Spanien: Keine Gnade bei Hypotheken-Schulden

Spanier, die ihre Hypotheken auf ihr Haus nicht mehr abbezahlen können, werden mit erheblicher Härte bei Zwangsräumungen auf die Straße gesetzt. 300 Familien müssen täglich ihr Haus verlassen. Ihnen wird geraten: „Gehen Sie ins Tierheim!“

(25.11.2011) Während Spaniens Immobilienboom von 1998 bis 2008 florierte der Arbeitsmarkt. Viele Einwanderer wurden sesshaft und der Kauf eines Eigenheims schien äußerst lukrativ. Dann platzte 2008 die Immobilienblase – Arbeitslosigkeit und private Verschuldung waren die Folgen. Aufgrund der Schuldenkrise zählt Spanien heute fünf Millionen Arbeitslose, von denen viele hochverschuldet sind. Aufgrund immenser Kürzungen im Sozialbereich haben sie vom Staat jedoch nicht viel zu erwarten.

Die Banken wollen ihr Geld trotzdem. Wer den Zahlungsaufforderungen nicht nachkommt, verliert sein Haus – und damit sein Zuhause. So veranlassen Banken täglich hunderte Zwangsräumungen und setzen mittellose Familien einfach auf die Straße. „Das hat meine Familie zerstört. Die Bank hat das Haus übernommen – es gehört ihr jetzt. Sie haben das Doppelte des Wertes zurückverlangt. Ich sagte, ich könne es nicht zahlen und wüsste nicht wo ich hin sollte. Sie entgegneten: Gehen Sie ins Tierheim“, berichtet Consuelo Lozano unter Tränen, als der Gerichtsvollzieher sein Haus räumt.

Weder der Staat noch die Banken zeigen Verständnis für ausbleibende Raten – Hilfe finden Betroffene derzeit nur bei ehrenamtlichen Netzwerken, wie der Plataforma de Afectados por la Hipoteca (PAH). Der Verein fordert Gesetze, die den Hauseigentümer vor unverhältnismäßigen Steigerungen der Raten schützt, längere Fristen bis zur Räumung sowie einen öffentlichen an bezahlbaren Sozialwohnungen bereitzustellen. Zudem versuchen sie mit zahlreichen friedlichen Blockaden Aufmerksamkeit zu erlangen. Mit Veröffentlichungen über Twitter und Online-Plattformen konnte allein im Oktober die Aufschiebung zweier Zwangsräumungen erreicht werden, erklärt Chema Ruiz, Sprecher der PAH der Nachrichtenagentur AFP.

Kommentare

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  1. Harald sagt:

    Ich habe kein Mitleid mit den verschuldeten Hausbesitzern. Denn wer über seine Verhältnisse lebt, muss halt die Konsequenzen tragen. Also lieber eine kleine Bude, als später im Tierheim:)
    Ich bin froh, das die spanischen Banken so konsequent sind, so bleibt mein erspartes Geld das wert, wofür ich hart gearbeitet und gespart habe.

  2. komp sagt:

    In so einem Fall würde ich einfach mit meinen Sachen in die betreffende Bankfililiae einziehen – dort wo die Geldautomaten stehen.

    Sollte ich dort wieder geräumt werden – nunja, da bliebe mir nichts anders übrig als besagte Bankfilialie mit meinem Golfschläger ein wenig zu „verschönern“ und die Dreckfressen von einigen Verbrecherbankern ebenso….