China: Mittelstand von der Krise erfasst

Die straffen finanzpolitischen Maßnahmen der Regierung der vergangenen Monate hat viele chinesische, mittelständische Unternehmen an den Rand des Bankrotts getrieben. Eine Senkung der Kreditrücklagen in lokalen Banken und Hilfe beim Schuldenerlass sollen den Unternehmen jetzt helfen.

(26.11.2011) Ende der Woche hat die People’s Bank of China (PBOC) beschlossen, die Kreditbeschränkungen für 20 ländliche Banken um einen halben Prozentpunkt auf 16 Prozent zu senken. Durch die so geringeren Mindestrücklagen bei der Kreditvergabe soll es den Finanzinstituten erleichtert werden, kleineren Unternehmen Kredite zu gewähren. Sechs dieser ausgewählten Banken finden sich in der östlichen Provinz Zhejiang, wo sich viele privatwirtschaftliche Unternehmen einer Kreditklemme gegenüber sehen. Weitere Regionen in denen Banken nun kleinere Mindestrücklagen bilden müssen, wollte die chinesische Zentralbank nicht nennen.

Aus Sorge vor weiter steigenden Lebenshaltungskosten und einer zu platzen drohenden Immobilienblase (die bereits begonnen hat) hat die chinesische Regierung in den vergangenen 18 Monaten alle Hebel in Bewegung gesetzt und zu straffen finanzpolitischen Maßnahmen gegriffen. Die Beschränkung der Anzahl an Krediten, die chinesische Banken vergeben dürfen, und die hohen Mindestrücklagen waren Teil davon (die Banken selbst sind auch angeschlagen). Dadurch gingen die Finanzinstitute dazu über, fast nur noch an staatlich kontrollierte Unternehmen Kredite auszugeben. Privatwirtschaftliche Unternehmen, wie kleine Geschäfte und Firmen, die in der Landwirtschaft tätig sind, sahen sich so einer Kreditklemme gegenüber. Viele dieser Unternehmen stehen kurz vor einer Pleite.

Die Folge war eine Explosion der inoffiziellen Kreditvergabe im Untergrund. Private Firmen fingen an, sich von informellen Kreditgebern zu hohen Zinsen Geld zu leihen. Allein in Wenzhou City in Zhejiang verschwanden 90 Unternehmer, von denen man ausgeht, dass sie aufgrund hoher Verschuldung abgetaucht sind. Das könnte auch ein Indikator dafür sein, dass selbst der illegale Kreditmarkt kollabiert ist.

Zudem veröffentlichte die Staatliche Behörde für Industrie und Handel neue Regelungen, um privaten Unternehmen, die durch den schwierigen Zugang zu Bankkrediten kurz vor dem Bankrott stehen, zu helfen. Ziel ist es, sie bei der Umstrukturierung der Schulden und der Aufbesserung der Finanzmittel durch Schuldenerlasse zu beraten. Grundsätzlich sind Schuldenerlasse, wie zum Beispiel durch Tausch von Schulden gegen Aktienbesitz an Firmen, in China erlaubt, neu ist jedoch, dass sich die Unternehmen bei solchen Maßnahmen registrieren müssen. So soll eine bessere Regulierung und gesetzliche Unterstützung für diese Praxis geschaffen werden.

Eine Anhebung der Einkommens-, Umsatz- und Unternehmenssteuergrenze, das Reduzieren einiger Steuern und eine Abschaffung der Verwaltungsgebühren für diese privatwirtschaftlichen Unternehmen sollen ebenfalls zur Genesung des chinesischen Mittelstands beitragen. Eine Lockerung der straffen Finanzpolitik generell, lehnt die Regierung jedoch ab.

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