Dominique Strauss-Kahn: War es ein Komplott gegen den IWF-Chef?

Die mächtigste Institution der Welt wurde von einem Sexbesessenen geleitet. Der beschuldigt nun den französischen Präsidenten, ihm eine Falle gestellt zu haben. Neueste Enthüllungen zeigen: Für den eigentlichen Sex waren DSK nur sechs Minuten gegönnt. Dafür ist sein Blackberry spurlos verschwunden – mit jeder Menge sensibler Informationen drauf.

(27.11.2011) Die französische Politik hat sich über die Jahrhunderte nicht geändert: Intrigen und Komplotte gehören zum Standard-Repertoire. Nun tauchen neue Fragen über die Sex-Affäre von IWF-Chef Dominque Strauss-Kahn und eine mögliche Verwicklung von Nicolas Sarkozy auf. Dass jedoch die mächtigste Wirtschaftsinstitution der Welt von einer „loose canon“ – einem unbeherrschten Mann in Sexfragen – geleitet wurde, hat den ganzen Skandal erst möglich gemacht. Kleiner Trost: Auch DSK ist Franzose. Vielleicht haben wir es ja mit einer nationalen Eigenart zu tun und keiner allgemeinen Veranlagung im Managment der internationalen Organisationen.

Man sollte sich dennoch mit dem außerehelichen Sexleben des IWF-Präsidenten beschäftigen. Denn der Fall Dominique Strauss-Kahn wirft mehrere Fragen auf, die auch einiges über die französische Politik aussagen. Und weil die Franzosen im Euro-Raum nach noch viel mehr Integration streben, verdienen die Enthüllungen Beachtung, die nun der amerikanische Journalist Edward Epstein in der New York Review of Books veröffentlicht hat.

Edward Epstein hat die letzten Stunden von DSK vor seiner Verhaftung in New York dokumentiert. Am 14. Mai wollte DSK von New York nach Berlin reisen, um mit Angela Merkel die Euro-Krise zu lösen. Statt dessen hatte er Sex mit dem Zimmermädchen und wurde aus dem Flugzeug heraus verhaftet.

Epstein fand nun einige irritierende Details. Diese Details könnten, wenn sie stimmen, DSKs These bestätigen, dass ihm eine Falle gestellt worden sei. Angestiftet von Nicolas Sarkozy sollen die französischen Konservativen hinter dem Vorfall stecken, um ihn aus dem Weg zu räumen. Sarkozy will mit der Sache nichts zu tun haben und hat jede Mitwirkung stets entschieden dementiert.

Epstein hat die letzten Stunden von DSK minutiös nachrecherchiert. Er kommt dabei auf mehrere Ungereimtheiten. Die gravierendste: Der Blackberry des IWF-Chefs verschwand. Das Gerät voll mit sensiblen Daten ist nie wieder aufgetaucht. Auch die 26-jährige Tochter von DSK, Camilla, die wenige Stunden nach dem Vorfall in das New Yorker Sofitel kam, um das Handy zu suchen, fand es nicht – eine Videokammer zeigt sie, wie sie durch das Zimmer kriecht und das Gerät sucht. Es gibt Verbindungen zwischen der französischen Accor-Kette (zu der das Hotel gehört), zur internen Spionage-Abteilung der konservativen UMP, der Partei von Präsident Nicolas Sarkozy. Eine Email von DSK soll bei der UMP gelandet sein, es wird vermutet, dass sein Blackberry gehackt worden ist.

Neben dem Zimmermädchen Nafissatou Diallo, welches DSK wegen Vergewaltigung immer noch zivilrechtlich verklagen will, war ein weiterer Mann kurz in dem Raum gewesen. Das Hotel sagt, es sei der Roomservice gewesen, der das Frühstück abservieren sollte. Hat er den Blackberry mitgenommen? Schon wenige Stunden nach dem Vorfall war das Gerät gesperrt – wodurch eine GPS-Ortung nicht mehr möglich war.

Einige Tage vor dem Rendez-Vous mit Nafissatou Diallo hatte DSK von einer Freundin den Hinweise erhalten, dass eine Email, die er an seine Frau, die Journalistin Anne Sinclair, geschickt hatte, bei der UMP gelandet sei. Er vermutete, dass sein Blackberry angezapft worden war. Er wollte daraufhin seine und die Mobilgeräte seiner Frau auf diesen Verdacht technisch untersuchen lassen.

Für den Sex mit Nafissatou Diallo kann Strauss Kahn den Protokollen zufolge höchstens sechs Minuten Zeit gehabt haben. Eine sportliche Leistung für den allerdings als Frauenbelästiger bekannten DSK. Immerhin hatte er bei der Vernehmung zugegeben, dass es Sex gegeben habe. Dieser sei jedoch im Einvernehmen geschehen. Die Ermittler fanden Spermaspuren von DSK im Speichel des Zimmermädchens. Wie man innerhalb von sechs Minuten das Einverständnis herstellt und die Sache so beendet, dass man noch zeitgerecht zum Lunch mit seiner Tochter ins Restaurant McCormick & Schmick’s an der Sixth Avenue kommt – auch bemerkenswert.

Die Polizei rief das Hotel erst nach 90 Minuten. Zuvor soll es einen Freudentanz von zwei Hotel-Mitarbeitern gegeben haben, von denen einer mit Nafissatou Diallo gesehen worden war.

Das Sofitel und der Elysee-Palast haben jeden Zusammenhang mit der Affäre dementiert und sie als Hirngespinste abgetan.

Dominique Strauss-Kahn kämpft nach dem jähen Ende seiner Karriere beim IWF und der Einstellung des Verfahrens gegen ihn durch die New Yorker Staatsanwaltschaft nun statt um die Rettung des Euro um die Wiederherstellung seiner verlorenen Ehre.

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  1. Doc.Ex sagt:

    In einem Kommentar zu HB vom 25.11.2011 „Ausstieg aus der Euro-Zone“ ist ein noch wichtigerer Grund als die Präsidentschafts-Wahlen genannt:

    Der Crash des ganzen IIF/CDS-Finanzimperiums, das was Ackermann mit dem Super-GAU orakelt. Dazu hätte es bereits im Frühjahr 2011 durch einen BRADY-Plan zur Entschuldung Griechenlands kommen können, wie ihn der IWF, die EU-Kommission und die EZB bereits im Januar 2011 in Athen vorgeschlagen haben. Papandreou hat den Plan unter dem Titel “Re-Profiling” akzeptiert (Quelle: welt.online vom 30.01.2011, vgl. auch Röslers „Re-Solvenz“ vom 11.09.2011).

    Aber dann kam es hinter den Kulissen zum Komplott aller Griechenland-Gläubiger gegen diesen Plan, sowohl privater Gläubiger (Ackermann, Sarkozy, Blankfein) als auch staatlicher Gläubiger (Schäuble).

    Diese Herren wollten anstatt der verantwortlichen Banker der Finanzindustrie weiterhin die Bürger der Volkswirtschaften bezahlen lassen. Dazu hatten sie sich schon lange vorher den Trick mit dem “Euro-Rettungsschirm” einfallen lassen.
    Von einem Credit Default wegen Entschuldung wären besonders betroffen die französischen Großbanken von Nicolas Sarkozy und US-Finanzindustrie von Barack Obama, besonders Goldman Sachs von Lloyd C. Blankfein, die seit ihren Bilanzbetrügereien in Athen zu Zeiten Mario Draghis sehr stark engagiert sind und deshalb auch viel zu verlieren haben, besonders wenn es zum „CDS Default Showdown in Athens“ kommt. Goldman Sachs ist nämlich auch Mitglied des elitären CDS-Clubs. Deshalb war Ackermann als CDS-Mitglied und IIF-Chef kürzlich persönlich in Athen.

    Deshalb haben die „Märkte“ so panisch auf die Ankündigung eines Volksentscheides reagiert, der mit der offiziellen Erklärung des Staatsbankrotts zum Credit Default führen würde. Auch die Überreaktion auf Röslers naiven Vorschlag der Geordneten Insolvenz am 11.09.2011 weist auf die Achillesferse der Global Finance, den Credit Default.

    Was hat das alles mit Daniel Strauss-Kahn zu tun? Nun, DSK war im Januar 2011 persönlich als IWF-Chef und BRADY-Befürworter in Athen dabei. Er kennt vermutlich die Achillesferse seines Rivalen, der ein Emporkömmling der französischen Hochfinanz ist. Mit einem BRADY-Plan wäre er seinen Rivalen los, und auch Angela Merkel und ihre deutschen Bürger hätten aufatmen können.

    Mindestens so groß war und ist immer noch die Bedrohung für US-Obama und seine Finanzindustrie im Falle eines Greek Credit Default. Das erklärt auch, warum DSK zufällig in einem französischen Hotel im amerikanischen New York „sich selbst aus dem Verkehr“ gezogen hat, ebenso wie das auffällige und seltsame Verhalten der amerikanischen Behörden, die die Verhaftung öffentlichkeitswirksam veranstaltet haben.

    Leider sind wir Deutsche nicht nur einfache Zuschauer, sondern dank Ackermann/Schäuble/Merkel teuer bezahlende Zuschauer dieses Finanzspektakels.
    Dank der EFSF-Rettungsschirme können wir uns sogar als stolze Sponsoren dieses Spektakels betrachten, obwohl uns das von dem Kanzlerinmehrheits-Parlament und seinen Medien verheimlicht wird. Wir können uns gar nicht richtig darüber freuen, weil wir es ja nicht wissen dürfen. Schade, nur bezahlen dürfen wir. Freudloses Dasein.