Wie tief sind die Taschen der Schweizer Nationalbank?

Verwirrung um die Euro-Ankäufe der Schweizer Nationalbank. Noch vergangene Woche erweckte die SNB den Anschein, es wäre ihr gelungen, den Schweizer Franken mit minimalem Aufwand auf niedrigen Kurs zu halten. An dieser Darstellung werden nun Zweifel laut.

Am 6. Oktober veröffentlichte die Schweizer Nationalbank (SNB) Daten, die Auskunft über ihre Devisenanlagen im September geben sollten. Ein Anstieg von 29 Mrd. auf 282 Mrd. Schweizer Franken war zu erkennen. Zudem konnte sich auch der Schweizer Franken nach seiner Koppelung an den Euro Anfang September nun vergangene Woche sogar bei 1,24 Franken je Euro halten, doch die SNB betonte, dass der veröffentlichte Fremdwährungsbestand keine Schlüsse über eine mögliche Intervention der Zentralbank ziehen lasse.

Die Neue Zürcher Zeitung und das Wall Street Journal hegen jedoch Zweifel an den scheinbar nicht vorhandenen Aktionen der SNB. Als die Schweizer National Bank am 6. September den Franken an den Euro koppelte, rechneten, so das Wall Street Journal, Analysten aus, was es die Zentralbank kosten würde, wenn sich die Situation in der Krisen gebeutelten Eurozone verschlechterte. Eine Billion Dollar war das Ergebnis. Aber die veröffentlichten Daten der SNB für September zeigen lediglich einen kleinen Anstieg von 29 Mrd. Franken, die vermutlich nur Bewertungsänderungen und den Abschluss von Devisenswaps zurückzuführen sind.

Es sei also durchaus denkbar, dass die SNB Franken in erheblichem Ausmaß verkaufen musste, um den Kurs bei  rund 1,20 Franken zu halten. Das Wall Street Journal verweist sogar auf Quellen, die berichten, dass die SNB oft große Bestellungen für den Ankauf von Euro platziert, wenn er ein bestimmtes Level erreicht. Die Händler hätten das Spiel jedoch durchschaut und fielen darauf nicht mehr herein. So bleibt im Markt die SNB allein auf weiter Flur, um Franken zu kaufen. Und um diese Bestellungen auf dem Papier verschwinden zu lassen, bräuchte es wirklich tiefe Taschen.

Der Finanzblog Zerohedge hatte schon vor einigen Tagen Verdacht geschöpft: Ein Analyst vermutet, dass die SNB im Hintergrund unter anderem mit Put-Optionen arbeitet, um einen Teil ihrer Verluste wettzumachen – ein riskantes Spiel, wenn der Euro weiter fällt. Die Prognose des Analysten: Die Bilanz der SNB werde „explodieren“, ebenso die Geldmenge des Schweizer Franken. Die ganze Operation könnte die Schweizer Steuerzahler am Ende Milliarden kosten. Schon in den vergangenen 18 Monaten hätten die Schweizer 29 Milliarden Euro verloren – etwa 6% des Schweizer BIP.

Wenn die SNB am 21. Oktober ihre Enddaten für September über die Zusammensetzungen ihrer Bilanzaufstellung veröffentlicht, könnte es möglich sein, in Erfahrung zu bringen, welche Schritte die SNB neben Worten der Beruhigung wirkliche eingeleitet hat. Falls auch am 21. Oktober nichts Näheres veröffentlicht wird, könnten, so die Neue Zürcher Zeitung, die am 31. Oktober präsentierten Quartalsergebnisse oder das Jahresmediengespräch am 15. Dezember über effektive Devisenkäufe Aufschluss geben. Wann und ob es irgendwann tatsächlich so weit sein wird, dass die SNB ihre Maßnahmen schwarz auf weiß darlegt, kann niemand genau sagen. Gespannt ist man aber in jedem Fall.

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Kommentare

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  1. FDominicus sagt:

    Scheint mir duchaus realistisch zu sein. Ich bin immer noch der Meinung die Schweizer hätten den starken Franken nutzen können um im europäischen Ausland groß einkaufen zu gehen. (Wenn es sich denn für sie rechnete). Dieser Ausweg steht Ihnen ja nach der SNB prinzipiell nicht einfach offen. Klar ist auch CHF drucken ist für die SNB kein Problem. Nur wenn Sie sich eben mit Euros voll saugen und dann doch irgendwann wertberichtigen müssen, dann dürfte es mit der guten Situation der Schweizer vorbei sein. Das die SNB sich daraf einlässt zeigt eigentlich wie abhängig die Zentralbanken im Endeffekt wirklich sind…

  2. FDominicus sagt:

    Scheint mir duchaus realistisch zu sein. Ich bin immer noch der Meinung die Schweizer hätten den starken Franken nutzen können um im europäischen Ausland groß einkaufen zu gehen. (Wenn es sich denn für sie rechnete). Dieser Ausweg steht Ihnen ja nach der SNB prinzipiell nicht einfach offen. Klar ist auch CHF drucken ist für die SNB kein Problem. Nur wenn Sie sich eben mit Euros voll saugen und dann doch irgendwann wertberichtigen müssen, dann dürfte es mit der guten Situation der Schweizer vorbei sein. Das die SNB sich daraf einlässt zeigt eigentlich wie abhängig die Zentralbanken im Endeffekt wirklich sind…

  3. FDominicus sagt:

    Scheint mir duchaus realistisch zu sein. Ich bin immer noch der Meinung die Schweizer hätten den starken Franken nutzen können um im europäischen Ausland groß einkaufen zu gehen. (Wenn es sich denn für sie rechnete). Dieser Ausweg steht Ihnen ja nach der SNB prinzipiell nicht einfach offen. Klar ist auch CHF drucken ist für die SNB kein Problem. Nur wenn Sie sich eben mit Euros voll saugen und dann doch irgendwann wertberichtigen müssen, dann dürfte es mit der guten Situation der Schweizer vorbei sein. Das die SNB sich daraf einlässt zeigt eigentlich wie abhängig die Zentralbanken im Endeffekt wirklich sind…

  4. FDominicus sagt:

    Scheint mir duchaus realistisch zu sein. Ich bin immer noch der Meinung die Schweizer hätten den starken Franken nutzen können um im europäischen Ausland groß einkaufen zu gehen. (Wenn es sich denn für sie rechnete). Dieser Ausweg steht Ihnen ja nach der SNB prinzipiell nicht einfach offen. Klar ist auch CHF drucken ist für die SNB kein Problem. Nur wenn Sie sich eben mit Euros voll saugen und dann doch irgendwann wertberichtigen müssen, dann dürfte es mit der guten Situation der Schweizer vorbei sein. Das die SNB sich daraf einlässt zeigt eigentlich wie abhängig die Zentralbanken im Endeffekt wirklich sind…

  5. oberlehrer sagt:

    …auf weiter Flur, um Franken zu kaufen.

    muss richtig heissen:

    auf weiter Flur, um Franken zu verkaufen.

    Die SNB möchte den Frankenkurs schwächen,
    um dem gestiegenen Kaufinteresse des Marktes zu begegnen.

    Das Spiel läuft schon mal länger als bei dem Angriff auf das GB Pfund,
    also günstig ist das bestimmt nicht zu machen.

    MfG

  6. oberlehrer sagt:

    …auf weiter Flur, um Franken zu kaufen.

    muss richtig heissen:

    auf weiter Flur, um Franken zu verkaufen.

    Die SNB möchte den Frankenkurs schwächen,
    um dem gestiegenen Kaufinteresse des Marktes zu begegnen.

    Das Spiel läuft schon mal länger als bei dem Angriff auf das GB Pfund,
    also günstig ist das bestimmt nicht zu machen.

    MfG

  7. oberlehrer sagt:

    …auf weiter Flur, um Franken zu kaufen.

    muss richtig heissen:

    auf weiter Flur, um Franken zu verkaufen.

    Die SNB möchte den Frankenkurs schwächen,
    um dem gestiegenen Kaufinteresse des Marktes zu begegnen.

    Das Spiel läuft schon mal länger als bei dem Angriff auf das GB Pfund,
    also günstig ist das bestimmt nicht zu machen.

    MfG

  8. oberlehrer sagt:

    …auf weiter Flur, um Franken zu kaufen.

    muss richtig heissen:

    auf weiter Flur, um Franken zu verkaufen.

    Die SNB möchte den Frankenkurs schwächen,
    um dem gestiegenen Kaufinteresse des Marktes zu begegnen.

    Das Spiel läuft schon mal länger als bei dem Angriff auf das GB Pfund,
    also günstig ist das bestimmt nicht zu machen.

    MfG