Europa: Banken mitten im Existenzkampf

Die europäischen Banken geraten immer mehr unter Druck: Sie haben in diesem Quartal erst 34 Milliarden Dollar umgeschuldet. Im Frühjahr werden 800 Milliarden Euro fällig, und die Banken finden niemanden, der ihnen die Schrottpapiere abnimmt.

(27.09.2011) So schlechte Verkaufszahlen gab es in diesem Jahrzehnt noch nie: Kaum jemand will den Banken ihre Schrottpapiere abnehmen. Erst 34 Milliarden Dollar wurden an den Mann gebracht, teilte die Datenerhebungsfirma Decalogic mit. Die meisten davon waren kleinere Tranchen unter 500 Millionen Dollar. Normalerweise waren diese Schuldscheine eine bequeme Form für die Banken, um sich selbst zu finanzieren. Damit tickt für die Banken eine Zeitbombe: Bis spätestens März 2012 müssen neue Käufer für diese Papiere gefunden werden, weil dann die Laufzeiten der alten enden.

Und genau da beginnt der Existenzkampf der Banken: Im gegenwärtigen Marktumfeld trocknet nämlich der Markt aus, weil kein vernünftiger Investor mehr das Risiko der Schrottpapiere eingehen will. Bankenanalysten erklären, dass man um diese Zeit im Jahr üblicherweise in die Refinanzierung für das nächste Jahr in groben Zügen sichergestellt hat. Simon Samuels von Barclays sagte dem Wall Street Journal, dass die Austrocknung der Banken „nicht mehr länger anhalten kann ohne die Industrie zu beschädigen“.

Daher ruhen die Hoffnungen der Banken wieder einmal bei der EZB – und verlagern das Risiko damit letzten Endes an den Steuerzahler. Die EZB hat zwar erklärt, dass sie den Banken kurzfristig unbegrenzt Liquidität zur Verfügung stellen wird. Dies könne aber nur kurzfristig geschehen. Hier tut sich dagegen ein systemischer Fehler auf, der massive Rettungsbemühungen erfordert: Es braucht das doppelte Volumen des ESFS, um die Banken zu retten. Darüber hinaus bleibt dann für niemanden mehr etwas übrig.

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