Netzbetreiber bangen um private Investoren

Die Betreiber von Übertragungsnetzen sehen die Energiewende in Gefahr: Die Bundesnetzagentur will die Zinsen für Investitionen kürzen. Das könnte private Investoren von wichtigen Netzprojekten fernhalten.

(15.09.2011) Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber sind aufgebracht. Nachdem die Energiewende eine beschlossene Sache zu sein scheint, hat sich der Druck beim Ausbau des Stromnetzes erhöht. Ausgerechnet jetzt will die Bundesnetzagentur die Zinsen senken, die Investoren für ihren Einsatz beim Leitungsbau bekommen würden. Bisher lag der Eigenkapitalzinssatz bei 9,29 %. Nach dem derzeitigen Vorschlag der Bundesnetzagentur würde er mit der 2. Regulierungsphase sinken.

Ab 1. Januar 2014 würde der Zinssatz nur mehr 8,2 % betragen. „Das würde bedeuten, dass Investoren um 12 % weniger Rendite bekommen würden“, sagte Marian Rappl vom Netzanbieter Amprion den Deutschen Mittelstands Nachrichten. Schon jetzt gebe es in anderen europäischen Ländern wesentlich höhere Zinssätze, daher sei die geplante Senkung der Eigenkapitalzinssätze für die Netzbetreiber überhaupt nicht nachvollziehbar. Die Energiekonzerne 50Hertz Transmission, Amprion, EnBW und TenneT TSO befürchten, so keine privaten Investoren für den geplanten Netzausbau gewinnen zu können. Die Bundesnetzagentur hingegen geht davon aus, dass es sich bei ihrem Vorschlag um „einen kapitalmarktorientierten Ansatz“ handelt. Dass der Zinssatz ab 2014 um mehr als 1 Prozentpunkt niedriger liegen soll, begründet sie mit der Entwicklung des allgemeinen Zinsniveaus und den konstanten und sicheren Renditen, die der Netzbetrieb abwerfen würde. Privatinvestoren sind bei den geplanten Projekten unerlässlich.

Sowohl die Bundesregierung als auch die EU-Kommission haben betont, dass die Finanzierung eines Netzausbaus in erster Linie von privaten Investoren getragen werden soll. Eine Regelung der Zinssätze ist nötig, weil es sich bei den Übertragungsnetzen um ein Monopol handelt. „Die Bundesnetzagentur simuliert mit ihren Vorschriften Wettbewerb“, erklärt Marian Rappl. „Wenn sich die Regierung entscheiden würde, eine 300%ige Steuer auf Geländewagen zu erheben, könnten Autobauer sagen: Okay, dann bauen wir eben andere Autos. Wir sind aber gesetzlich dazu verpflichtet, den Netzausbau voranzutreiben“, beschreibt Rappl die Situation der Netzbetreiber.

Eine Untersuchung des Bundesverbandes der Wasser- und Energiewirtschaft kommt zudem zu dem Schluss, dass viele Netzbetreiber in Europa noch nicht vollständig privatisiert sind und so einen Vorteil den heimischen Anbietern gegenüber haben. „Es geht uns nicht darum, eine bestimmte Erhöhung des Eigenkapitalzinssatzes durchzusetzen. Was wir brauchen, sind gewisse Investitionsanreize. Das bedeutet Zinssätze, die international wettbewerbsfähig sind“, erklärt Rappl. In Österreich, Frankreich, Portugal und Italien gewährten Regulierungsbehörden zudem Investitionszuschläge, die den jeweiligen Zinssatz zusätzlich erhöhen, um den Netzausbau zu beschleunigen. Die Bundesnetzagentur will noch bis zum 5. Oktober Stellungnahmen von Betroffenen der geplanten Senkung der Eigenkapitalzinssätze entgegennehmen und sich danach entscheiden.

Kommentare

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  1. beccon sagt:

    So richtig geht für Außenstehende aus dem Artikel nicht hervor, was für Zinsen gemeint sind.

    Offenbar sind Investitionen in Infrastruktur von außen so kalkuliert, daß ein auf die zweite Nachkommastelle definierter „Zinssatz“ – eigentlich Rendite?- herauskommt.

    Schon so eine Konstruktion würde mir als Investor sagen, daß ich besser die Finger davon lasse. Wo der Staat irgendetwas „garantiert“ ist der Investor hinterher immer der Dumme und muß sich dann ggf. noch als Spekulant verleumden lassen.