Ackermann: Griechen-Schulden als Faustpfand gegen Banken-Regulierung

Der Angriff von Josef Ackermann gegen die Politik ist pure Verhandlungstaktik: In Paris und Brüssel verhandelt der internationale Bankenverband über ein Nachgeben der Banken im Griechenland-Haircut. Die Banken sehen Griechenland als Faustpfand, um einmal mehr einer staatlichen Regulierung zu entkommen.

Großes Staunen bei einigen deutschen Politikern, die sich zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigen: Josef Ackermann hat gesagt, dass es keine Bankenkrise gebe, sondern nur einen Schuldenkrise der Staaten. Dieser Vorwurf ist so alt wie die Krise selbst (zum Beispiel hier dokumentiert).

Diese Keule wird jetzt jedoch wieder hervorgeholt, um beim großen Griechenland-Poker möglichst wenig zahlen zu müssen. Denn seit Wochen verhandelt der Internationale Bankenverband (Institute of International Finance, IIF; Präsident: Josef Ackermann) mit der EU über die Höhe des Schuldenschnitts. Die Verhandlungen sind zäh (mehr dazu hier). Die Banken wollen nicht mehr als 21% abschreiben. Die EU verlangt 50% oder mehr.

Deshalb sitzen in Paris die Cheftheoretiker der EU zusammen und überlegen, wie man das überschuldete Europa neu erfinden könnte. Die Vorschläge sind, wie meist bei der EU, kompliziert und detailreich. Allerdings stossen die Brüsseler Beamten bei der Griechenland-Rettung auf ein Problem, dass sie nicht kennen, wenn sie die Krümmung der Gurken oder die Färbung von Tomaten regeln: Sie müssen mit der internationalen Hochfinanz zu einem Ergebnis kommen. Und es gibt viele Spieler, die Geld zu verlieren haben – was den Gesprächen eine unangenehm praktische Dimension verleiht.

Die Banken sagen: Es gibt gar keine Notwendigkeit, über die im Juli vereinbarten 21% hinauszugehen. Denn die Troika habe ja erklärt, dass in Griechenland alles wieder prima läuft. Wozu also auf mehr verzichten? Vertrag sei Vertrag, und wenn ein Vertrag platzt, müssen eben die Gerichte entscheiden. (Ausnahme: Der Gesellschaftsvertrag zwischen Bürgern und Staaten, der derzeit massiv gebrochen wird – mehr dazu hier).

Die EU-Techniker versuchen nun verzweifelt, jemanden zu finden, der zahlt, wenn die Banken sich weigern. Aber alle winken ab: Der Internationale Währungsfonds denkt gar nicht daran (mehr hier), und auch die Europäische Zentralbank sympathisiert mit den Banken – sie will nicht zum direkten Ausführungsorgan der Politik werden. Der EZB spielt in die Karten, dass es keine einheitliche Linie in der europäischen Politik gibt. Jedes Land will etwas anderes und einige haben sich schon geschickt positioniert (zum Beispiel Irland, mehr hier). So hofft die EZB, sich nach dem Prinzip „divide et impera“ aus der Affäre ziehen zu können.

Daher setzen die Entwickler des Masterplans von Merkel und Sarkozy nun auf ein Pferd, das noch gar nicht laufen kann: Den erweiterten Rettungsschirm EFSF. Der soll nun komplexe neue Produkte ausgeben können, die dann als Sicherheiten für die europäischen Schrottpapiere dienen. Irgendwie hofft man in Brüssel, vielleicht wieder ein solch elegantes „Packaging“ zusammenzubekommen wie wir es schon einmal hatten – bei den legendären Subprime-Krediten, die der Welt im Jahr 2008 um die Ohren geflogen sind.

Die Banken wiederum sehen die Griechenland-Schrottpapiere als Faustpfand, mit dem sie nun die Politiker knallhart erpressen: Sie wollen sich jede weitere Abschreibung teuer bezahlen lassen. Der höchstmögliche Preis: Der uneingeschränkte Erhalt jenes Systems, gegen das nun sogar schon die Bürger rebellieren (Occupy Wall Street, mehr hier).

Es gibt keinen ernstzunehmenden Beobachter, der nicht sagt, der Schuldenschnitt für Griechenland müsse eher bei 50%-70% liegen als bei 21%. Das wissen natürlich auch die Banken. Weil aber die Zustimmung des IIF zur schleichenden Griechenland-Pleite – genau das erleben wir nämlich gerade! – zwingend vorgeschrieben ist, nutzen die Banken die Gunst der Stunde: Bankenrekapitalisierung nach unseren Regeln, dann bekommt ihr die paar Milliarden, die ohnehin schon längst verloren sind.

Die Banken vertreten in diesem Poker streng die Interessen ihrer Shareholder. Die Politiker auf der anderen Seite des Tisches dagegen wissen schon lange nicht mehr, wer ihre Shareholder sind. Daher ist auch klar, wer, wenn sich der Rauch verzogen hat, als Sieger dieses Pokers aus dem Saloon wanken wird.

Mehr zum Thema:
Griechenland trifft Vorbereitungen für Banken-Run

Kommentare

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  1. andere Meinung sagt:

    stimmt eigentlich die Geschichte, dass ein Ackermann 1998 in Davos auf dem Weltwirtschaftsforum in Richtung Politiker sagte „jetzt haben sie sich unter das Diktat der Finanzmärkte gelegt“ und diese Schafe hätten ihm auch noch dazu applaudiert??

    irgendwo kursierte das mal.

  2. andere Meinung sagt:

    stimmt eigentlich die Geschichte, dass ein Ackermann 1998 in Davos auf dem Weltwirtschaftsforum in Richtung Politiker sagte „jetzt haben sie sich unter das Diktat der Finanzmärkte gelegt“ und diese Schafe hätten ihm auch noch dazu applaudiert??

    irgendwo kursierte das mal.

  3. andere Meinung sagt:

    stimmt eigentlich die Geschichte, dass ein Ackermann 1998 in Davos auf dem Weltwirtschaftsforum in Richtung Politiker sagte „jetzt haben sie sich unter das Diktat der Finanzmärkte gelegt“ und diese Schafe hätten ihm auch noch dazu applaudiert??

    irgendwo kursierte das mal.

  4. andere Meinung sagt:

    stimmt eigentlich die Geschichte, dass ein Ackermann 1998 in Davos auf dem Weltwirtschaftsforum in Richtung Politiker sagte „jetzt haben sie sich unter das Diktat der Finanzmärkte gelegt“ und diese Schafe hätten ihm auch noch dazu applaudiert??

    irgendwo kursierte das mal.

  5. Karl-Heinz sagt:

    @ Redakteur: Flockig geschrieben – erspür ich da Zynismus? Weiter so!

    Ein wirklicher Geniestreich –
    Banken sollen Staaten retten und Staaten sollen Banken retten.

    Zwei Ertrinkende verhandeln, auf hoher See, über die gegenseitige Rettung.
    Das muß der große Wurf sein, den Merkel und Sarkozy angekündigt haben 😉

  6. Karl-Heinz sagt:

    @ Redakteur: Flockig geschrieben – erspür ich da Zynismus? Weiter so!

    Ein wirklicher Geniestreich –
    Banken sollen Staaten retten und Staaten sollen Banken retten.

    Zwei Ertrinkende verhandeln, auf hoher See, über die gegenseitige Rettung.
    Das muß der große Wurf sein, den Merkel und Sarkozy angekündigt haben 😉

  7. Karl-Heinz sagt:

    @ Redakteur: Flockig geschrieben – erspür ich da Zynismus? Weiter so!

    Ein wirklicher Geniestreich –
    Banken sollen Staaten retten und Staaten sollen Banken retten.

    Zwei Ertrinkende verhandeln, auf hoher See, über die gegenseitige Rettung.
    Das muß der große Wurf sein, den Merkel und Sarkozy angekündigt haben 😉

  8. Karl-Heinz sagt:

    @ Redakteur: Flockig geschrieben – erspür ich da Zynismus? Weiter so!

    Ein wirklicher Geniestreich –
    Banken sollen Staaten retten und Staaten sollen Banken retten.

    Zwei Ertrinkende verhandeln, auf hoher See, über die gegenseitige Rettung.
    Das muß der große Wurf sein, den Merkel und Sarkozy angekündigt haben 😉

  9. schlaumeister sagt:

    die Staaten haben sich völlig in die Abhängigkeit der Banken begeben, und zappeln
    jetzt auf der Marionettenbühne hin und her. Da wäre es besser gewesen, sie würden
    sich ihr Geld gleich selber drucken, das machen sie über die Zentralbanklen jetzt auch
    zusätzlich. Wenn man die Banken nicht pleite gehen läßt, wird man zu deren Spiel-
    ball.

  10. schlaumeister sagt:

    die Staaten haben sich völlig in die Abhängigkeit der Banken begeben, und zappeln
    jetzt auf der Marionettenbühne hin und her. Da wäre es besser gewesen, sie würden
    sich ihr Geld gleich selber drucken, das machen sie über die Zentralbanklen jetzt auch
    zusätzlich. Wenn man die Banken nicht pleite gehen läßt, wird man zu deren Spiel-
    ball.