Griechenland: Banken wollen keinen „freiwilligen“

Der Internationale Bankenverband IIF hat damit begonnen, den von der EU angekündigten „Deal“ über einen Schuldenschnitt in Frage zu stellen. Für die Banken wäre eine Pleite Griechenlands viel lukrativer.

(28.10.2011) Angela Merkel konnte es sich nicht verkneifen, sich als eiserne Lady der EU zu präsentieren. Um Mitternacht hätte sie die Banken vor ein Ultimatum gestellt, entweder einen freiwilligen Verlust von 50% bei ihren Griechenland-Schrottpapieren hinzunehmen – oder aber die EU würde Griechenland in die Pleite schicken.

Die darauf folgende Zustimmung des internationalen Bankenverbandes IIF (Institute of International Finance, Chef: Josef Ackermann) ist dem theatralischen Umfeld des EU-Gipfels geschuldet – wer möchte schon gerne als der Schuldige dastehen. In Wahrheit ist das Memorandum of Understandig, das Banken und EU beschlossen haben, kaum das Papier wert, auf dem es aufgeschrieben wurde.

Denn wenige Stunden später schrieb der Verhandler der Banken, Charles Dallara, wörtlich an die von ihm vertretenen Banken: „Das mag für Sie vielleicht eine kleine Überraschung sein, aber das ist es, wo wir in der vergangenen Nacht beschlossen haben, unsere Gespräche zu beenden.“ Dallara versprach seiner Klientel sodann, dass man alles getan habe, damit sich die Verluste in Grenzen halten: „Das ist entscheidend für uns, und wir fühlen Zuversicht, dass wir unsere Interessen geschützt haben, die darin bestehen, den bestehenden Wertverlust einzudämmen. Wir haben verschiedene Optionen von Coupons (Zinsen, Anm. d. Red.) und Konstruktionen, die um das 30 Milliarden Euro Paket herumgebaut haben und wir sind zuversichtlich, dass wir eine Vereinbarung von Details erreichen werden, die unseren aktuellen Verlust schützen werden.“

Damit sagt Dallara, dass es überhaupt keinen Deal gibt. Nun werde man Verhandlungen beginnen. Und diese können natürlich auch scheitern. Denn es besteht, so schreibt FT-Kommentator Wolfgang Münchau, eine „signifikante Wahrscheinlichkeit, dass wir mit einer erzwungenen Vereinbarung enden werden“.

Es ist nämlich für die Banken von großer Bedeutung, nicht freiwillig (oder wenigstens nicht mutwillig) ein Abkommen zu unterschreiben, bei dem sie das Geld ihrer Anleger verbrennen. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Banken ja gleichzeitig zur Rekapitalisierung gezwungen werden: Wie können sie neue Investoren gewinnen, wenn sie gleichzeitig zugeben müssen, durch Abschreibungen das Geld der Anleger vernichtet zu haben?

Zur der nötigen Risikovorsorge vertrauen die Banken nämlich weniger auf nette Worte von europäischen Politikern, sondern auf ein erprobtes Instrument: Die Kreditausfallversicherungen (CDS). Die Banken haben da auch gar keine andere Wahl, weil ihnen sonst Klagen ihrer Shareholder drohen. Denn sie sind verpflichtet, das Vermögen, das ihnen anvertraut wurde, mit allen Mitteln zu schützen. Diese CDS, für die die Banken ja auch Versicherungsprämien gezahlt haben, dienen nur einem Zweck – nämlich, die Banken vor unfreiwilligen Kreditausfällen zu schützen. Stimmen die Banken einem Kreditausfall freiwillig zu, greifen die Kreditversicherungen nicht. Daher ist es für die Banken wirtschaftlich viel sinnvoller, sich den Kreditausfall aufzwingen zu lassen.

Auch für die Realwirtschaft hätte ein ungedeckter Kreditausfall erhebliche Folgen: Die Banken haben ohnehin bereits angekündigt, in der Kreditvergabe deutlich restriktiver sein zu wollen.

Damit würde genau jenes Szenario eintreten, welches die EU eigentlich vermeiden will: Erzwungen kann der Kreditausfall nur durch eine offizielle Pleite Griechenlands werden.
Der Bankenverband wird sich deshalb nun mit großer Gelassenheit in die Verhandlungen begeben. Ihre Position ist nämlich klar: Sie sind niemandem Rechenschaft schuldig, außer ihren Shareholdern. Wegen der befürchteten Klagewelle werden sich die Banken in diesem Fall auf Punkt und Komma auf ihre Verpflichtung für die Shareholder berufen. Sie sind nicht zuletzt deshalb in einer stärkeren Position als die EU-Politiker, weil Herr Sarkozy, dessen Banken am meisten betroffen sind, sich in keiner Weise den Shareholdern des EFSF verpflichtet fühlen muss: Sind dies doch am Ende die deutschen Steuerzahler, und die haben Sarkozy nun ja wirklich nicht gewählt.

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