Fondsverwalter: „Europas Banken sind eine absolute Desaster-Zone“

Die Kapitalflucht aus den europäischen Banken scheint unumkehrbar. Institutionelle Investoren erwarten eine Austrocknung des europäischen Bankensektors.

(26.11.2011) Paul Casson von Henderson Global Equities hält den europäischen Bankensektor für vollkommen ungeeignet, um darin zu investieren. Der FT sagte Casson: „Es ist eine absolute Desaster-Zone. Ich fasse da nichts an. Niemand könnte mich dazu bringen, eine Bank zu kaufen. Heute Bank-Aktien zu halten ist eine Wette, die man nicht gewinnen kann. Wie könnte ich im Besitz meines vollen Bewusstseins das Kapital meiner Investoren dorthin geben?“

Diese pessimistische Einschätzung wird auch von Top-Bankmanagern geteilt. Stephen Hester, Chef der teilverstaatlichten Royal Bank of Scotland (RBS), wäre „sehr interessiert, einen Investor zu sehen, der bereit ist, Geld in britische Banken zu stecken. Sie alle denken, das ist ein dummer Platz für das eigene Kapital.“

Eine der Gründe, warum die Kapitalflucht aus den europäischen Banken kein vorübergehender Zustand ist, liegt in der Sorge der Investoren, dass Banken verstaatlicht werden könnten. Steven Stalman, Analyst bei der RBS: „Wenn man als Bank einige Milliarden aufbringen muss, gibt es dafür keinen Appetit bei privaten Investoren. Und dann kann man sich schnell vorstellen, dass eine Bank wie die Commerzbank wieder mehrheitlich in staatlichem Besitz landet.“ Paul Casson teilt diese Sorge und sagt, die Zukunft der Banken sei schon da – nämlich in Irland und Großbritannien, wo die wichtigsten Banken bereits zu wesentlichen Teilen verstaatlicht sind. Diese Aussicht hält Investoren davon ab, in Bankwerte zu gehen, meint man auch bei Nomura.

Die Entwicklung wird die Eurokrise signifikant beschleunigen. Denn alle europäischen Finanzinstitute wie der Rettungsschirm EFSF begegnen derselben Skepsis. Es ist zu erwarten, dass die europäischen Banken wegen der engen Verflechtungen schon bald einen Domino-Effekt der unangenehmeren Art zu erwarten haben.

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