Wegen Dexia: Frankreichs Kommunen fehlen drei Milliarden Euro

Die wirklichen Opfer des Dexia-Desasters sind nicht die Manager, die das Unternehmen an die Wand gefahren haben: Es trifft 36.000 französische Kommunen, die nun vom Staat aufgefangen werden müssen. Wie lange sie noch Schulen und Kindergärten bauen können – ungewiss.

Am Ende der Nahrungskette im Geschäft mit den Banken stehen Frankreichs rund 36.000 Kommunen. Wenn sie Geld brauchen, dürfen sie zwar bei Banken leihen – aber diese Summen sind nicht vom Staat garantiert.

Außerdem dürfen die Kommunen ihre Sicherheiten nicht bei diesen Banken hinterlegen, sondern müssen sie der Französischen Nationalbank zur Verfügung stellen. Alles in allem also ein unattraktives Geschäft für die Banken – und eines, was seit Beginn der Finanzkrise 2007 maßgeblich zu einem Kreditengpass für Frankreichs Kommunen beigetragen hat.

Die Hauptfigur in diesem Geschäft war bis dato die französisch-belgische Dexia-Bank. Jedes Jahr leihen sich die französischen Kommunen rund 20 Milliarden Euro. An langfristigen Krediten hält die Dexia über 80 Milliarden Euro. Als erstes Opfer der Euro-Krise wurde die Dexia nun am Wochenende zum Teil zerschlagen und zum Teil verstaatlicht. Den Bereich Kommunenfinanzierung soll nun die Caisse des Dépôts et Consignations (CDC) – liebevoll auch als der „bewaffneter Arm“ der französischen Staatsbank bekannt – in Kooperation mit der Postbank Banque Postale übernehmen.

Kommunen ohne Kredite für Investitionen und Infrastrukturprojekte stellen der Zentralregierung normalerweise keine guten Zeugnisse aus. Verständlich also die Sorge von Frankreichs Präsident Sarkozy – der gerne im nächste Jahr im Amt bestätigt werden möchte – seinem Image auch in den entfernten Winkeln des Landes das nötige Strahlen zu verschaffen: Die 3 Milliarden Euro, die die Dexia den Kommunen in diesem Jahr weniger hat leihen können, als vor der Krise, sollen nun bis Ende des Jahres von der CDC kommen. Das ließ Sarkozy seinen Premierminister François Fillon noch vor dem Wochenende verkünden.

Welche Anteile die CDC und die Banque Postale jeweils am Alt- und Neugeschäft übernehmen sollen, muss noch verhandelt werden. Streitpunkte sind faule Kredite und die fehlenden staatlichen Garantien dafür.

Derweil sind die Kommunen in Belgien sogar doppelt vom Untergang der Dexia betroffen: Zum einen haben auch sie ihre Kredite von der Dexia erhalten. Zum anderen sind viele gleichzeitig indirekte Anteilseigner und waren von der Dexia als Einnahmequelle abhängig.

Der belgische Premierminister Yves Leterme hat heute angekündigt, den belgischen Arm der Dexia für vier Milliarden Euro zu verstaatlichen. Außerdem würden Belgien, Frankreich und Luxemburg als Garant für 90 Milliarden Euro in Risikopapieren auftreten, die in eine Bad Bank ausgelagert werden sollen. Für die Dexia in Luxemburg und die türkische Tochter Denizbank werden noch Investoren gesucht.

Derweil beobachtet die Finanzbranche die Abwicklung der Dexia mit größter Spannung. Als erste Bank und eine der 25 größten in der Euro-Zone geht sie dank ihres übereifrigen Engagements in Griechenland pleite. Nun dient sie als erstes praktisches Beispiel dafür, ob die europäische Staatengemeinschaft es schaffen wird, ihre Banken vor den Folgen einer griechischen Insolvenz zu schützen oder nicht.

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Kommentare

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  1. Lotus sagt:

    Seit wann haften Manager? So ein Blödsinn. Wann müssen endlich die Vorstandschefs und deren Manager mit ihren Gehältern haften? Des weiteren sollten Boni wegfallen bis die Summen zurückgezahlt wurden. Wann kommt da mal was von der EU?

  2. Lotus sagt:

    Seit wann haften Manager? So ein Blödsinn. Wann müssen endlich die Vorstandschefs und deren Manager mit ihren Gehältern haften? Des weiteren sollten Boni wegfallen bis die Summen zurückgezahlt wurden. Wann kommt da mal was von der EU?

  3. Lotus sagt:

    Seit wann haften Manager? So ein Blödsinn. Wann müssen endlich die Vorstandschefs und deren Manager mit ihren Gehältern haften? Des weiteren sollten Boni wegfallen bis die Summen zurückgezahlt wurden. Wann kommt da mal was von der EU?

  4. Lotus sagt:

    Seit wann haften Manager? So ein Blödsinn. Wann müssen endlich die Vorstandschefs und deren Manager mit ihren Gehältern haften? Des weiteren sollten Boni wegfallen bis die Summen zurückgezahlt wurden. Wann kommt da mal was von der EU?