Merkel und Sarkozy verkünden ungeordnete Insolvenz Griechenlands

In einer gemeinsame Erklärungen haben Angela Merkel und Nicolas Sarkozy am Donnerstagabend einen Katze aus dem Sack gelassen: Griechenland ist pleite und kann seine Schulden nicht mehr bedienen. Die beiden Regierungschefs „bitten“ die Banken um Verhandlungen über einen neuen Schuldenschnitt.

Es ist eine dürre Erklärung, die Merkel und Sarkozy am Donnerstagabend veröffentlicht habe, aber sie gleicht einer Kapitulationserklärung: Auch wenn sie es nicht so nennen, verkünden beiden Regierungschefs im Kern die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands. Wie sich vor dieser Erkenntnis ein EU-Gipfel sinnvoll abhalten lassen soll ist unklar.

Sie schreiben wörtlich: „Hinsichtlich einer dauerhaften Lösung für die Lage in Griechenland muss die griechische Regierung ehrgeizige Engagements eingehen, um ihre Wirtschaft im Rahmen eines neuen Programms wieder gesunden zu lassen. Auf der Basis des Berichts der Troika und der Analyse der Schuldentragfähigkeit Griechenlands, bitten Deutschland und Frankreich, dass die Verhandlungen mit dem Privatsektor unmittelbar aufgenommen werden, um eine Vereinbarung zu finden, die diese Schuldentragfähigkeit verbessert.

Damit sagen Merkel und Sarkozy, dass das Agreement vom Juli hinfällig ist. Mit einer solchen Bitte wird der Deal wieder aufgeschnürt, der eigentlich einen 21% Schuldenschnitt als Beteiligung des privaten Sektors vorgesehen hatte. Sie räumen indirekt ein, dass die bisherigen Verhandlungen mit den Banken gescheitert sind. Schon im Vorfeld der Erklärung war klargeworden, dass Griechenland seine exorbitanten Schulden niemals wird zurückzahlen können. Deshalb blockiert auch der IWF die Auszahlung der nächsten Tranche. Damit ist klar: Auch mit dem schon beschlossenen Rettungspaket kommt Griechenland nicht auf die Beine.

Das Neue an der Erklärung sind weniger die Tatsachen – das wußte ja mittlerweile jeder, der auch nur gelegentlich einen Blick in eine Zeitung geworfen hat. Wirklich neu ist jedoch, dass die beiden Regierungschefs zugeben, mit ihrem Latein am Ende zu sein. Es wird daher auch keine umfassende Lösung auf einem EU-Gipfel geben – wann auch immer der stattfindet. Der EFSF wird in seiner derzeitigen Form auch nicht funktionieren. Wenn nämlich unklar ist, wieviel von den EU-Geldern nun zusätzlich für Griechenland benötigt werden, kann der EU-Gipfel im Grunde beschließen, was er will – am Ende wird es nicht reichen.

Fast wie eine wehmütige Reminiszenz an die schönen Wochen der Ankündigungen, dass alles gut werde, klingt daher auch ein Satz aus der Erklärung zu großen Wurf: „Die Bundeskanzlerin und der Staatspräsident sind sich vollkommen einig, eine umfassende und ehrgeizige Antwort auf die Krise zu geben, die die Eurozone im Moment durchlebt.“ Die Antwort ist allerdings auch hier schon mit der Ankündigung gegeben. Sie lautet: Leute – wir wissen nicht mehr weiter!

Weiters heisst es in der Erklärung: „Frankreich und Deutschland haben sich darauf verständigt, dass das gesamte umfassende und ehrgeizige Maßnahmenpaket auf dem Gipfel am Sonntag im Einzelnen geprüft wird, damit die Staats- und Regierungschefs es bei einem zweiten Treffen spätestens Mittwoch beschließen können.“

„Umfassend und ehrgeizig“ ist dabei allerdings lediglich der Versuch, der Öffentlichkeit einreden zu wollen, man habe noch irgendetwas im Griff. (die ganze Erklärung im Wortlaut hier)

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Kommentare

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  1. Sebastian sagt:

    Nanu, so schnell kommt die Bestätigung?

    „Vatican calls for global authority on economy, raps “idolatry of the market”

    Dies ist das Selbstverständnis des Vatikan, Leute, wacht auf, nehmt es zur Kenntnis.
    Da meint man nicht Ackermann oder sonstige Knallchargen.
    Da spricht man von der eigenen Ägide, der Rückkehr zur Herrschaft, wie man es in vergangenen Jahrhunderten so lange schon gehabt hat. Reibt euch die Augen, ja, aber so wird’s kommen, weil das Papsttum, obwohl der Antichrist, in der Sache vollkommen Recht hat.
    Sie geißeln zu Recht die Vergötzung der Märkte, aber sie selbst sind die religiösen Götzendiener. Und dort liegt das Haupt-Problem für die Menschheit.
    ———-
    In Griechenland ein Marshallplan. Deutschland kam nie durch diese Mätzchen auf die Beine, sondern durch die Leistungsbereitschaft, den Fleiß und den Genius (speziell des Ingenieurgenius) seiner Menschen, den die westliche Welt bekanntlich bis heute ausbeutet.
    Darum ist die Übertragung auf Griechenland wohl möglich, aber leider nicht mit den Griechen, sondern nur den Deutschen. Die Ökonomen sind allesamt ungebildete Hanseln, sonst wüßten sie, daß die Schaffenskraft allein in der Mentalität von Menschen liegt. Dort liegt die Power, nicht in den Banken!

  2. Anzugveraechter sagt:

    Die Lösung der Krise liegt seit 1 1/2 Jahren auf der Hand, doch Merkel sieht sie nicht,
    weil Sie die eigentlichen Mechanismen hinter der Krise nicht versteht. Griechenland ist nicht Pleite weil es so hohe Schulden hat, Griechenland ist Pleite weil es ausser Uozo, Oliven und Feta- Käse nichts herstellt, was in anderen Ländern gekauft wird. Was es braucht um die Schuldenkrise zu lösen sind nicht immer neue Rettungsschirme, sondern eine Rede der Kanzlerin vor dem griechischen Parlamanet und eine Art Maschall- Plan, mit massiven Investitionen in exportfähige Wirtschaftszweige.

  3. Sebastian sagt:

    @ Albert Albern: WER IST NOCH REICHER ALS DIE GANZE WELT???

    Wie, wissen Sie das etwa nicht? Dieser weiß gekleidete Typ mit seinen roten Schuhen in Rom. Der wird noch ganz groß rauskommen (Name und Herkunft beliebig).
    Und 6 Mia werden das großartig finden und dafür ihre Seelen verkaufen.
    Das wird die solution sein. Und US dürfen Weltmacht bleiben, weil sie tun, was PAPA sagt.
    Mark my words.

  4. Reinhard sagt:

    Klartext seit 15 Monaten wusten alle in den Chef -Etagen das Griechenland Pleite ist ! Sarkozy und seine 4 Groß-Banken davon 1 Opfern muß ! Merkel und Co. wissen das unsere Banken 60 bis 70 % verlieren Punkt aus Basta ! Macht die Tür zu sonst fällt Spanien ! und bei Italien gibt es nichts mehr darauf zu-sagen das ist das ENDE vom Traum EUROPA ! Amen . Die Frage darf Erlaubt-sein was für Dummköpfe und möchte gern EXperten waren in den letzten 4 Jahren in EUROPA am Werk und hatten das SAGEN ! Bringt SIE alle ins Gefängnis sonst kann es noch Tote in Griechenland geben !

  5. luther sagt:

    und dennoch werden weitere Milliarden ins bodenlose Faß geworfen. Das ist schlicht und einfach kriminell und die Täter müssen vor Gericht. Man nennt das Veruntreuung.

  6. Sarah sagt:

    … von wegen Insolvenz… die nächsten Milliarden sind auf dem Weg nach Griechenland…

    http://www.abendblatt.de/wirtschaft/article2067680/Rettung-in-letzter-Sekunde-Weitere-Milliarden-fuer-Griechenland.html