Europäische Banken in der Kreditklemme

Europas Banken fehlen 241 Milliarden Dollar für Kredite, die im Jahr 2011 fällig werden. Es ist das erste Mal seit fünf Jahren, dass die Banken kollektiv nicht in der Lage waren, ihre auslaufenden Kredite zu refinanzieren.

(28.11.2011) Die europäischen Banken stehen vor einer schwierigen Situation. Daten, die von Dealogic für die FT ausgewertet wurden, zeigen: Die Banken konnten bisher nur rund zwei Drittel ihrer in diesem Jahr auslaufenden Kredite refinanzieren. Von insgesamt 654 Milliarden Dollar, die im Jahr 2011 fällig werden und deren Auszahlung die Investoren erwarten, konnten die Banken nur 413 Milliarden Dollar auftreiben. Damit entsteht eine Finanzierungslücke von 241 Milliarden Dollar.

Als Gründe, warum Investoren nicht mehr in Bankwerte investieren wollen, werden die unsichere Gesundheit der Banken, die Probleme in der Euro-Zone und die neuen regulatorischen Vorschriften genannt. Damit droht nach Einschätzung von Huw van Steenis von Morgan Stanley eine Kreditklemme, die nicht nur die europäischen, sondern auch die US-amerikanischen und asiatischen Banken betrifft. Die neuen Eigenkapitalvorschriften zwingen die Banken nach Einschätzung von Morgan Stanley, in den kommenden Jahren 3,3 Billionen Dollar aufzutreiben – ein Unterfangen, welches bei der derzeitigen Lage als ausgesprochen schwierig angesehen wird. Allein im kommenden Jahr müssen Kredite im Wert von 720 Milliarden Dollar refinanziert werden.

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht diese Entwicklung mit wachsender Sorge. Denn die Kombination aus der Notwendigkeit, neues Kapital bei gleichzeitiger extremer Zurückhaltung der Investoren aufzunehmen, könnte sich schon sehr bald zu einer Kreditklemme für die Realwirtschaft ausweiten. Damit würde die drohende Rezession beschleunigt, die Folgen für die Gesamtentwicklung wären unabsehbar.

Van Steenis befürchtet daher, dass die neuen Vorschriften für die Banken zu einer „Crash-Diät“ bei den Banken führen könnten – obwohl diese notwendig seien, erwartet Morgan Stanley „weitreichende Konsequenzen“ an den Märkten.

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