Jeremy Rifkin: Europäischer Energiemarkt muss einheitlich bleiben

Jeremy Rifkin warnt vor einer Aufspaltung des europäischen Energiemarktes. Er befürchtet einen Anstieg der Abhängigkeit Europas von Ölkonzernen.

Für den Wirtschaftsprofessor und Energieexperten Jeremy Rifkin würde das Zerbrechen der Eurozone Europa in ein „dunkles Zeitalter“ stoßen. Rifkin sagte dem Nachrichtendienst Bloomberg, dass infolge eines Euro-Crashs davon ausgegangen werden müsse, dass das gesamte EU-Konzept der Umstellung auf Erneuerbare Energien sowie die Errichtung von Smart-Grids zusammenbrechen würden. Die Abhängigkeit Europas von Öl und anderen fossilen Energieträgern würde jedes Wachstum verhindern und damit den Kontinent in eine langanhaltende Rezession stürzen.

Rifkin vertritt die Auffassung, dass auch die Finanzkrise von 2008 nicht durch die Lehman-Pleite, sondern durch die rapid steigenden Ölpreise ausgelöst wurde. Auch in diesem Jahr hätten die Ölpreise wieder einen Höhenflug erlebt. Drei Monate, nachdem der Ölpreis ein historisches Hoch erreicht habe, hätte die EZB damit begonnen, Staatsanleihen von schwächelnden Staaten zu kaufen. Die Abhängigkeit der Welt von Öl als Hauptenergiequelle führt dazu, dass das Kartell der erdölproduzierenden Staaten direkten Einfluss darauf habe, wie viel Geld die Bürger in der Tasche haben. Durch höhere Ölpreise steigen alle Kosten, von Lebensmitteln bis hin zur Bekleidung, was dazu führt, dass die Wirtschaft nicht wächst, sondern schrumpft.

Gegen dieses Szenario helfe nur ein entschlossener Umstieg auf Erneuerbare Energien. Dieser sei, so Rifkin, in vorbildlicher Weise nur von Deutschland vorangetrieben worden. Rifkin, der Angela Merkel sechs Jahre lang in Energiefragen beraten hat, forderte in diesem Zusammenhang eine zweite industrielle Revolution. Er sprach davon, dass es ein „Internet der Energie“ geben müsse. Dann würden, wie in der Computerindustrie, durch Wettbewerb die Energiekosten dauerhaft signifikant sinken. Nur so könne Europa zu einem nachhaltigen Wachstum zurückfinden.

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