China fürchtet gewaltsame Unruhen in Geisterstädten

Weil China mit einem beispiellosen Bau-Boom die Wirtschaft aufheizte, mussten viele Chinesen aus ihren alten Wohnungen raus. Nun können sie sich keine neuen leisten. Soziologen befürchten gewaltsame Unruhen in den Geisterstädten. 64 Millionen leerstehende Wohnungen könnten zur gespenstischen Kulisse werden.

(27.11.2011) In China stehen geschätzte 64 Millionen Wohnungen leer. Trotz des gewaltigen Angebots sind diese Wohnungen für den größten Teil der Bevölkerung zu teuer. Immer noch werden alte Wohnviertel abgerissen, um dort Wohnblocks zu errichten. Die Bewohner der kleinen Häuser, die den Bauprojekten weichen müssen, können sich das Leben in den Neubauten nicht leisten. So entstehen regelrechte Geisterstädte. Die chinesische Führung will dennoch nichts an ihrer Baupolitik ändern.

Weil die Bauwirtschaft das Rückrat des chinesischen Wirtschaftswachstums ist, werden stetig neue, gigantische Vorhaben umgesetzt. Dass diese Gebäude tatsächlich keine Verwendung finden, scheint die Verantwortlichen nicht wirklich zu stören.

Um das Bruttoinlandsprodukt (BIP) hoch zu halten, wird weitergebaut. Doch nicht nur die Höhe, auch die Qualität des BIP sei relevant, sagt der Analyst Gillem Tulloch in einer australischen Fernsehreportage über die Immobilienentwicklung in China. Er schätzt die Immobilienblase in China wesentlich größer ein als jene in den USA. Die Entwicklung sei alarmierend, meint er.

Das Problem dürfte den Behörden durchaus bewusst sein. Ein staatlicher Immobilienentwickler, der sich seine Wohnung aus Kostengründen selbst mit neun anderen Menschen teilen muss, verweigerte dem Fernsehteam nähere Aussagen: „Ich weiß eine Menge, aber ich darf nicht darüber reden, weil ich im Immobilienbereich arbeite und Schwierigkeiten bekommen würde“, sagte er den Journalisten vom Sender SBS.

Der Soziologe Zhou Xiao Sheng hingegen spricht seine Bedenken offen aus: „Was mich am meisten beunruhigt, ist die Polarisation der Bevölkerung“, sagt er. Die extremen sozialen Unterschiede könnten zu Konflikten führen, zeigt er sich überzeugt: „Es ist klar dass die Unterschiede in der Gesellschaft zu Konflikten führen werden. Die armen Menschen könnten sich erheben und eine Revolution starten.“

Gillem Tulloch sieht das genau so: „So kann es nicht weitergehen. Wir beobachten hier das Anwachsen einer Immobilienblase. Wenn diese Blase platzt, wird das viele Menschen in die Armut treiben. Das erhöht das Risiko von sozialen Unruhen.“

Die Beispiele für den Bauwahn sind unheimlich: Die Stadt Daya Bay war einst eine landwirtschaftlich geprägte Kleinstadt. Dann sollten zwölf Millionen Menschen dort angesiedelt werden. Die Wohnungen dafür wurden errichtet, doch bis heute stehen 70 Prozent davon leer. Dies berichteten sogar staatlich kontrollierte Medien. In einer anderen Stadt in der Nähe von Daya Bay steht die South China Mall, ein Einkaufszentrum mit 1.500 Geschäftslokalen – doch nur in den wenigsten haben Geschäfte eröffnet. Kunden kommen hier so gut wie nie vorbei und die unbenützten Bauten beginnen bereits zu verfallen. Sollte es so weitergehen, sagt einer der seltenen Händler der South China Mall, ist es hoffnungslos.

Kommentare

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  1. floppy sagt:

    Vielen Dank für diesen Beitrag !!

    Wenn man es mit eigenen Augen sehen kann….

    Aber wir Europäer sollten nicht die Nase so hoch tragen, bei uns ist in der Wirtschaft auch einiges nicht in Ordnung. Zum Beispiel der unsinnige Transport von Waren quer durch Europa, obwohl vor Ort ein Produzent ist.
    Bei uns wird nur auf den „Preis“ gesehen, wenn das Produkt „billiger“ ist. Dann wird eben am anderen anderen Ende von Europa (oder der Welt…) das Produkt gekauft.

    Nur wie setzt sich der wirklicher „Preis“ zusammen?

    Es sind so viele Subventionen und Markteinflüsse vorhanden, da wird noch einiges an Veränderungen auf uns zukommen müssen!

    z.B. : „Blumen aus Afrika, Spielzeug aus China, Joghurt aus Holland, Tomaten aus
    Spanien, Gas aus Russland., Immobilien in USA…..usw“

    Und überall mischen sich Politiker und Banken ein…

    Ist das besser? ….. obwohl…64 Milionen Wohnungen zuviel

    = das ist schon der Hammer!

  2. St.Haben sagt:

    Eine Politik,die nur auf Arbeitsplätze setzt,die keine wirkliche Wertschöpfung hervorbringt wie hier in China zb.die Erstellung immer neuer Imobilien,ist völlig verantwortungslos.Sie sichert zwar Posten in Banken und sogar durch die Gehälter im Einzelhandel aber sie verschwendet Energie.Diese Politik nimmt in Kauf,daß Unsummen an Krediten eines Tages mit allen Folgen nichs zurückgezahlt werden können einige werden sich auf Kosten der Mehrheit dann saniert haben.Unglaublich!

  3. Adept sagt:

    In diesen Mietkasernen/Geisterstädten werden die Bewohner verhungern, wenn es ernst wird.
    Die rebellierenden Kleinbauern auf dem Lande werden die Einzigen sein, die eine
    Chance haben. Die glitzernden Megacitiys a la Shanghai werden im Falle eine China-Kollapses vermutlich genauso schnell untergehen wie sie aufgeblüht sind.
    China funktioniert auf Grund der Masse der Bevölkerung langfrisitig nur solange, wie die Eigenversorgung intakt ist.
    Mao hatte diese Autarkie der Lebensmittelproduktion wiederhergestellt und das – nur das – war sein Verdienst. (Ansonsten war er ein gefährlicher Narr.)

  4. wolfswurt sagt:

    In Geisterstädten Unruhen?

    Wie bitte schön soll das denn entstehen?

    Wo doch die Menschen für die Unruhen fehlen….

    • redakteur sagt:

      Wir nehmen an, dass die Menschen in die Geisterstädte kommen werden, wenn sie keine Wohnungen mehr haben und hier Millionen leer stehen. Die Redaktion