Wie Deutschland als Mikrosystemtechnik-Standort erfolgreich bleibt

Der Mittelstand treibt im Bereich Mikrosystemtechnik die Innovationen voran. Um sich erfolgreich auf veränderte Rahmenbedingungen einzustellen, erfordert es allerdings eine wesentlich bessere Vernetzung und kreative Zusammenarbeit.

Bis zum Jahr 2020 wird der Marktanteil Deutschlands am weltweiten Gesamtumsatz der Mikrosystemtechnik (MST) von 19 auf 21 % steigen. Das vermeldete das Trendforschungsinstitut Prognos während des 4. Mikrosystemtechnik-Kongresses in Darmstadt. Dadurch würde die Zahl der direkt oder indirekt mit der Mikrosystemtechnik verbundenen Arbeitsplätze um mehr als 1/4 auf fast eine Million steigen.

Mikrosystemtechnik ist überall dort zu finden, wo unterschiedlichste Funktionen, Materialien und Technologien auf kleinster Fläche vereint werden sollen. Ob in smarten Textilien, bei Automobilzulieferern und Medizintechnik oder im Informations- und Kommunikationssektor – überall wird Mikrosystemtechnik verwendet, die oft nur eine Größe von wenigen Mikrometern hat. „Die Zukunftsprognosen für Beschäftigtenzahlen in Deutschland und den Umsatz im In- und Ausland sind überdurchschnittlich positiv“, sagt Wolf-Dieter Lukas, Abteilungsleiter für Schlüsseltechnologien im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Auch Dr. Uwe Kleinkes, ehemaliger Geschäftsführer des internationalen Fachverbandes für Mikrotechnik, Nanotechnologie und Neue Materialien IVAM, sieht weiterhin beste Chancen für die MST – warnt aber davor, sich auf den in den letzten zehn bis 15 Jahren verdienten Lorbeeren auszuruhen. „Die Rahmenbedingungen ändern sich rasant“, erklärte der Experte für Technologiemarketing. Für ihn sind die wichtigsten Herausforderungen der Fachkräftemangel, die Internationalisierung und die Finanzierung von Innovationen. „Man muss sich dessen bewusst sein und sich darauf einstellen“, betonte er.

So würde die Wirtschaft nicht so sehr in Europa, sondern in Asien und Südamerika wachsen. Viele Großunternehmen würden deswegen sowohl Produktion als auch Forschung und Entwicklung dorthin verlagern. Ein Beispiel sei die Bayer AG, die ihre Polycarbonat-Sparte von Leverkusen nach Shanghai verlegen wolle. Dadurch würden einerseits Aufträge für den heimischen Mittelstand wegfallen. Andererseits könnten asiatische Zulieferer dadurch technologisch aufrüsten.

Kleinkes fordert die MST-Unternehmen daher auf, sich weder auf Großunternehmen noch auf staatliche Initiativen zu verlassen, sondern selbst wesentlich aktiver und kreativer zu werden. Dazu gehörten unter anderem Kooperationen in Bereichen wie Sichtbarkeit im Arbeitsmarkt, gesteigerte Attraktivität für Hochschulabsolventen, Marktmacht beim Einkauf, Innovationspipelines oder Patentbeobachtung.

„Das Wesentliche ist, dass man verstärkt zusammenarbeitet, Ressourcen poolt und Netzwerke bildet“, betonte Kleinkes. Der Experte geht davon aus, dass die MST so nachhaltige Modelle entwickeln wird, die deutschen Mittelständlern auch zukünftig eine Vorreiterrolle sichern werde. „Die Unternehmen, die sich heute mit diesen Herausforderungen beschäftigen, werden diejenigen sein, die auch in zehn Jahren noch an der Spitze stehen“, betonte er.

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