Kapitalflucht aus europäischen Banken nun auch von Europäern

Kaum ein amerikanischer Geldmarkt-Fonds investiert noch in europäische Bankaktien. Nun droht den Banken auch der Exodus großer institutioneller Investoren vom Kontinent selbst.

(10.10.2011) Seit diesem Sommer denken viele Investoren darüber nach, welche Auswirkungen die Verluste der Banken, die sie mit gehaltenen Staatsanleihen aus der Eurozone machen, auf ihr persönliches Geschäft haben könnten. Nachdem sich der amerikanische Geldmarkt bereits in den vergangenen Monaten fast gänzlich aus den Dollar-Finanzierungsgeschäften mit europäischen Banken zurückgezogen hat, müssen diese nun Dollar-Anleihen verkaufen. Einige Banken überlegen sogar, ihre traditionellen Bankgeschäfte, die in Dollar gezeichnet sind, wie beispielsweise zentrale Funktionen wie die Handelsfinanzierung, zu kürzen oder zu verkaufen.

Nun beginnen einem Bericht des Economist zufolge große institutionelle Investoren wie Pensionsfonds und Versicherer auch, sich im großen Stil aus ungesicherten europäische Bankanleihen zurückzuziehen. Vor allem vor Laufzeiten von mehr als zwei Jahren schrecken viele zurück. Das kann die Banken dazu zwingen, ihre Euro-Anleihen zu kürzen, aber auch gleichwertige Anleihen und erodierendes Kapital zu senken. Doch dieser Schuldenabbau bringt auch eine Reduzierung der Kreditaktivität mit sich. Die Anteile der europäischen Banken fielen in den vergangenen drei Monaten um 40 Prozent und so sind die Aktienkurse auf beiden Seiten des Atlantiks wieder beim Tief von 2008 angekommen.

Der zurückgezogene amerikanische Geldmarkt und die sich verabschiedenden, großen institutionellen Investoren machen es den europäischen Banken fast unmöglich, von allein wieder auf die Beine zu kommen. Vielleicht könnte die EZB mit ihren angekündigten 12- und 13- Monats-Krediten zu günstigen Zinsen, neben einer Erhöhung der Planungssicherheiten der Banken auch Privatinvestoren dazu bewegen, Banken für diesen Zeitraum ebenfalls Geldmittel zur Verfügung zu stellen.

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