet aber mit Gegenwind: „Wenn man damit beginnt, rechtliche Rahmenbedingungen zu ändern, spürt man natürlich auch irgendwo die Auswirkungen. Alles andere wäre nicht echt“, sagt Ingves. „Aber jeder profitiert von einem sichereren System.“

Ingves möchte die Einführung der Basel III-Reform vorantreiben und damit die Banken in Zukunft dazu zwingen, mehr liquide Geldmittel anzuhäufen, um gegen unerwartete Verluste gerüstet zu sein. Die „liquidity coverage ratio“ soll ausreichend Barmittel erfordern, um eine 30 tägige Krise zu überstehen. Eine „net stable funding ratio“ soll langfristigere Finanzierungsformen erwirken. Der Ausschuss plant auch, so genannte „heat maps“ zu veröffentlichen, also eine Art Landkarten, die zeigen, welche Ländern sich an die Regeln halten. Zusätzlich sollen Expertenteams ausrücken, um zu überprüfen ob sich die jeweiligen Länder die Auflagen umsetzen.

Das alles soll zu mehr Transparenz führen und „Gruppendruck“ aufbauen. „An einer allmähliche Balkanisierung der Regeln sollte niemand interessiert sein“, sagt Ingves. Die Vorhaben stoßen jedoch auf heftigen Gegenwind von französischen und amerikanischen Banken. Diese bombardieren die Aufsichtsbehörden regelrecht mit Beschwerden, dass das Basel III Packet nicht nur gesamtwirtschaftliche Schäden mit sich bringen könnte, sondern vor allem auch „dem Geschäftsmodell der Banken schaden würde“.

Angesichts der neuerlich eingeleiteten Bankenrettung scheint der volkswirtschaftliche Nutzen des Bankensystems unter den derzeitigen Spielregeln überschaubar. Das Geschäftsmodell der Banken bringt diese nicht nur selbst alle paar Jahre nahe einer Existenzkrise, sondern gefährdet auch das gesamte Wirtschaftssystem. Es ist also fragwürdig, wie lange die europäischen Banken sich angesichts dieser Lage noch weiter gegen strengere Auflagen wehren können

Kommentare

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  1. FDominicus sagt:

    Was soll das? Die Banken werden einfach nicht „gerettet“ und dann wird sich zeigen welches Geschäftsmodel funktioniert. Ach ich Dummer, Pleite gehen lassen ist ja keine Option mehr ….

  2. FDominicus sagt:

    Was soll das? Die Banken werden einfach nicht „gerettet“ und dann wird sich zeigen welches Geschäftsmodel funktioniert. Ach ich Dummer, Pleite gehen lassen ist ja keine Option mehr ….