Jörg Asmussen: „Es gibt keine Euro-Krise“

Der Staatssekretär im Finanzministerium, Jörg Asmussen, sieht keine Euro-Krise. Italien habe kein Problem, wenn die Staatsanleihen über 7% Zinsen kosten. Ein Plan B für die aktuelle Lage sei nicht nötig.

(18.11.2011) In einem Interview zeigte sich der Staatssekretär im Finanzministerium, Jörg Asmussen, zuversichtlich, dass Italien keine Probleme mit der Bewältigung der Krise haben werde: Die hohen Zinsen für italienische Staatsanleihen seien „nicht erfreulich, aber ein Land von der Stärke Italiens kann kurzfristig das ohne jede Schwierigkeit meistern“.

Bei einer Diskussionsveranstaltung der Heinrich Böll Stiftung in Berlin sagte Asmussen, dass die Bundesregierung keinen Grund zur Unruhe in der Lage in Europa erkennen könne. Wähend in London die Banken bereits den Ernstfall proben (Codewort „War Games”) ist für Asmussen der Euro offenbar der Hort der europäischen Stabilität. Einem Bericht des Economist zufolge sagte Asmussen: „Es gibt keine Euro-Krise, es ist eine Staatsschuldenkrise. Der Euro ist stabil.“

Daher sieht die Regierung von Merkel auch keinen Anlass über einen Plan B nach zudenken. Asmussen: „Wenn Sie über Plan B spekulieren, ist Plan A kaputt.“ Der Plan A besteht nach Asmussens Vorstellung in folgenden Punkten: Einem Plan für die Lösung der Schuldenfrage und des Wachstums in Griechenland; der Verhinderung der Ansteckung von Spanien und Italien; Errichtung eines Schutzwalls um die Banken, indem sie ihre Schrottpapiere loswerden und mehr Kapital aufnehmen; einen weiteren Schutzwall mit dem EFSF errichten; und schließlich: Eine Roadmap für eine tiefere fiskalische Union.

Der Moderator der Veranstaltung merkte an, dass Asmussen bei der Veranstaltung nur als Staatssekretär und nicht als künftiges EZB-Mitglied, aber auch nicht als Privatmann oder Intellektueller zu sprechen befugt war.

Unklar bleibt, so der Economist, was Asmussen tief in seinem Inneren denkt. Als Intellektueller könnte er natürlich auch folgende Gedanken haben: Schulden Griechenland – im besten Fall Rückgang auf 120% des BIP, gilt bei Experten als keinesfalls nachhaltig; Wachstum Griechenland: fast 50% Jugendarbeitslosigkeit und wieder Ausschreitungen in Athen – Wachstum höchstens bei der Gewaltbereitschaft; Rekapitalisierung der Banken: über Tricks oder geradeaus Verstaatlichung; EFSF als Schutzwall: Der EFSF ist löchrig wie ein Schweizer Käse, war von Anfang an eine Fehlkonstruktion; die tiefere fiskalische Union – hatten wir da nicht ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts.

Bei so viel intellektueller Selbstverleugnung könnte man auf den Gedanken kommen, das es vielleicht doch einen Plan B gibt. Mehr dazu erfahren wir vielleicht, wenn Asmussen im Januar seinen neuen Job als Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank antritt.

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