China: Lebensmittel-Preise außer Kontrolle, Immobilienmarkt „kritisch“

Offenbar spitzt sich die Situation in China zu: In gleich zwei dramatischen Appellen warnte Premier Wen Jiabao vor einer Explosion der Lebensmittelpreise und erhöhter Inflationsgefahr. Außerdem sieht Wen das baldige Platzen der Immobilienblase.

(22.10.2011) Wie angespannt die Lage in China ist, zeigen zwei Appelle, die der chinesische Premier Wen Jiabao am Wochenende an lokale Behörden richtete. Bei seinem Besuch in der südlichen Provinz Guangxi forderte er Maßnahmen, um die Nahrungsmittelpreise niedrig zu halten. Dies sei wichtig, um die Inflation einzudämmen. Wen kündigte eine strengere Kontrolle der Lebensmittelproduktion an. Nahrungsmittelreserven sollen dazu eingesetzt werden, die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Subventionen für Futtermittel sollen die Viehzucht fördern.

Die zweite Warnung betraf den angeschlagenen chinesischen Immobilienmarkt. Wen sagte, die Bau- und Immobilienmärkte Chinas befinde sich in einer „kritischen Phase“. Die Unterstützung von sozialem Wohnbau müsse weiter ausgebaut und der Bauwirtschaft zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Der chinesische Premier kündigte bei seiner Visite in Nanning einen Kurswechsel der chinesischen Politik an. Künftig werde man den Fokus auf den sozialen Wohlstand der eigenen Bevölkerung richten. Davon hänge die Stabilität des Landes ab, begründete Wen die überraschende Wende.

Bisher war die Politik Chinas ausschließlich auf Wachstum um jeden Preis ausgerichtet. In den vergangenen Monaten hatten sich jedoch die Proteste gegen soziale Missstände, Elend und Hunger gehäuft.

Diese Entwicklung muss auch Europa zu denken geben: Denn nicht nur fällt China als Retter der Euro-Zone aus. Auch die globale Weltwirtschaft blickt auf China als den letzten Retter in einer auf Wachstum aufgebauten Weltwirtschaftsordnung. Es wird sich zeigen, welche Auswirkungen der neue Blick nach innen auf die für den deutschen Mittelstand extrem wichtigen Importsektor haben wird.

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