Geheimtipp unter Insidern: Wetten gegen Belgien

Hedge-Fonds kündigen einen attraktiven Anstieg des Geschäfts mit belgischen Bonds an. Belgien gilt unter Insidern als Top-Wackelkandidat, ist jedoch noch nicht so im allgemeinen Fokus wie Griechenland und Italien. Die Regulierungen gegen Leerverkäufe werden mit neuen Produkten elegant umschifft.

Die Risikogeschäfte der Finanzinstitute sind den Staatschefs der EU-Länder ein Dorn im Auge. Es gilt jedoch die alte Regel: Die Banken sind immer schneller als die Regulatoren (mehr hier). Besonders interessant ist zurzeit der direkte Leerverkauf von Staatsanleihen. Vor allem belgische Bonds werden als „nächster großer Handel“ in der Finanzwelt gepriesen, sagte ein Insider dem Economist. „Solange Hedge-Fonds Anlagemöglichkeiten für Leerverkäufe finden wollen, werden sie auch entsprechende Vertreter finden“, sagt Ben Funk von Liongate Capital Management. Und Belgien ist nicht zuletzt wegen der Dexia-Pleite ein interessante Kandidat, gegen den man mit guten Gewinnchancen wetten kann (das werden die französischen Kommunen anders sehen, denen durch die Pleite Milliarden fehlen – mehr hier).

In den vergangenen Monaten erfreuten sich zum Beispiel auch Finanztitel wie Bid-Ask-Spreads, die die Differenz zwischen Kaufpreis und Verkaufspreis eines Finanzinstrumentes beschreiben, großer Beliebtheit. Und unter den Währungen zählt der Euro zu den beliebtesten Kandidaten für Leerverkäufe.

Die Banken bieten für solche Wetten neue Produkte an. Sie wollen damit einen Ersatz-Markt für die seit August in Belgien, Frankreich, Italien und Spanien verbotenen Leerverkäufe von Finanztiteln schaffen. Diese Verbote laufen beispielsweise in Frankreich und Italien noch bis Mitte November und in Belgien und Spanien gelten sie auf unbestimmte Zeit. Waren zunächst gedeckte Leerverkäufe, bei denen sich Investoren Aktien leihen, um sie zu verkaufen, von dem Verbot betroffen, einigte sich die EU in dieser Woche auch darauf, ungedeckte Leerverkäufe zu untersagen. Hierbei besitzen die Verkäufer zum Zeitpunkt des Verkaufs die Aktien weder, noch haben sie sie geliehen.

Selbst der ungedeckte Einkauf von Credit Default Swaps (CDS) soll ab November 2012 nicht mehr erlaubt sein. Hier erwerben die Marktteilnehmer den CDS Schutz, ohne die diesem Mechanismus zugrundeliegende Anleihe zu halten. Da CDS der Absicherung von Kreditrisiken dient und eine wirksame Risikoverteilung auf unterschiedliche Institute und Märkte ermöglichen soll, können die ungedeckten Einkäufe von CDS marktverzerrend wirken (mehr über das CDS-Konzept und ihre Wirkung auf die Boni bei den Banken – hier)

Kritiker befürchten nun, dass Investoren ihre durch die Verbote eingeschränkten Papiere verschleudern werden. Zudem gibt es ein Ungleichgewicht auf dem Markt selbst, dass von Ausnahmefällen genährt wird. Investoren, die in Wechselbeziehungen mit dem Wert von Staatsschulden stehen, wird es noch immer erlaubt sein, ihre Beteiligungen durch den Kauf von CDS-Spreads für Staatsanleihen zu schützen.

So lange jedoch nicht klar ist, für wen genau diese Ausnahmen gelten werden, werden einige ihre Positionen wohl eher in Infrastrukturen oder Unternehmensanleihen umwandeln, als darauf zu warten, wer weiter CDS-Spreads kaufen darf. Darüber hinaus können sie neuen Regulierungen dazu führen, dass es für Verkäufer solcher Absicherungen schwieriger wird, sich selbst abzusichern. In diesem Fall sollen die nationalen Aufsichtsbehörden diese Regelung aufheben können, falls ihre Staatsanleihen darunter leiden.

Befürworter der Leerverkäufe sehen die Sache aus einem anderen Blickwinkel: Wetten sind auch Indikatoren über die Werthaltigkeit von Produkten. Sie dienen neben der Absicherung auch der Preisfindung in den Märkten.

Der größte Nachteil aus Sicht des Steuerzahlers: Er kann bei diesem Spiel nicht mitmachen. Die Banken verkaufen die neuen Produkte nur an professionelle Trader, und auch hier wieder nur an einen bestimmten Kreis. So bleibt dem Steuerzahler auch bei diesen innovativen Ansätzen am Ende nur das Privileg zu bezahlen, wenn ein Staat pleitegeht. Aus einer schlechten Vorhersage fließen die Gewinne ausschließlich jenen zu, die in guten und in schlechten Zeiten immer zu den Gewinnern zählen.

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Kommentare

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  1. Dr.Avalange sagt:

    Wenn man solche Horroszenarien zur kenntnis nimmt, dann habe ich für diejenigen Verständnis die radikale Lösungen befürworten. Nur werden diese radikalen Lösungen bei der heutigen globalen Krise im Gegensatz zu den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts nicht mehr nur die Äste von deutschen Straßenbäumen belasten, in die die Völker die Finanzkriminellen dann an ihren Anzugärmeln aufknüpfen werden.

  2. Dr.Avalange sagt:

    Wenn man solche Horroszenarien zur kenntnis nimmt, dann habe ich für diejenigen Verständnis die radikale Lösungen befürworten. Nur werden diese radikalen Lösungen bei der heutigen globalen Krise im Gegensatz zu den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts nicht mehr nur die Äste von deutschen Straßenbäumen belasten, in die die Völker die Finanzkriminellen dann an ihren Anzugärmeln aufknüpfen werden.