Griechenland: Banken müssen noch 120 Milliarden Euro retten

Es wird ganz eng für die europäischen Banken: Die Staatspleite Griechenlands darf erst eintreten, wenn sie Schrottpapiere im Wert 120 Milliarden Euro refinanziert haben. Am liebsten würden sie das über den EFSF tun. Die Griechen selbst denken nicht mehr ans Sparen, sondern räsonieren über die Höhe des Schuldenschnitts.

Dass die geordnete Insolvenz Griechenlands stattfindet, ist nicht mehr eine Frage des ob, sondern des wann und wie: „Es wäre eine Katastrophe, wenn Griechenland bankrott geht, bevor die Banken mit genug Geld ausgestattet sind, um das aufzufangen“, sagte der ehemalige britische Premierminister John Major in einem Interview mit der BBC.

Folglich wird in Europas Hauptstädten und Banken mit spitzem Bleistift gerechnet und mit Zahlen jongliert. Weil das ganze System komplett intransparent ist, gibt es nur Schätzungen: Demnach beträgt die Summe der Schrottpapiere, die noch bei europäischen Banken liegen, 120 Milliarden Euro. Diese vor der Pleite Griechenlands zu retten, ist die wichtigste Aufgabe für die Banken im Moment. Das ist nicht ganz einfach – denn wohin damit? Der Rettungsfonds EFSF steht noch nicht, und die Europäer befürchten, dass Griechenland täglich seine Insolvenz ausrufen könnte.

Um den Steuerzahlern das zu ersparen, müsste der Schuldenschnitt woanders und dafür merklich tiefer ausfallen: Um die 100% angestrebte Staatsverschuldung zu erreichen, spekuliert die griechische Zeitung Kathimerini, müssten sich die anderen Gläubiger richtig warm anziehen: Auf sie kämen dann unter Umständen Verluste in Höhe von bis zu 80% zu. Die Zeitung empfiehlt den Europäern einen raschen Schuldenschnitt – um wenigstens überhaupt noch irgendetwas zu bekommen.

Das Problem ist, dass es für Griechenland im Grund eigentlich keine wirtschaftlichen Prognosen mehr gibt. Bei den Berechnungen über einen Schuldenschnitt geht es um zu erwartende Wachstumsraten und die allgemeine Staatsverschuldung Griechenlands – beides schlechter, als erwartet und so schlecht, dass weder der Euro-Rettungsschirm noch die vereinbarte Beteiligung des privaten Sektors die angestrebten Ziele kurzfristig und erst recht nicht langfristig bis 2020 erreichen kann.

Dem gegenüber stehen die bereits ausgegebenen, vergünstigten Kredite aus dem Euro-Rettungsschirm, die Zusage des privaten Sektors, ebenfalls günstiger zu refinanzieren oder abzuschreiben, und das Bekenntnis der Staats- und Regierungschefs – allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel – für ausreichende Liquidität der europäischen Banken zu sorgen.

Der erweiterte Euro-Rettungsschirm sieht Kredite in Höhe von 109 Milliarden Euro für Griechenland vor, von denen bereits 47 Milliarden Euro ausgezahlt wurden. Dazu soll der private Sektor rund 13.5 Milliarden Euro in Form von Abschreibungen in Höhe von 21% ihrer Einlagen beitragen. Trotzdem wird Griechenlands öffentliche Verschuldung im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt bis Ende des Jahres wahrscheinlich auf 160% anwachsen. Das ist weit entfernt von der 100% Verschuldung, die von den Euro-Rettern bis 2020 anvisiert war und als tragbar galt.

Der Schuldenschnitt ist also der schnellste Weg in Richtung 100% Staatsverschuldung in Griechenland – womit das Land immer noch 40% über den Maastricht-Kriterien läge – und der inzwischen wahrscheinlichste. Allerdings ist es nun ein Wettlauf mit der Zeit: Denn in Griechenland herrscht schon „Pleitestimmung“, wie die Financial Times schreibt.

Für Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Staats- und Regierungschefs der anderen Geberländer könnte das aber auch heißen, dass selbst die großherzigste Unterstützung zu spät käme: Bei einem Schuldenschnitt würder der deutsche Steuerzahler nämlich „nur“ Verluste in Höhe von 60% für die rund 47 Milliarden Euro an Krediten und Garantien zu verkraften haben, die bereits ausgezahlt wurden. Zusätzlich müsste sich der Internationale Währungsfonds von knapp 11 Milliarden Euro verabschieden und die Europäische Zentralbank von etwa 30 Milliarden Euro.

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Kommentare

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  1. Kind Georg sagt:

    Wie so viele Medienbeiträge, zeigt dieser Artikel erneut nur die eine Seite der
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    im Feuer stehen – aber nirgendwo steht geschrieben, welches gesamtes haftendes
    Eigenkapital der betroffenen Banken dem gegenübersteht!

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