Weihnachtsgeschäft: Düstere Prognosen für den Einzelhandel

Der Einzelhandel befürchtet europaweit ein schlechtes Weihnachtsgeschäft. Das Volumen wird auf das Niveau sinken, das er 1999 hatte – als der Euro als Buchgeld eingeführt worden war.

(26.11.2011) Dem Einzelhandel steht ein zähes Weihnachtsgeschäft bevor. Nur mit Hilfe Deutschlands und Frankreichs werden die Umsätze im Einzelhandel europaweit im Vergleich zum Dezember 2010 um 0,8 Prozent steigen, erklärt Simon Chinn vom Forschungsamt für Einzelhandel Conlumino. Klammert man jedoch die Auswirkungen der Inflation aus, ergibt sich ein desolates Bild. Das Volumen des Einzelhandels wird um 2,3 Prozent sinken – so tief, wie das letzte Mal zur Einführung des Euros als Buchgeld 1999.

Die Auswirkungen der Euro-Krise seien überall sichtbar – und ist auch bei den Bürgern angekommen. So zitiert Reuters Ben Becker, einen Techniker aus einem Berliner Krankenhaus: „Ich werde definitiv weniger ausgeben in diesem Jahr. Wenn wir weniger verdienen, wie sollen wir mehr Geld ausgeben?“ Gestiegene Preise, Sparmaßnahmen und stagnierende Löhne haben das verfügbare Einkommen der Europäer deutlich verkleinert.

Die meisten Kunden werden in erster Linie Abstriche bei sich selbst machen, nicht aber bei Geschenken für Kinder und Enkel – positive Nachrichten also für den Spielwarenhandel. Gespart wird zum Beispiel bei kostspieligen Abendplanungen. Des einen Leid, des andern Freud: „Wir hoffen, dass Leute bei Restaurantbesuchen sparen und dafür Zuhause groß auftischen“, so Dirk Boer, Leiter des niederländischen Lebensmittelmarktes Ahold. Auch britische Supermarkt-Ketten wie Asda und Morrison bereiten sich mit kulinarischen Premium-Angeboten darauf vor. Die Verlierer des diesjährigen Weihnachtsgeschäfts – neben der Gastronomie – sind vor allem Reiseunternehmen und Einzelhändler für Bekleidung. „Wenn schon elegantes Ausgehen zu teuer ist, stehen Kurztrips über die Feiertage gar nicht erst zur Debatte“, erklärt Thomas Cook die schwache Nachfrage.

Bessere Aussichten haben jene, die das Preisbewusstsein der Kunden aufgreifen. Handy-Shopping und sogenannte „click and collect“-Dienste, bei dem der Kunde online bestellt, die Ware aber im Geschäft abholt, um Versandkosten zu sparen, werden das Kaufverhalten bestimmen. Damit wird es zu einem verschärften Preiskrieg kommen: „Nur wer in der Lage ist, Marktanteile zu gewinnen, wird gegen Verluste immun sein“, sagt Ian Geddes von Deloitte.

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