Das CDS-Konzept: Banker bekommt Bonus, Bank verliert Bonität

Keine andere Bank hat ihre Schrottpapiere so ungeschickt versteckt wie die Erste Group aus Österreich. Bei genauem Hinsehen erkennt man jedoch: Es gibt noch andere Möglichkeiten, wie man die Boni der Banker sichert - und gleichzeitig die Kreditwürdigkeit der Bank verschlechtert.

Goldman Sachs hat die größten Banken Europas nach ihrer Handhabung von Kreditausfallversicherungen (CDS) befragt. Zwar hat der großen europäischen Banken ihre Schrottpapiere so ungeschickt in den Bilanzen versteckt wie die österreichische Erste Group. Alle Institute würden formal die CDS in ihren Büchern den Märkten offenlegen. Goldmann Sachs hatte versucht, die 50 größten Banken in Europa zu befragen und hat nach eigener Auskunft 36 erreicht – von der Commerzbank und Deutschen Bank über die Piräus Bank und Santander zu Credit Suisse. Alle 36 haben laut Goldman Sachs den tatsächlichen aktuellen Marktwert ihrer Credit Default Swaps (CDS) angegeben.

Das ist allerdings noch kein ausreichender Beitrag zur Transparenz: Wichtig für die Banken ist es nämlich nur, den formalen Anforderungen der Wirtschaftsprüfer zu entsprechen. Diese prüfen im Grunde nur, ob es es für jede Position in den Aktiva eine Gegenposition in den Passiva gebe. Was sich hinter den einzelnen Positionen versteckt, können die Wirtschaftsprüfer materiell meist gar nicht feststellen. Denn gerade die Big Four, die die Banken als Oligopol prüfen, haben das Instrument der Wirtschaftsprüfung stark schematisiert. Im Grunde arbeiten Universitätsabgänger anhand von Checklisten bestimmte Punkte ab, ohne das Geschäft auch nur im Ansatz zu verstehen.

Nach einer Analyse der Financial Times gibt es daher noch zahlreiche andere Möglichkeiten, die wahren Wertverluste zu verstecken. So können durch komplizierte Bilanzierungstricks Schrottpapiere „reklassifiziert“ werden, wodurch die Werthaltigkeit verschleiert wird. Ebenso können verschiedene Schrottpapiere aus der Gewinn- und Verlustrechnung genommen und unter Eigenkapital verbucht werden. Diese Praxis führt dann dazu, dass Banken Rekordgewinne und die Banker Rekordboni einstreifen – während die Bank gleichzeitig unaufhaltsam ihre Bonität verliert.

Wichtig für all die Tricks ist nur: Solange am Ende Aktive und Passiva ausgeglichen sind, merken die Wirtschaftsprüfer nichts – und bei den Politikern kommt das Thema erst auf den Tisch, wenn die Banken wieder frisches Kapital benötigen.

Dass Goldman Sachs ein Interesse an der Reinwaschung der Banken hat, erstaunt nicht: Die Investmentbank zählt zu den insgesamt 16 Banken und Investmenthäusern, gegen die die EU zurzeit wegen illegaler Preisabsprachen in Sachen CDS ermittelt. CDS waren unter anderem in die Kritik auch der EU- Kommission geraten, weil damit gegen Griechenland gewettet wurde.

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Kommentare

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  1. Christian Pregler sagt:

    Italien. Berlusconi. Faschisten. – Das Römische Reich war ein Kastensystem monetärer Art. Wer unverschämt reich war, gehörte zum Senat, wer unverschämt arm war, zum Pöbel. Das Establishment sah im Pöbel eine niedere Kreatur, geboren worden, um versklavt zu werden. Sich selber erhob der Senat in den Götterstand. Der Kaiser, pontifex maximus, war religiöses Oberhaupt. Und seine Glorie übertrug sich auf den Apparat.
    Wer den Kaiserkult ablehnte, galt als Staatsfeind.

    Varus war Statthalter Roms. Man sagte, als armer Mann ging er nach Syrien, als reicher kehrte er zurück.

    Varus war ein gefährlicher Mann. Und solche Männer brauchte Rom. Männer, die Legionen führen können und Beute machen. Reichtum. Politik, Raubzug, Sklaverei, Gericht – der Statthalter war alles in einem, skrupellos mit einer Armee und göttlichem Machtanspruch von Kaisers Gnaden.

    Rom ist das Urbild des Faschismus und das Vorbild aller Faschisten. Mussolini tröumte von Roms Wiedergeburt. Und Hitler neidete ihm die Geschichte; Wagner Ja, den Operettenhelden, aber germanische Sümpfe und undurchdringlichen Wälder Nein.
    Das ergibt sich aus seiner Beziehung zu Mussolini. Denn Rom bedeutet imperialer Großstaat über die Grenzen Europas und das Mittelmeer hinaus. Und da ist nur für eine Gesellschaftstheorie Platz: Julius Cäsar oder die Germanen.

    Die germanischen Stämme waren keine Eingeborenen. Schon 105 v.Chr. vernichteten vorrückende Germanenstämme bei Arausio (Frankreich) eine ganze römische Armee. Dem römischen Staat drohte der Zusammenbruch.
    Die Niederlage darf man als Nachfahre genießen, und man ist politisch korrekt. P wie Pech, so waren die Germanen Antifaschisten. Und wenn Cäsar sie Barbaren nannte, war das berechtigt. Immer machten sie die rämischen Armeen kapuut. Cäsar hat sie gefürchtet, die wilden, bärtigen Krieger mit der unbezwingbaren Moral. Sie ließen sich nicht locken mit Geld.

    Das römische Reich liegt so nahe. Die italienische Vorkriegsgesellschaft (WK1) wollte es wieder aufbauen, mit Macht und Herrlichkeit, und schließlich stehen die Mauerwerke heute noch als wahre Trutzburgen wider die Zeit.

    Warum war Westerwelle überzeugt, daß Brüssel von „spätrömischer Dekadenz“ befallen sei?
    Mit Rom wird alle Geschichte rund! Und man befindet sich in Sicherheit!

    Schließlich war der Ting eine demokratische Veranstaltung, wo Hohe und Niedrige dasselbe Recht bekamen zu sprechen. Wer überzeugen konnte, dessen Plan wurde durchgeführt. War er auch ein Bettelmann.

    (jetzt kommt wieder meine barbarische Natur durch)

    • Karl-Heinz sagt:

      Zitat: „Schließlich war der Ting eine demokratische Veranstaltung, wo Hohe und Niedrige dasselbe Recht bekamen zu sprechen. Wer überzeugen konnte, dessen Plan wurde durchgeführt. War er auch ein Bettelmann.“

      Ihnen ist aber schon klar, dass so ein System nur regional funktioniert?
      Oder wie stellen Sie sich einen gesamtdeutschen Ting-Platz vor?

      Auch hier wird man Abgeordnete brauchen um ein Staatswesen zu führen.
      Um den Mißbrauch zu verhindern braucht man, eine völkerrechtlich einwandfreie Verfaßtheit, eine glasklare Rechtslage, eine wirklich unabhängige Justiz und direkte Strafverfolgung statt Abgeordneten-Immunität.

      Der Schlüssel zu allen Problemen ist das Recht.

  2. Karl-Heinz sagt:

    Diesmal ersuche ich Sie ganz höflich zu überdenken, ob es Sinn macht, sich vor einen fremden Karren spannen zu lassen?

    Wie Attac-Heiner Geißler schon die S21 Schlichtung unterlaufen hat, konnten Sie beobachten. Er hat den Wutbürgern S21-plus verkauft, statt der geforderten Einstellung der Bauarbeiten. Schnäpple gemacht denkt sich da der Schwabe 😉

    Alle Massenmobilisierungen, die jetzt organisiert werden, sind genauso manipuliert, wie der arabische Frühling und sämtliche Blumen- u. Farbenrevolutionen, in der jüngeren Vergangenheit.

    Gerade Deutschland kann sich keine Rattenfänger mehr leisten.

    Es ist noch nie ein Retter aus solchen Bewegungen hervorgegangen und das wird es auch diesmal nicht.

    Wer immer noch Führung, außerhalb der Eigenverantwortung sucht, wird in den gleichen Verhältnissen enden, denen er entfliehen wollte.

    • bauagent sagt:

      Alle Achtung ! Ich muss konstatieren, dass ich mich darüber freue, neben dem ganzen Unsinn der furchtbar oft kommentiert wird, einen scharfsinnig argumentierenden Zeitgenossen zu lesen. Man kann Ihren beiden Beiträgen nichts hinzufügen.

    • Petra sagt:

      @Karl-Heinz
      ich kann Ihnen versichern ich lasse mich nicht vor irgend einen Karren spannen.
      Und ich hoffe wie Sie, dass immer mehr Menschen sich dieser Wichtigkeit bewußt sind.

      Ich stimme Ihnen auch uneingeschränkt zu:
      „Gerade Deutschland kann sich keine Rattenfänger mehr leisten.“
      Denn es ist mal wieder die zeit der Rattenfänger, und jeder sollte immer genau hinhören, hinsehen und dann für sich selbst entscheiden um nicht aus Naivität und Gutglauben in die Falle zu tappen.

      Ich bin und fühle mich als ein Teil der vollends Empörten; und ich sehe es aus unendlich vielen Gründen als meine ethische Pflicht an, mich diesem elenden Treiben der 1% entgegen zu stellen.

      Dieses Mädchen hielt diese Rede 1992, was ist seit dem geschehen?
      The girl who silenced the world for 5 minutes
      http://www.youtube.com/watch?v=TQmz6Rbpnu0&feature=related
      Ich bin ganz sicher, dass Sie am Samstag auch auf die Strasse geht.
      Wie sehr viele andere Menschen weltweit auch.

      Zu Attac:
      Attac sagt ausdrücklich, sie sind kein Teil der Empörten, doch wahrscheinlich sehr viele ihrer Miglieder.
      Attac folgt nur solidarisch dem weltweiten Aufruf, wie viele andere Organisationen auch – da ist das Spektrum sehr breit.

      Den Link von attac hatte ich nur eingestellt, weil er mir von den mittlerweile unendlichen vielen Seiten im Netz am übersichtllchten erschien.

      Und ach ja der Geißler und Konsortium *schulterzuck* solln sie das erstmal versuchen

  3. Petra sagt:

    Es wird Zeit, dass den 1% Verelender der Welt etwas entgegen zusetzen

    Beteiligt Euch, ob jung ob alt, am 15.Oktober am weltenweiten Aktionstag der Empörten!

    Auch in Deutschland finden in vielen Städten Aktionen statt.
    Ein Überblick gibt es mit dem aktuellen Mobilisierungsvideo derzeit bei
    http://www.attac.de/aktuell/eurokrise/europaweiter-aktionstag/dezentrale-aktionen/?L=2

    oder bei

    http://titanpad.com/15odeutschland

    @Redaktion
    falls diese Ankündigung hier im Kommentar nicht gestattet ist, dann bitte einfach nicht freischalten

  4. Tommy Rasmussen sagt:

    Kommentar auf mmnews

    # 243 RGreiler..,. 13. Oktober 2011 – Es gibt einen Plan den Euro zu zerschlagen, System RESET zu machen und goldgedecktes Privatgeld einzuführen und so eine heimliche unsichtbare Gelddiktatur mit dem Swift Überweisungsspinnennetz aufzubauen.
    http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/8669-geldsystem-als-matrix-fuer-schuldsklaverei-

    Könnte stimmen, weil:

    31.01.2010 – Hoch genug umgewertet könnte Gold alle staatlichen Schulden decken und die Welt wieder von vorne anfangen lassen, und mit Gold-Standard würde Rothschild die totale Kontrolle über eine Weltwährung haben.
    http://euro-med.dk:80/?p=13477

  5. Karl-Heinz sagt:

    Zitat: „Im Grunde arbeiten Universitätsabgänger anhand von Checklisten bestimmte Punkte ab, ohne das Geschäft auch nur im Ansatz zu verstehen.“

    Bei Militär, Geheimdiensten, Regierungen, Hochfinanz, aber auch in der universitären Ausbildung nennt man das “ need to know Prinzip“.

    Alle Beteiligten wissen nur so viel, dass das System rund läuft, aber nur so wenig, dass sie es nicht gefährden können.

    Die „Harmonisierung“ des europäischen Bildungssystems bedient genau dieses Prinzip.
    Mit den Bachelor- u. Masterstudiengängen werden Schmalspurstudiengänge installiert, die mit Wissenschaft nichts mehr zu tun haben, sondern mit dem Pauken von Paradigmen.
    So werden Herrscharen von halbgebildeten, unkritischen Systemsoldaten erzeugt, die nicht einmal einen umfassenden Einblick in ihr Fachgebiet haben.

    Erkläre so einem Menschen, dass er jetzt zur Elite gehört, so wird er das System kritiklos verteidigen.

    Viele Grüße aus Pisa – es sind jetzt alle gleich blöd.