Neue Generation von Biosprit mit ungelösten Problemen

Ein neuer Biokraftstoff kann die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Er ist zu teuer in der Produktion. Ob durch ihn tatsächlich die Umwelt geschont wird, ist fraglich.

In den USA werden die Hoffnungen auf eine neue Generation von Biosprit gedämpft. Die Produktion des weiterentwickelten Biosprits ist so kompliziert und teuer, dass die Qualität kaum den Anforderungen der Regierung entsprechen kann. Zu diesem Ergebnis kommt eine Abteilung der nationalen Akademie der Wissenschaften, des National Research Council. Die vom US-Kongress beauftragte Studie behauptet außerdem, dass die Produktion des neuen Biosprits höhere Preise bei Lebensmitteln auslösen könnte. Eigentlich sollte der neue Kraftstoff keine Auswirkungen auf die Lebensmittelpreise haben, weil zu seiner Produktion ausschließlich Materialien verwendet werden, die nicht zum Verzehr geeignet sind. Dazu zählen Gräser, Holz und Getreideabfälle wie Stroh und Spreu. Zwar werden keine Rohstoffe der Lebensmittelindustrie für die Spritproduktion benötigt, sehr wohl aber landwirtschaftliche Flächen. Dadurch würde sich der neue Biokraftstoff indirekt auf den Ernährungsmarkt auswirken.

In dem aktuellen Bericht des National Research Council wird ein weiteres schon bekanntes Argument gegen den neuen Sprit vorgetragen: Die verwendeten Düngemittel stellen unter Umständen eine erhebliche Belastung für die Umwelt dar. Und: In Regionen, in denen zusätzliche Bewässerung nötig ist, ist der Wasserverbrauch ökologisch bedenklich. Wegen all dieser Einwände bringe der biologische Kraftstoff nicht viel an CO2-Einsparungen, schreiben die Autoren der Studie. Mit Treibstoffen aus organischen Materialien wollte die US-Regierung unter Präsident Barack Obama nicht nur Treibhausgase reduzieren. Die USA sollten von Mineralölimporten aus dem Ausland weniger abhängig werden. Von der neuen Herstellungsweise hatte sich die Regierung eine signifikante Anzahl neuer Arbeitsplätze in ländlichen Gebieten erhofft. Nach den nun vorliegenden Erkenntnissen ist es fraglich, ob es dazu wirklich kommen wird.
Ein Gesetz aus dem Jahr 2007 sieht für das nächste Jahr die Verwendung von mehr als 132 Millionen Litern des neuen Biosprits vor. Ab dem Jahr 2022 sollten gar 60 Milliarden Liter von Raffinerien verarbeitet werden. Die Regierung schätzt die tatsächliche Menge allerdings auf nicht einmal 1 Million Liter. Die Werte des Jahres 2022 sind angesichts der Studienergebnisse als illusionär zu bezeichnen. Das National Research Council sieht eine einzige Chance: Falls ein unerwarteter Entwicklungssprung die Produktion des Cellulose-Kraftstoffes effektiver macht, könnten die Berechnungen revidiert werden. Noch ist die Herstellung dieses Stoffes jedoch in einem so frühen Stadium, dass niemand eine Prognose wagen möchte. Die größte Hürde stellen dabei immer noch die Kosten der Rohstoffe dar, durch welche das Geschäft einfach nicht profitabel wird. Raffinerien würden vermutlich Preise von etwa 25 Dollar pro Tonne organischen Materials bezahlen. Um gewinnbringend zu wirtschaften, müssten die Landwirte jedoch 92 Dollar pro Tonne verlangen. Wird das Material aus mehrjährigen Gräsern gewonnen, liegen die Kosten sogar noch höher.

Ein Vertreter des Landwirtschaftsministeriums wirft den Studienautoren vor, sich auf veraltete Daten zu beziehen. Beispiele für überholte Datensätze konnte er auf Nachfrage von amerikanischen Journalisten jedoch nicht nennen. Die Autoren der Studie beteuern, dass alle Zahlen auf dem neuesten Stand seien. Sie sehen nur eine Chance, damit der neue Biosprit reüssiert: möglichst viele Innovationen, ja am besten sogar Revolutionen in der Herstellung dieses einstigen Hoffnungsträgers der alternativen Energien.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.