Anlegen in Schwellenländern lohnt sich immer noch

Investoren tauschen ihre Aktienfonds und Staatsanleihen aus Schwellenländern aktuell gegen sicherer wirkende Anlageformen ein. Analysten gehen hingegen davon aus, dass Emerging Markets immer noch attraktive Möglichkeiten bieten.

In der Vergangenheit hat sich das Investment in Emerging Markets durchaus gelohnt: 2009 haben Schwellenländerfonds durchschnittlich 57,2 % zugelegt und 2010 rund 23,3 %. Dank der weltweit volatilen Lage in diesem Jahr sind die Erträge allerdings um 20 % gefallen, vermeldet die Finanzberatung AWD Chase de Vere UK mit Sitz in Manchester.

Insgesamt haben Investoren in diesem Jahr fast 40 Milliarden Dollar aus den Aktienmärkten in Schwellenländern abgezogen. Das sind 35 % dessen, was im letzten Jahr – nachdem viele Investoren sich aus den westlichen Märkten zurückgezogen hatten – in die Schwellenländer hineingeflossen ist.

Auch die Emerging-Markets-Rentenfonds tun sich in diesem Jahr etwas schwerer: Der Investec Emerging Markets Local Currency Debt Fund, einer der größten und beliebtesten Fonds, hat insgesamt in den letzten drei Jahren 58,6 % zugelegt, aber in diesem Jahr minus 3,9 % erwirtschaftet.

Trotz der Unsicherheiten bezüglich der Euro-Krise ist sind die Erträge aus Schwellenländeraktien hinter den Erträgen von Industrieländeraktien im dritten Quartal dieses Jahres zurückgeblieben. Der MSCI Emerging Markets Index verzeichnet einen Rückgang von 23 % im Vergleich zu 17 % beim MSCI World Index.

Willem Sels, UK-Investmentchef bei der HSBC Bank, geht davon aus, dass die Emerging Markets ob ihres hohen Risikos in der aktuellen Lage weiterhin den Kürzeren ziehen werden. „Das bedeutet für die Schwellenländer, dass ihre Aktienmärkte und Wechselkurse heftiger nach oben und unten ausschlagen werden, als die der Industriestaaten“, sagte Sels. „Und dies, obwohl die Ursachen für die Krise eindeutig in den Industrieländern zu finden sind.“

Ob und, wenn ja, wo sich die besten Investitionsmöglichkeiten in den Schwellenländern bieten, wird von Anlageberatern unterschiedlich bewertet. Befürworter von Staatsanleihen, Rentenpapieren und Obligationen gehen davon aus, dass Anleger von attraktiven Renditen um die 5 % profitieren können. „Die Erträge werden besser sein als in den Industrieländern“, betont Adrian Lowcock von Bestinvest. Dazu käme dann auch noch eine Wechselkursrendite. „Als Anleger in Schwellenländerschulden profitiert man nicht von den wachsenden Wirtschaften, sondern vom Wertzuwachs der Währung“, erklärt er.

Andere, wie Merrill Lynch Wealth Management oder Tom Becket, Chief Investment Officer bei PSigma Investment Management, raten eher zu Aktien als zu den ihrer Ansicht nach überschätzten Rentenfonds. „Ich glaube, Investoren setzen zu viel Vertrauen in die Fähigkeiten von Schwellenländerregierungen, sich während möglicher Finanzkrisen über Wasser zu halten“, betont Becket. „Ich würde lieber in ein gutes Unternehmen mit einem guten Management in einem Schwellenland investieren, als mich auf die Politiker in einigen dieser Länder zu verlassen.“ Zudem würde die Mittelklasse in diesen Ländern weiter wachsen und somit für steigenden Binnenabsatz sorgen.

Insgesamt sei der Ausblick für die Emerging Markets aber positiv zu bewerten, meint Willem Sels von der HSBC Bank. Seiner Ansicht nach wird die Inflation weltweit bald einen Höhepunkt erreichen. Dadurch könnten die Zentralbanken in den Schwellenländern aufhören, mit hohen Zinsen zu locken, was sich positiv auf die Anleihenpreise auswirken sollte. „Außerdem glauben wir, dass sich die meisten Schwellenländer auf einem wesentlich besseren Weg in Sachen Bonitätsbeurteilung durch die Ratingagenturen befinden, als viele westliche Länder“, sagt er. „Auch davon wird der Schuldenpapiermarkt in den Schwellenländern langfristig profitieren.“

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